ÖFB-Psychologe Graw: "Es macht einfach Spaß, Spieler auf so einem Niveau zu erleben."

© APA/ROBERT JAEGER

Ausnahmesituation
06/11/2016

ÖFB-Psychologe Graw: "Ungarn-Match wie jedes andere"

Dem Team fehlt im Kollektiv noch die Turnier-Erfahrung. Wie soll man dem psychischen Druck begegnen? In der Vorbereitung will man nicht von der Routine abweichen.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

Soll man wie in der Vergangenheit nur von Spiel zu Spiel denken? Oder doch etwas verändern, weil die EURO eine völlig neue Herausforderung darstellt? Wie geht man mit einer Situation um, für die einem die Erfahrung fehlt? Wie sehr hilft es, dass die meisten Spieler bei ihren Klubs ähnlich stressige Bedingungen schon erlebt haben?

Man merkt jedenfalls, dass die Anspannung vor dem Auftakt-Spiel steigt, auf viele Dinge wird von seiten des ÖFB sensibel . Plötzlich ist eine Live-Übertragung des ORF ebenso ein Thema wie die Auftritte der Spieler in den Social Media. Neben der idealen Vorbereitung auf die erste Partie muss man auch mit diversen Nebengeräuschen umgehen.

Unverändert

Keine leichte Aufgabe, auch nicht für den ÖFB-Psychologen. Thomas Graw arbeitet mit der Mannschaft im mentalen Bereich und bereitet die Spieler im Quartier in Mallemort stetig auf die Ausnahmesituation vor. Mit Gesprächen in der Gruppe, aber auch unter vier Augen. Er hat einen klaren Zugang: "Wir bereiten uns im physischen Bereich wie immer vor. Und das gilt auch für den psychischen Teil. Wir ziehen das Programm wie bisher durch."

Aus einem guten Grund: Der Umstand, dass die EURO etwas Besonderes ist, soll gar nicht zum Thema werden in den Spieler-Köpfen. "Das Spiel gegen Ungarn ist eines wie jedes andere", will Graw vermitteln. Auch Sportdirektor Willibald Ruttensteiner sieht keinen Grund, Bewährtes über den Haufen zu werfen: "Natürlich ist es eine veränderte Situation. Aber ich glaube nicht, dass es gut wäre, die bisherige Routine abzuändern. Weil sie bisher funktioniert hat."

Beim ÖFB-Team bietet der 50-jährige Graw einige Methoden an: Gespräche, Herzraten-Variabilitätstraining, um den richtigen Atemrhythmus zu bekommen, Meditation, Hypnose, Imagination. In erster Linie aber beobachtet er. "Fällt mir etwas auf, dann gehe ich auf den Spieler zu und spreche ihn darauf an." Manche Spieler holen auch von selbst seinen Rat ein, die anderen wiederum dürfe man nicht überreden. "Die Gruppenübungen machen ohnehin alle mit."

Siegermentalität

Graw ist überzeugt, dass sich das Team mit der erfolgreichen Qualifikation eine Siegermentalität angeeignet hat. "Man spricht ja gerne davon. Das ist ein wunderbares Wort, weil es diesen Prozess widerspiegelt, der in den Köpfen in Gang gesetzt wurde." Siege bringen auch eine eigene Mentalität. Sie bringen. "Es entsteht eine Spirale, bei der man immer mehr an sich glaubt." Mit den Erfahrungen stieg zuletzt auch die Reife. Ruttensteiner glaubt an eine weitere Steigerung: "Die drei Spiele in der Vorrunde sind wertvoll für die Entwicklung der Mannschaft."

Und in welchem Zustand befindet sich das Team seit der Qualifikation für die EURO? Graw: "Ich würde sagen: in einem konstruktiv Leistungsfördernden Zustand." Das gilt auch für ihn selbst: Für Graw ist die EM ein absoluter Höhepunkt in seinem Wirken. "Es macht einfach Spaß, Spieler auf so einem Niveau zu erleben." Dieses Niveau gilt es am Dienstag in Bordeaux auszuspielen.

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