Diese Gesichter sprechen Bände: Klein, Hinteregger, Alaba und Jantscher (vo. li.).

© APA/AFP/FRANCK FIFE

EURO 2016
06/22/2016

1:2 gegen Island: Bitteres EM-Aus für Österreich

Der zwischenzeitliche Ausgleich durch den eingewechselten Schöpf war für das ÖFB-Team zu wenig.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

Fassungslosigkeit auf dem Platz, das blanke Entsetzen in den Gesichtern der Fans auf den Tribünen. Um 19.57 Uhr verabschiedete sich Österreich von der EURO 2016. Als Gruppenletzter, was vor dem Turnier wohl niemand für realistisch gehalten hatte.

Im finalen Gruppenspiel gegen Island folgte auf eine schwache erste Hälfte ein druckvoller und starker Auftritt nach dem Wechsel. Es war am Ende zu wenig für den nötigen Sieg, der das Achtelfinale bedeutet hätte. Die Erwartungen der Fans und auch an sich selbst konnte das Team letztlich nicht erfüllen.

Neue Taktik

Dabei packte der Teamchef, als es um Alles oder Nichts ging, eine taktische Variante aus, die dieses Team davor nur im Testspiel gegen Schluein im Trainingslager in der Schweiz ausprobiert hatte: Eine Dreier-Abwehrkette, dafür mit Fuchs und Klein auf den Flügeln im Mittelfeld, um für Überzahl zu sorgen.

Island - Österreich in Bildern:

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

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Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

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Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

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FUSSBALL-EM 2016: ISLAND - ÖSTERREICH

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland goalkeeper Hannes Halldorsson, left, makes…

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

30.000 österreichische Fans sorgten für eine sensationelle Stimmung im Stade de France, in der zweiten Minute verschlug es ihnen aber die Sprache, als Gudmundsson aus 25 Metern abzog und das Lattenkreuz traf.

Aus dem Nichts fand Österreich abermals eine frühe Top-Chance auf die Führung vor, Islands Goalie Halldorsson zögerte, Arnautovic spitzelte ihm den Ball weg, verfehlte aber das Tor.

Tiefschlag

Österreichs Beginn gestaltete sich zaghaft, als wolle man Ruhe in den Spielaufbau bringen, zeitweise wirkte es behäbig, weil davor zu wenig Bewegung stattfand. Daher konnte man die personelle Überzahl kaum nutzen. Dann folgte das, was man hatte vermeiden wollen: Island ging in Führung. Ein Einwurf von Gunnarsson, Fuchs verliert das Kopfballduell mit Arnason, Baumgartlinger den Zweikampf mit Bödvarsson – 0:1 (18.). Ein Gegentor, das das Spiel um ein Vielfaches erschwerte.

Österreich war um Kontrolle bemüht, hatte aber die Sisyphos-Aufgabe vor sich, die blau gewandete Menschenmauer zu durchbrechen. Eine bessere Chance als jene in der 36. Minute kann man nicht erhalten: Ein Traumpass von Baumgartlinger auf Alaba, der wird zu Boden gerissen – Elfmeter! Es war die Chance, den Spielverlauf noch vor der Pause mit dem Ausgleich zu eigenen Gunsten zu drehen. Dragovic traf nur die Stange.

Sturmlauf

Koller reagierte, stellte das System auf Altbewährtes um und brachte Schöpf für Prödl und Janko als Sturmtank, weil man bis dahin praktisch ohne echte Spitze agierte. Es folgte ein Sturmlauf, der einem Powerplay glich, Island verbarrikadierte den Strafraum und spielte sehr früh schon auf Zeit. Der Ausgleich lag in der Luft, Schöpf hatte bei zwei Schüssen zunächst kein Glück, dann ließ er aber mit dem Ausgleich das Stade de France erzittern. Österreichs erstes EM-Tor der Geschichte aus dem Spiel heraus. Nur noch ein Treffer fehlte zum Aufstieg.

KURIER-Noten für die Teamspieler:

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

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Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

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Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Jon Dadi Bodvarsson, l Stefan Ilsanker,

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

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FUSSBALL-EM 2016: ISLAND - ÖSTERREICH

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

Iceland v Austria - EURO 2016 - Group F

FBL-EURO-2016-MATCH33-ISL-AUT

Beinahe stach auch der zweite Joker, zu einem Janko-Tor fehlten Zentimeter (69.). Nicht die Isländer liefen den Österreichern davon, sondern die Zeit. Schöpf hätte sich noch mehr in die Geschichtsbücher eintragen können, hätte er auch bei seiner zweiten Möglichkeit getroffen (72.). Österreich ließ zu viele Chancen ungenützt. In der Nachspielzeit schoss Rapid-Neuzugang Traustason Island zum 2:1-Sieg und zu Platz zwei in der Gruppe.

Au Revoir, Autriche!

Alaba: "Das ist nicht das Ende unserer Geschichte"

Marcel Koller: "Wir waren viel zu hektisch und nervös, wir haben mit dem Ball zu wenig Ruhe gehabt. Das war in jedem Spiel so, bis auf heute in der zweiten Hälfte. Natürlich hat die Erfahrung für so ein Turnier gefehlt, die Nervosität war wahrscheinlich zu hoch. Das ist menschlich, wir haben versucht, die Ruhe reinzukriegen. Aber das ist nicht so einfach, wenn 80.000 da sind und man weiß, dass man das Spiel gewinnen will. Aber man kann Erfahrung mitnehmen, da kann jeder davon ungemein profitieren. Es ist vorher viel passiert: Verletzte, andere haben im Klub nicht gespielt. Bei so einem Turnier ist das Level extrem hoch, wenn du nicht im Rhythmus bist, du hast keine Zeit. Fußball ist ein Selbstvertrauen-Sport, wenn man Spiele gewinnt, kann man das aufbauen. Wir haben aber eine Phase, wo wir in der anderen Richtung sind, jetzt müssen wir das stoppen. Ich bin überzeugt, dass uns das mit der Erfahrung von diesem Turnier auch gelingt."

Zur Wahl des Elferschützen: "Ich habe gesagt, wer sich besser fühlt, soll dann schießen. Das sind Dinge, die passieren. Das wird den Drago auch stärker machen, wir geben ihm keine Schuld."

Alessandro Schöpf: "Der Ausgleich ist gar nicht zu spät gekommen, war haben auch danach noch genügend Chancen gehabt. Ich muss das 2:1 machen, dann sind wir weiter. Das tut mir sehr leid. Es war in der ersten Hälfte ein blödes Gegentor, die Isländer sind danach sehr tief gestanden und haben und das Leben schwer gemacht. Wir haben in der ersten Hälfte die Räume nicht gefunden, in der zweiten haben wir das viel besser gemacht."

Zu den Gründen für das Scheitern: "Es war natürlich sehr schwierig, das 0:2 gegen Ungarn zu verdauen. Jetzt sind wir alle enttäuscht."

Christian Fuchs: "Wir haben alles probiert und hatten genügend Chancen, um das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. Das letzte Tor war ein klassischer Konter, da haben wir alles auf eine Karte gesetzt."

Zum Systemwechsel bei Spielbeginn: "Das haben wir ja auch schon in der Vorbereitung eingeübt, da hat man gesehen, dass es funktioniert. Wir haben auch schon in der ersten Hälfte Chancen herausgespielt. Ich möchte nicht dem System Schuld geben. Wir stehen auf dem Platz und müssen die Tore machen, das ist uns während der EM nicht gelungen."

David Alaba: "In der ersten Hälfte haben es die Isländer recht gut gemacht, uns früh zu stören, sie waren im Zentrum sehr kompakt. Da haben wir sicher ein bisschen ein Problem gehabt, ins Spiel zu finden. Dann haben wir unser System gewechselt, und dann waren wir die deutlich bessere Mannschaft."

Zum Elfmeter: "Drago ist ein sicherer Schütze, er hat einfach Pech gehabt."

Zu den Gründen für das Scheitern: "An was es gelegen hat, ist schwer zu sagen, unmittelbar nach dem Spiel. Erfahrung spielt sicher eine Rolle. Man hat schon gemerkt, dass es was anders als in der Quali ist, daraus müssen wir alle lernen. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht, haben uns mehr gewünscht und haben das nicht umsetzen können. Das ist nicht das Ende unserer Geschichte, das Buch ist noch nicht zu Ende. Das ist ein Kapitel, das bitter ist, uns aber stärker macht."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Natürlich haben wir das Ziel nicht erreicht. Schade, es wäre absolut möglich gewesen. Grundstein beim Ungarn-Match gelegt, heute hat uns auch ein bisschen das Glück gefehlt. Wir haben es nicht ganz geschafft, aber wir können uns mit Anstand verabschieden. Keine Zweifel, der Kurs mit Marcel Koller und seinem gesamten Betreuerstab steht fest. Die WM-Quali wollen wir wieder schaffen."

Jon Bödvarsson (Torschütze Island): "Wir sind überglücklich, das ist der größte Fußballmoment für Island. Die Führung zu schießen, war wirklich wichtig. Wir haben sie dann sehr gut verteidigt, vielleicht sind wir ein bisschen zu weit nach hinten gerückt. Wir haben ihnen ein bisschen viel Räume gegeben."

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