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Formel 1
03/01/2017

Valtteri Bottas: Ersatzmann und Tempomacher

Valtteri Bottas muss bei Mercedes Weltmeister Rosberg ersetzen und Superstar Hamilton Paroli bieten. Schafft der 27-jährige Finne das?

von Philipp Albrechtsberger

Nun haben auch die Finnen ihren Clásico. Sagen jedenfalls die Finnen. Allerdings nicht im Fußball – der kann aktuell tatsächlich sogar noch etwas vom österreichischen (!) Gekicke lernen. Der finnische Klassiker bezieht sich auf die Formel 1.

Kimi Räikkönen gehört bei Ferrari fast schon zum Inventar, und für Mercedes, den dominierenden Rennstall der vergangenen Jahre, gibt seit Anfang des Jahres Valtteri Bottas Gas. "Ein Finne bei Ferrari, ein anderer bei den Silberpfeilen. Das ist doch wie Real Madrid gegen den FC Barcelona", sagt der freundliche und etwas gestresst wirkende Motorsportjournalist aus Finnland.

Im Zehn-Minuten-Takt eilt er zwischen den Teamunterkünften der beiden Werkteams hin und her. Ja nur keinen Bottas-Sager verpassen. Beim schweigsamen Räikkönen geht’s eher ums Atmosphärische. "Kimi ist der Held Finnlands, weil er so anders ist als alle anderen. Die Finnen lieben das."

Reizvolle Aufgabe

Finnland ist ein stolzes Motorsport-Land (siehe Artikel rechts unten), und aus Valtteri Bottas, 27, wurde quasi über Nacht ein Star. Bei Mercedes soll er einerseits den überraschend zurückgetretenen Weltmeister Nico Rosberg ersetzen und andererseits Ausnahmeerscheinung Lewis Hamilton Paroli bieten. Es gibt einfachere Aufgaben im Motorsport – aber derzeit kaum reizvollere.

"Ich habe ihnen klargemacht, dass ich Rennen und Meisterschaften gewinnen werde, wenn sie mir das Cockpit geben", sagt Bottas zu den Verhandlungen mit Mercedes. Selbstvertrauen und Selbstschutz liegen nah beisammen in der Formel 1. Jedenfalls waren die Dienste des Finnen dem Weltmeister-Team aus Stuttgart zwanzig Millionen Euro Ablöse an Williams wert. Bottas muss nun liefern – Trophäen. Und zwar sofort. Den geeigneten Dienstwagen dafür hat er. Der neue Silberpfeil, so viel lässt sich nach zwei Testtagen bereits sagen, zählt auch nach der Regelreform zu den Besten des Jahrgangs. Vom Druck befreit sich Bottas mit einer den Finnen nicht untypischen Wurschtigkeit: "Das Gute am Rennfahren ist, dass sich eines nie ändert: Es geht darum, absolut alles aus dem Auto herauszuholen."

Ein wenig blass wirkt er dennoch an den ersten bedeutenden Arbeitstagen als einer der wichtigsten Mercedes-Angestellten. Was nicht (nur) an seinem nordischen Teint liegt. Bottas besitzt weder diese coole und ikonenhafte Attitüde von Teamkollege Hamilton, noch das weltgewandte, aber bodenständige Auftreten von Vorgänger Rosberg. "Ich werde stärker im Scheinwerferlicht stehen", sagte Bottas, eingekreist von Kameras und Reportern, nach seiner ersten Ausfahrt am Montag. "Die Leute werden jede meiner Aktionen wahrnehmen und bewerten." Wohl auch Rosberg selbst, der es sich nicht nehmen ließ, bei den Testfahrten am Mittwoch vorbeizuschauen.

Valtteri Bottas ist keine schlechte Wahl für Mercedes, gemessen am fahrerischen Potenzial und der Verfügbarkeit sogar die logischste im gesamten Starterfeld. Aber ist er auch die richtige Wahl?

Aufreizende Spielchen

Experten wie Pat Symonds sind davon überzeugt. Der Brite war einst Ingenieur von Michael Schumacher bei Benetton und bis Ende 2016 der Technikchef von Bottas’ Ex-Arbeitgeber Williams. Im soliden, aber wenig innovativen Boliden des britischen Traditionsteams fuhr der Finne drei Mal in die erste Startreihe und neun Mal aufs Podest. "Valtteri wird mit den jeweiligen Situationen umgehen können", sagt Symonds, "selbst wenn Lewis beginnt, seine Spielchen zu spielen."

Hamilton liebt es, mit den Teamkollegen, seinen Hauptkonkurrenten, zu spielen. Der Engländer hat bereits Doppelweltmeister Fernando Alonso von McLaren vertrieben (2007) und zuletzt Nico Rosberg die Pension schmackhaft gemacht.

Bottas wäre gar nicht der erste Finne, dessen Höhenflug an der Seite Hamiltons endet. Heikki Kovalainen galt einst als vielversprechende Zukunftshoffnung, nach zwei Jahren (2008, 2009) bei McLaren an Hamiltons Seite und nicht einmal halb so vielen WM-Punkten wie der Brite war der Traum von der großen Karriere ausgeträumt.

Valtteri Bottas hält nicht viel von solchen Vergleichen. Von seinem Landsmann Mika Häkkinen habe er den wichtigsten Rat bekommen: "Vertrau deinem Talent."

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