Equal Play Day: Wenn Sportlerinnen von der Bildfläche verschwinden

Sportlerinnen kämpfen nicht nur gegen die Zeit oder ihre Gegnerinnen, sondern auch um mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit.
Eishockeyspielerin Selma Luggin

Unsichtbar. Es mag übertrieben klingen. Aber so fühlt es sich an. Ab dem heutigen Tag ist Frauensport in Österreich unsichtbar – so der plakative Slogan.

Wie ist das gemeint? 

Geht man davon aus, dass jeden Tag gleich viele Bilder von Frauen und Männern im Sport in den österreichischen Medien zu sehen sind, dann ist damit ab dem heutigen Tag Schluss. Denn Tageszeitungen und Fernsehsender widmen hierzulande nur rund 21 Prozent ihrer Aufmerksamkeit den Frauen im Sport. 79 Prozent sind dem Männersport gewidmet. In Printmedien ist die Diskrepanz noch ein stückweit größer. 82 Prozent Athleten stehen 18 Prozent Athletinnen gegenüber.

Mit dem Equal Play Day machen win2day und die Österreichischen Lotterien seit 2024 auf diese Schieflage aufmerksam.

Tendenzielle Steigerung

Eine entsprechende Studie hat die Agentur Media Affairs durchgeführt, nach einer Idee der Initiative „Exploristas“, die sich für Sichtbarkeit von Frauen im Sport einsetzt. Erstmals wurden 2019/20 die österreichischen Medien dahingehend untersucht, wieviel Raum sie den Sportlerinnen bieten. Damals ging die Sichtbarkeit 88:12 Prozent zugunsten der Männer aus. Auch der KURIER hat seither dazugelernt. Lag die Tageszeitung 2020 mit 13 Prozent knapp über dem Durchschnitt, sind es sieben Jahre später „immerhin“ 20 Prozent – noch lange nicht genug.

Diagramme zur Sichtbarkeit von Frauen und Männern im Sport

Dabei geht es längst nicht darum, dass Frauen sich erwarten, dasselbe Geld zu bekommen, das Männer – oft aufgrund der höheren TV- und Sponsorengelder – verdienen. ÖFB-Nationalteam-Torhüterin Jasmin Pal stellt klar, dass es nicht um „equal pay“, sondern „equal play“ geht: „Wir brauchen zuerst gleiche Strukturen. Gleiche Trainingsbedingungen. Gleiche medizinische Betreuung. Gleiche Planungssicherheit“, sagt sie. 

Regeneration im Büro

Frauen trainieren meist gleich viel und hart wie Männer. Sie opfern etwa gleich viel Zeit in ihrem Leben für den Sport. Teils unter anderen Voraussetzungen: Sie müssen nebenbei noch studieren oder arbeiten, weil sie durch den Sport nicht ausgesorgt haben. Dadurch fällt auch wichtige Regenerationszeit weg, die manche Spitzensportlerinnen im Bürojob absitzen. „Wir trainieren jeden Tag hart. Aber Sichtbarkeit entscheidet, ob daraus eine Karriere wird oder nur ein Hobby auf Spitzenniveau“, sagt Beachvolleyballspielerin Lia Berger. Ähnlich nimmt es Eishockey-Nationalteam-Torhüterin Selma Luggin: "Wir gehören zu den Top-10-Nationen der Welt. Aber von Weltklasse allein kannst du nicht leben."

Warum ist Sichtbarkeit so wichtig? 

Mehr Sichtbarkeit bedeutet mehr Bekanntheit und dadurch mehr Fans, mehr beziehungsweise besser zahlende Sponsoren – und mehr Vorbilder für junge Mädchen. „If you can see it, you can be it“, hat Tennislegende Billie Jean King einst gesagt.

"Talent und Präzision, nicht Geschlecht"

Emma Felbermayr weiß ein Lied davon zu singen. Der Grund, warum so wenige Frauen den Schritt in den Motorsport wagen, sei vor allem strukturell bedingt, glaubt die aktuell Führende in der F1 Academy. Und dadurch, dass sie kaum Vorbilder haben: „Wenn Mädchen keine Rennfahrerinnen sehen, glauben sie, dass dieser Weg nicht für sie gedacht ist“, sagt Felbermayr. „Im Motorsport entscheidet Talent, Präzision und mentale Stärke. Nicht das Geschlecht.“

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