Hohe Warte, Stadion

© Kurier / Franz Gruber

Winheims Tagebuch
06/18/2021

100 Jahre Hohe Warte: Eine Bombe unter der Vienna-Kabine?

Die einzigartige Naturarena wird am Samstag 100 Jahre alt. Zündstoff war und ist bei der Vienna immer garantiert.

von Wolfgang Winheim

Vienna, Vienna. Wer hätte gedacht, dass Österreichs ältester bereits in Konkurs gewesener Fußballklub noch einmal an einem Tag drei Mal Anlass zum Feiern haben würde, ...

... weil Viennas einzigartige Naturarena, die Hohe Warte, am Samstag 100 Jahre alt wird, obwohl Spekulanten das im noblen Döbling befindliche Traumgrundstück liebend gern gewinnbringend zubetoniert hätten;

... weil die Frauen vom First Vienna Football Club erstmals in die erste Bundesliga aufsteigen, in der die beiden österreichischen Topklubs nicht vertreten sind, zumal Salzburg und Rapid keine Damen-Sektion haben;

... weil Viennas Männer-Team sich von der Viertklassigkeit als Wiener Stadtligameister verabschiedet und damit das so beliebt gewesene kleine Wiener Derby zumindest in der Regionalliga wieder möglich macht.

Das kleine Derby Vienna – Sport-Club war in den 1950er-Jahren ein großes, wiederholt den Titelkampf prägendes gewesen. Mit den WM-Dritten Kurt Schmied und Karl Koller wurde Vienna 1955 (zum letzten Mal) österreichischer Meister, 1958 und 1959 der WSC.

Für uns Vienna-Buam gab’s nix Aufregenderes, als Ballschani spielen zu dürfen. Eine „Funktion“, die auf der Hohen Warte nicht unwichtig war, stand damals doch meist nur ein einziger Matchball bereit, und der verirrte sich nach Weitschüssen gelegentlich im Gebüsch am Nordhang, Dort, wo es zig Jahre davor in der Zwischenkriegszeit beim Ländermatch gegen Italien vor fast 90.000 Besuchern zu einem Erdrutsch gekommen war.

Hohe Warte Stadion

1954 wurde die Hohe Warte für 32.000 Besucher zugelassen. Vienna-Funktionäre hatten – auch mit eigenen Händen – die vom Krieg gezeichnete Arena in ein Schmuckkastl verwandelt.

Nur in einer besseren Baracke umziehen mussten sich Feind und Feind nach wie vor auf engstem Raum. Und sich einen Duschraum teilen. Heute undenkbar. Ja, sogar wir Ballbuam standen mit den Stars gemeinsam unter der Brause und wurden so Zeugen, wenn nach hektischen Partien die Seifen tief flogen. Auch damals hatte es Heißsporne à la Marko Arnautovic gegeben, die leicht in die Luft gehen.

Vielleicht hatte jahrzehntelang wirklich Explosionsgefahr geherrscht auf der Hohen Warte. Wurde doch 1976 beim Abriss des kleinen Klubhauses ein intakter Sprengkörper aus dem Krieg entdeckt. Ob neben oder gar unter den Kabinen, wurde nie bekannt.

Später sorgte die Vienna nur noch auf dem Transfermarkt für Bombenüberraschungen. Als Hans Krankl von Barcelona nicht zu Rapid, sondern zunächst zu Vienna wechselte; als mit Mario Kempes ein argentinischer Weltmeister und WM-Schützenkönig für die Döblinger stürmte; als Peter Stöger und Andreas Herzog Zwischenstation auf der Hohen Warte machten. Und als wieder ein Jahrzehnt danach der spätere EM-Tormann Jürgen Macho von der Liga II direkt nach England verkauft wurde.

Sie alle mussten oft zum Training in den Prater ausweichen. Weil es auf Viennas Riesenareal zu wenig Übungsmöglichkeiten gab.

Zwar wurde später im Zuge der Verbauung der Hohe-Warte-Parkplätze (wo heute Luxuswohnungen stehen) vertraglich die Errichtung von Trainingsfeldern angrenzend an die ehemalige Bundespräsidentenvilla zugesichert. Nur nie realisiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Würde grüne Umweltschützer freuen und dem bald 127 Jahre alten blau-gelben Klub sportlich helfen.

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