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Lokalaugenschein
06/15/2016

Große Emotionen am Wiener Rathausplatz

Freud und Leid waren in der Fanzone in Wien in dieser Reihenfolge ganz nah beieinander.

von Birgit Seiser

Mit viel Enthusiasmus waren die Fans am Dienstag in die Fanzone vor dem Wiener Rathausplatz gepilgert, um den ersten Sieg der Österreicher mitzuerleben. Mit noch mehr Wut und Trauer verließen die rot-weiß-roten-Enthusiasten 90 Minuten später das Areal.

Österreichs größte Fanzone war schon kurz nach Spielbeginn um 18 Uhr so gut besucht, dass die Veranstalter die Eingänge schließen mussten. Mit 13.400 Menschen hatte die Location ihre Kapazität fast überschritten. Dutzende Fans warteten trotzdem vor den Absperrungen, um doch noch irgendwie zu der Leinwand zu gelangen – vergeblich. Das ärgerte die Wartenden besonders bei einer Situation, die sie draußen akustisch miterleben durften. Beim "Beinahe-Tor" von Martin Hinteregger war der Jubel besonders groß.

Bier lag in der Luft

Danach flogen unzählige Bierbecher samt Inhalt durch die Luft – die gleiche Reaktion zeigten die Fans übrigens auch, als feststand, dass der Treffer doch kein gültiges Tor war.

Mit fortschreitendem Bierkonsum und aus österreichischer Sicht immer ungünstigerem Spielstand, verfinsterten sich zusehends auch die Mienen. Sprechchöre mit Worten, für die einen die Mutter getadelt hätte, hallten durch die Wiener City. Und das, obwohl die meisten Österreich-Fans auf Nachfrage gar nicht mit einem Weiterkommen ihrer Mannschaft rechnen.

Tipps gegen Österreich

Eine gute Zusammenfassung der allgemeinen Einstellung zum Team lieferte der achtjährige Noah, der mit seiner Mama Sirena einen Platz direkt vor der Leinwand ergattern konnte: "Ich hoffe schon, dass wir gewinnen. Aber in Wirklichkeit glaube ich, dass wir nicht einmal die Gruppenphase schaffen werden", sagte der mögliche zukünftige Fußball-Profi.

Ungarische Fans waren in der Fanzone fast keine auszumachen, zumindest hatten sie sich nicht offensichtlich in den landestypischen Farben eingekleidet.

Obwohl die Emotionen im Laufe der 90 Minuten eine Berg- und Talfahrt hinlegten, lief die Heimreise recht ruhig ab. Außer der einen oder anderen Träne junger Fans verhielten sich die enttäuschten Österreich-Anhänger zivilisiert.

Auch die Wiener Polizei konnte nicht klagen: "Bislang ist alles ruhig verlaufen. Trotz Enttäuschung, ein großes Kompliment an die Fairness und die Vernunft aller Fußballfans", sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger.

Insgesamt sind in Wien 100 Einsatzkräfte für die Betreuung der Fanzonen bereitgestellt. Nach der Niederlage konnte das Match PortugalIsland dann weitaus weniger Zuschauer verbuchen.

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