Sport | Formel-1
12.05.2017

Spanien-GP: Mad Max ist voll in Fahrt

Das Rennen in Barcelona sah zuletzt zehn verschiedene Sieger, 2016 gewann Max Verstappen. Warum er der Außergewöhnlichste ist.

Zum Jahrestag seines Premierensieges in der Formel 1 hat es der Motorsport-Gott gut gemeint mit Max Verstappen: Er schickte am Donnerstagvormittag bestes Verstappen-Wetter nach Barcelona. Literweise ergoss sich Regen über den Circuit de Catalunya, wo am Sonntag (14 Uhr) das erste Europa-Rennen der Saison stattfinden wird.

Die künstlich errichtete Schikane, die die Shuttlebusse auf dem gut besuchten Areal aus Sicherheitsgründen einbremsen soll, wurde zum unfreiwilligen Schleuderkurs. Überall schlechte Stimmung, überall überforderte Berufsfahrer. Nur einer war an diesem anspruchsvollen Tag bester Laune: Max Verstappen.

Vor einem Jahr gelang dem mittlerweile 19-Jährigen an Ort und Stelle der Sensationscoup – im ersten Rennen für Red Bull Racing. Obwohl der Große Preis in Barcelona bei den vergangenen zehn Ausgaben ebenso viele verschiedene Sieger produzierte (Massa, Räikkönen, Button, Webber, Vettel, Maldonado, Alonso, Hamilton, Rosberg, Verstappen/siehe Montage unten), galt Verstappens Triumph als Sternstunde.

Eiliger Geist

Der jüngste Grand-Prix-Sieger der Geschichte gilt seither als zukünftiger Champion. Ein Meister ist er bereits – beim Überholen. 78-mal drängte sich Max Verstappen in der vergangenen Saison an einem seiner Kollegen vorbei. Seit es in der Formel 1 darüber offizielle Aufzeichnungen gibt (1983), gelangen keinem Piloten mehr Überholmanöver in einem Jahr.

Sein Meisterstück lieferte er in Brasilien 2016 ab: Im Regenrennen von São Paulo wurde der Niederländer aufgrund eines Strategiefehlers seiner Mannschaft von Platz zwei auf Zwischenrang 16 zurückgespült. Die Aufholjagd endete mit Rang drei. Italiens Corriere dello Sport schrieb danach: "Auf der nassen Rennbahn sieht man Champions, und Verstappen hat das Zeug dazu: unsympathisch und spektakulär."

Verstappen hat sich im engen Formel-1-Kosmos früh Platz verschafft, seine Rivalen beäugen ihn nach vielen genialen und einigen harten Manövern genau und kritisch. Teamkollege Daniel Ricciardo gab ihm zuletzt mit auf dem Weg: "Rennerfahrung hat er genug. Vielleicht fehlt ihm ein wenig Lebenserfahrung. Er sollte ein wenig auf die Älteren hören."

Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda hatte vergangenes Jahr in seiner berüchtigten direkten Art dem zum Jahrhunderttalent beschworenen Verstappen den Besuch eines Psychiaters empfohlen. Lauda-Schützling Hamilton, ebenfalls gepriesen für seine virtuose wie kompromisslose Steuer-Kunst, nennt den jugendlichen Rivalen nicht mehr beim Namen, sondern nur noch "diesen Kerl". So auch gestern, als die beiden Schulter an Schulter bei der offiziellen Pressekonferenz saßen.

Enormer Andrang

Wenig später empfängt Max Verstappen ausgewählte Medienvertreter im luxuriösen Teampavillon seines Arbeitgebers Red Bull, für Journalisten aus seiner niederländischen Heimat gibt es mittlerweile ein eigenes Frage-und-Antwort-Spiel. Zu groß sind der Andrang und das Interesse längst geworden.

Als "speziellsten Moment" seiner bisherigen Laufbahn beschreibt Verstappen seine Siegesfahrt vor zwölf Monaten. Aus jedem seiner Sätze ist pures Selbstvertrauen zu hören. "Ich bin nicht hier für einen einzelnen Rennsieg", sagt er.

Fixer Vertrag

Barcelona 2016 gilt also lediglich als wichtiger Zwischenschritt, womöglich ist Red Bull auch nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur WM-Krone. Sowohl bei Ferrari als auch bei Mercedes könnten 2018 Cockpits frei werden, dennoch und vielleicht auch gerade deshalb verweist Red-Bull-Motorsportberater und Verstappen-Förderer Helmut Marko nur allzu oft auf den gültigen Langzeitvertrag – ohne Ausstiegsklausel. "Wenn wir ihn nicht freigeben, kann er nicht zu Ferrari wechseln."

Verstappen kennt die Gerüchte. "Nicht der Rede wert", sagt er dazu und lächelt – wie so oft an diesem Tag. Nur eines kann ihm die Laune verderben: der Wetterbericht für das Wochenende. Angesagt ist Sonnenschein.