Sport | Fußball-WM
27.06.2018

"Ende nicht wie Elvis": Ein Appell an Maradona

Die große Fußballgemeinde reagiert in den sozialen Netzwerken besorgt auf die letzten Auftritte der argentinischen Legende.

Das argentinische Nationalteam um Lionel Messi hat nach dem gestrigen 2:1-Triumph über Nigeria nach einer bisher durchwachsenen Weltmeisterschaft den Einzug ins Achtelfinale geschafft. Erstaunlich oft wurde in den Fernsehbildern ein ehemals gefeierter und global bewunderter Superstar eingeblendet: Diego Maradona.

Maradonas Auftritt weckte Spekulationen über möglichen Alkohol- und Drogenkonsum. Fälschlicherweise waren Informationen über eine Einweisung ins Spital im Umlauf, auf Instagram gab die Legende am Tag danach Entwarnung.

Gefallener Heiliger

Die Skandale um Diego Maradona reißen seit Jahren nicht ab, sie waren auch während seiner erfolgreichen Karriere, die neben zahlreichen Titeln beim FC Barcelona und bei Napoli ihren Höhepunkt mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko fand, omnipräsent. Schon 1982 nahm er das erste Mal Kokain zu sich, die Droge sollte sein Leben maßgeblich bestimmen. 1991 löste der SSC Napoli den Vertrag mit ihm auf, nachdem bei einer Dopingprobe sein Kokainkonsum, der in Neapel ein offenes Geheimnis gewesen sein soll, auf. Neapels Oberstaatsanwalt genehmigte die Festnahme des Stürmers nicht, erstens aus Angst vor der Reaktion der Fans, die ihn wie einen Heiligen verehrten, zweitens, weil er Kontakte zur Mafia gehabt haben soll. "Bei Ermittlungen gegen einen Mafia-Boss stießen wir auf Maradona. Er kaufte beträchtliche Mengen Drogen, die er selbst konsumierte oder einigen Prostituierten weitergab, die er in einem Hotel traf", sagte der Staatsanwalt Luigi Bobbio zu der Causa später.

Maradona ergriff die Flucht und setzte sich nach Argentinien ab, wurde dort wegen seines Drogenkonsums verhaftet. Der damals 30-Jährige wurde zu 14 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und zu einer Entziehungskur verurteilt. Der argentinische Verband sperrte ihn für 15 Monate. Einem Engagement beim FC Sevilla in Spanien, das in Erinnerung blieb, weil er Journalisten auf seinem Anwesen mit einem Luftgewehr beschoss, folgte die abermalige Rückkehr in die Heimat. Argentinien führte er zur WM 1994 in den USA, dort wurde er des Dopings überführt.

Der Superstar zeigte sich in der Vorrunde von seiner besten Seite, krönte sein Auftreten mit einem Tor beim 4:0 über Griechenland. Nach seinem Ausschluss schied die "Albiceleste" im Achtelfinale aus. "Der König ist tot, wir spielen weiter", sagte der damalige FIFA-Generalsekretär Sepp Blatter

Unsterblich

Maradona trat aber nicht von der Weltbühne ab. Bis 1997 schnürte er seine Fußballschuhe, es folgten Schlagzeilen um seine gesundheitliche Verfassung, im Jahr 2000 ein Herzinfarkt wegen übermäßigen Kokainkonsums. Zur Rehabilitation ging er nach Kuba, dort schloss er Freundschaft mit dem Maximo Líder Fidel Castro. Vier Jahre später folgte ein erneuter Klinikaufenthalt. "Ich war, bin und werde immer drogenabhängig sein", sagte er danach.

2010 schied das von ihm betreute Argentinien sang- und klanglos im WM-Viertelfinale gegen Deutschland aus. Maradona wurde entlassen und nahm einige Jobs als Chefcoach an, ehe er vor der WM 2018 beim weißrussischen Klub Dinamo Brest anheuerte, um danach die Geschicke des Klubs zu leiten. "Ja, Diego ist bei uns", verkündete der Klub stolz auf seiner Internetseite.  

Der Ruhm Maradonas scheint nicht vollkommen verblasst, die Berichterstattung während des Turniers dreht sich um die Legende, die das Scheinwerferlicht sucht. Fotos mit Zigarre in den rauchfreien Stadien, Videos aus Flugzeugen beim Konsum von Alkohol, nun sein bizarrer Auftritt beim Aufstieg Argentiniens lassen die Fachwelt und Fans Sorge tragen.

"Ende nicht wie Elvis", twitterte der ehemalige Rapidler Jan Åge Fjørtoft. Nicht nur er zeigte sich besorgt um den Mann, dem früher die ganze Welt zu Füßen lag.