Sport | Formel-1 14.04.2018

Toto Wolff: Mann der starken Worte - und Taten

Toto Wolff: Der Wiener an der Spitze des Mercedes-Teams © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Seit 100 Rennen ist der Wiener erfolgreicher Mercedes-Teamchef. Jetzt steht er vor einer Herausforderung.

An Lautstärke mangelt es der Formel 1 nicht. Zumindest was das gesprochene Wort angeht. Toto Wolff überlegt deshalb sehr genau, was er wann sagt. Für Schlagzeilen ist der Wiener Mercedes-Teamchef dennoch stets gut. „Unsere schlechten Tage werden die Wettbewerber noch bereuen“, hatte er 2013 gesagt, als er ein verunsichertes, vorgeführtes und manchmal gar verspottetes Team übernommen hatte. „Denn durch die schlechten Tage entwickeln wir uns weiter.“

Fünf Jahre später hat Mercedes vier Konstrukteurstitel eingefahren. Exakt 100 Rennen sind es nun mit dem 46-Jährigen an oberster Stelle. Die genügten Wolff, um zu einem der erfolgreichsten Teamchefs in der mehr als 60-jährigen Geschichte aufzusteigen (siehe unten).

Das eingangs erwähnte Zitat könnte schon bald eine Renaissance erleben. Das Weltmeister-Team ist so schlecht wie seit fünf Jahren nicht in die Saison gestartet – zwei Rennen, kein Sieg.

Im 101. Grand Prix der Ära Wolff in China (8.10 Uhr MESZ/live ORFeins, RTL) steht die erfolgsverwöhnte Renngemeinschaft bereits gehörig unter Druck.

Auf Wolff wartet die größte Herausforderung in seiner Amtszeit seit der kompletten Neustrukturierung des Teams im Jahr 2013. Fast ein gesamtes Jahr lang hatte er damals in den Fabriken in England und am Konzernsitz in Stuttgart vor allem eines getan: zugehört.

Danach schritt er zur Tat. „Klassische Konzernstrukturen werden den Ansprüchen der Formel 1 nicht gerecht“, lautet sein Masterplan für ein modernes und erfolgreiches Formel-1-Team.

Formula 1 World Championship 2018
Die Strahlkraft des Sterns: Wolff machte Mercedes mit Superstar Lewis Hamilton (Bild) zur Nummer 1 der Formel 1. © Bild: DIENER/Extra

Potenziale und Pläne

Kein unwichtiger Faktor für den radikalen Umbau war das nötige Kleingeld. Und davon hat Mercedes mit fast 300 Millionen Euro jährlich mittlerweile mehr als fast jeder andere Rennstall. Auch deshalb wehrt sich Wolff vehement gegen die Pläne der neuen Eigentümer, ab 2021 eine Budgetobergrenze von rund 150 Millionen einzuführen: „Ich müsste sehr viele der rund 1400 Angestellten vor die Türe setzen.“

Als wichtigste Eigenschaft eines Teamchefs sieht Wolff die Potenzialanalyse. „Wir haben so viele hochbegabte Menschen an Bord, viele sind in ihrem jeweiligen Bereich absolute Superstars.“ Der bekannteste – und teuerste – ist Lewis Hamilton. „Lewis muss auf der Stecke liefern. Alle anderen Freiheiten kann ich ihm geben.“

Doch auch ein vierfacher Weltmeister muss sich dem gemeinsamen Ziel und der Marke unterordnen. Bereits als legendär gilt die Aussprache mit dem Briten in Wolffs Haus in der Schweiz im Dezember 2016. Hamilton hatte sich nach der WM-Niederlage gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg ungerecht behandelt gefühlt, Wolff sprach ihm drei Stunden ins Gewissen. „Ihr werdet mich brauchen, wenn wir gegen Ferrari um die WM kämpfen“, soll Hamilton gesagt haben.

Wolff wird ihm wohl schon bald beim Wort nehmen. Der Wiener hat keine Probleme mit großen Egos, er kennt sie aus seiner Zeit in der Finanzwelt, die ihn reich und selbstbewusst gemacht hat: „Verglichen mit der Börse gleicht die Formel 1 einem Kindergeburtstag.“

Auch das klang überlegt.

Die Bilanz von Wolff

Mercedes Der deutsche Autobauer kehrte zur Saison 2010 mit einem Werksteam in die Formel 1 zurück. In den ersten drei Saisonen gelang insgesamt nur ein Sieg.

Die Wende 2013 löste der Wiener Toto Wolff den Deutschen Norbert Haug als Motorsportchef  ab.

66 Siege feierte das Team seither in 100 Grands Prix. In den jüngsten vier Saisonen gab es nur vier Rennen, in denen kein Silberpfeil-Pilot auf das Podium fuhr.

30 Prozent an dem Rennstall hält Toto Wolff direkt. Weitere zehn Prozent sind im Besitz von Aufsichtsratschef Niki Lauda.

1400 Personen beschäftigt der Rennstall in Brackley (Chassis) und Brixworth (Motor). Das Jahresbudget beträgt rund 300 Millionen Euro.

( kurier.at ) Erstellt am 14.04.2018