Marko Arnautovic und die Österreicher verloren zum Auftakt.

© APA/ROBERT JAEGER

EURO 2016
06/14/2016

0:2 gegen Ungarn - Österreich patzt zum EURO-Auftakt

Das ÖFB-Team muss gleich zum Auftakt einen Dämpfer einstecken. Dragovic fliegt mit Gelb-Rot vom Platz.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

Aller Anfang ist schwer, aller Anfang kann auch gehörig daneben gehen. Österreich konnte den besagten Schalter eben doch nicht umlegen und verlor gegen die Ungarn 0:2. Der erste EM-Auftritt gestaltete sich enttäuschend.

Zwar mit tollen Chancen, aber auch mit unvollendeten Aktionen und einer Portion Premieren-Nervosität, die sich fatal auswirkte.

Am Ende trat ein, was alle vermeiden hatten wollten. Eine Niederlage im ersten Spiel, womit die Österreicher im Spiel gegen Portugal schon unter Zug- und Punktzwang stehen, um das Ziel Achtelfinale zu erreichen.

Doppelte Chance

Beim Stimmungstest vor der Partie gaben die Österreicher mit 101:98,6 Dezibel gegen die Ungarn klar den Ton an. 31 Sekunden waren gespielt, da wurde es um ein Vielfaches lauter, als Alaba mit dem ersten Schuss die Stange traf.

Österreich praktizierte ein aggressives Offensivpressing und kam zur nächsten Großchance, abermals durch Alaba nach Traumpass von Arnautovic (10.). Den Schuss parierte Goalie Kiraly, seit Dienstag der älteste EM-Spieler der Geschichte mit 40 Jahren und 75 Tagen.

Österreich - Ungarn in Bildern:

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Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

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Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

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Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

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Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

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Danach agierten die Österreicher, die Koller in der Stammformation aufs Feld geschickt hatte, hektisch, auffällig nervös und ungenau, vielleicht ob der verpassten Führung. Die Ungarn fanden nach den zwei Schrecksekunden mehr Sicherheit in ihrem Spiel, gefährlich wurden sie vorerst aber nicht.

Doppeltes Pech

Österreich benötigte einige Zeit, um wieder den Ball in den eigenen Reihen halten und Gefahr ausstrahlen zu können. Das gelang durch Junuzovic, dessen Schuss Kiraly in der Manier eines Jungspundes aus dem Eck fischte (35.). Sechs Minuten später schienen die Fans der Verzweiflung nahe nach der nächsten nicht genützten Großchance: Eine Arnautovic-Vorlage verpasste in der Mitte Janko, Harnik erwischte am langen Eck den Ball nur noch im Rutschen. Wer die Tore nicht schießt ...

Beinahe bestätigte sich diese Weisheit des Fußballs sofort, denn vor der Pause spielten die Ungarn noch einmal ihre größte Stärke, das Kontern, aus. Ein Glück für Österreich, dass Kapitän Dzsudzsak in bester Schussposition den Ball nicht optimal traf (43.).

Doppelter Schock

Österreich zeigte Willen, Druck zu erzeugen, wurde aber nicht zwingend genug, weil es in einigen Aktionen an der finalen Präzision fehlte. Nach einer Stunde humpelte der am Knöchel lädierte Junuzovic vom Feld.

Der zweite Schock folgte auf den Fuß mit dem 1:0 für die Ungarn durch Stoßspitze Szalai (62.). Kleinheisler spielte den Pass, Fuchs hob das Abseits auf, Szalai spitzelte den Ball unter Almer ins Netz und erzielte sein erstes Tor im Team seit 2014. Ausgerechnet jetzt.

Koller reagierte und brachte Okotie für den schwachen Janko. Dem einen Schock folgte der nächste, ein Hinteregger-Tor wurde nicht anerkannt, weil Dragovic zuvor ein Foul begangen hatte – der französische Schiedsrichter Turpin zückte wieder Gelb und Rot. Dass Dragovic in die Kabine musste, war übertrieben.

Plötzlich lief alles gegen Rot-Weiß-Rot, weil auch die Führungsspieler wie Alaba oder Arnautovic viel zu wenig Präsenz zeigten. In Unterzahl wollte Österreich zwar, konnte aber nicht mehr zusetzen. Sehr wohl aber Ungarn, der eingewechselte Stieber besiegelte mit dem 0:2 aus einem Konter endgültig Österreichs Schicksal.

KURIER-Noten für die Teamspieler:

Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

Austria's Aleksander Dragovic, left, tackles Hunga…

Austria's Martin Hinteregger, left, and Hungary's…

FBL-EURO-2016-MATCH11-AUT-HUN

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Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

Austria's Zlatko Junuzovic, left, shoots at goal d…

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FUSSBALL-EM: ÖSTERREICH-UNGARN

Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F

FUSSBALL-EM: ÖSTERREICH-UNGARN

Marcel Koller (ÖFB-Teamchef): "Ich denke, dass wir gut angefangen haben, wir hatten gleich den Stangenschuss von David. Es war dann aber so, dass wir das Spiel aus der Hand gegeben haben mit unnötigen Abspielfehlern. Wir waren nervös, hektisch, haben die Bälle immer wieder unnötig verloren, das kostet Kraft. Wir hatten auch die eine oder andere Möglichkeit nach vorne, haben aber das Tor nicht gemacht. In der zweiten Hälfte haben wir dann aus zwei Kontern die Tore bekommen. Man muss aber auch sagen, dass die Ungarn ein gutes Spiel gezeigt haben. Dass eine Mannschaft hart spielt, gehört zum Fußball dazu. Für das hat man einen Schiedsrichter, der eingreifen sollte, müsste, könnte. Gerade bei Junuzovic schaut es nicht so gut aus mit dem Sprunggelenk, da muss man jetzt die nächsten Tage abwarten.

Unsere Leistung war nicht top, es gab Phasen, wo wir überlegen waren, es gut gemacht haben, insgesamt waren wir aber zu hektisch, unruhig im Ballbesitz. Die Auftaktniederlage ist ärgerlich, trotzdem müssen wir versuchen, die Köpfe wieder hoch zu nehmen. Wir stehen jetzt noch mehr unter Druck, müssen noch enger zusammenrücken und versuchen, die Portugiesen zu besiegen. Da brauchen wir mehr Ruhe und Geduld um den Ball auch zirkulieren zu lassen."

Bernd Storck (Teamchef Ungarn): "Am Anfang hatten wir ein bisschen Glück, wir sind nicht so gut in das Spiel reingekommen. Dann ist aber jeder über sich hinausgewachsen. Das erste Tor war grandios herausgespielt, das zweite ein Konter. Wir waren geduldig, konzentriert, diszipliniert, die Stärken, die wir haben, und dann nach vorne zu spielen - das haben wir heute gemacht. Wir haben gesagt, wir müssen unsere Zweikämpfe gewinnen, und wer die Zweikämpfe gewinnt, gewinnt das Spiel. Das ist aufgegangen."

David Alaba (Österreich): "Mit ein bisschen mehr Glück geht er (Stangenschuss in 1. Minute) rein, dann schaut das Spiel anders aus. Wir sind gut ins Spiel gestartet, haben umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben. Wir hatten genug Chancen, speziell in der ersten Halbzeit, um 1:0 im Führung zu gehen. Dann hätten wir mehr Ruhe im Spiel gehabt. Das 0:1 war wie ein Stich ins Herz. Sie hatten nicht sehr viele Chancen, ich denke, wir waren die bessere Mannschaft, aber sie waren eiskalt. Sie sind 1:0 in Führung gegangen und mit der Roten Karte wurde es noch bitterer und kein einfaches Spiel."

Aleksandar Dragovic (Österreich): "Es ist für mich unerklärlich, dass es Gelb-Rot war. Die erste Gelbe war klar, die zweite sehr, sehr hart. Aber noch bitterer ist, dass wir verloren haben. Wir hätten 1:0 führen können, haben aber leider nur die Stange getroffen. Wenn man 0:1 in Rückstand ist und dann auch nur mehr zehn Mann, wird es sehr schwierig. Die Ungarn haben auch ihre Qualitäten, sie sind nicht umsonst bei der EM."

Marko Arnautovic (Österreich): "Wir haben wieder einmal genug Chancen gehabt, aber sie nicht verwertet. Die Ungarn haben auf Konter gespielt, das haben sie gut gemacht. Es ist heute alles zusammengekommen, was wir nicht brauchen."

Christian Fuchs (Kapitän Österreich): "Die Ungarn haben das sehr gut gemacht. Sie sind defensiv sehr gut gestanden, haben sehr gut aus unserem Pressing herausgespielt. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, waren immer einen Schritt zu spät. Wir haben die eine oder andere Chance liegen gelassen, sie haben das eiskalt runtergespielt und verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben, können uns nichts vorwerfen, außer dass wir kein Tor gemacht haben. So eine Niederlage zum Auftakt ist sehr bitter. " Zur Aktion vor dem 0:1 (Fuchs hob das Abseits auf): "Das war eine unglückliche Aktion, das war eine Fehlentscheidung (von mir), ist leider passiert."

Adam Szalai (Torschütze Ungarn): "Es ist eine schöne Geschichte für unser Land. Wir waren 44 Jahre nicht bei einer EM dabei, dann gewinnen wir gleich das erste Spiel. Für mich auch, dass ich seit langer Zeit wieder getroffen habe. Wir werden den Abend genießen und morgen wieder weiterarbeiten. Nichtsdestotrotz hat Österreich eine unglaublich gute Mannschaft mit guter Qualität, das haben sie gleich am Anfang gezeigt. Wir konnten mit Glück das 0:0 halten. Unser Trainerstab hat richtig gut analysiert, wir hatten eine gute Taktik."

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