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Enhanced Games: Noch höher, noch schneller – aber wie weit?

Warum der KURIER in seinem Sportteil nicht über die "Enhanced Games" berichten wird.
Karoline Krause-Sandner
CYCLING-TDF-2024-HEALTH

Die Enhanced Games inszenieren sich als Zukunft des Sports: Ein „sportlicher“ Wettkampf, der leistungssteigernde Mittel erlaubt, medizinisch überwacht, offen statt heimlich. Doch der KURIER wird in seinem Sportteil nicht darüber berichten. Denn unserer Meinung nach stehen die Enhanced Games nicht für die Weiterentwicklung des Sports, sondern für die Abkehr von dessen eigentlichen Werten.

Der Reiz des Weltrekords

Leistungssport ist mehr als ein Wettbewerb um Zeiten, Weiten, Treffer und Höhen. Sein Wert entsteht aus der Idee, dass Menschen durch Disziplin, Training, Taktik und Talent Außergewöhnliches erreichen können. Der Reiz eines Rekords liegt nicht nur in der Zahl auf der Anzeigetafel, sondern darin, was ein Mensch aus eigener Kraft geleistet hat, um dort hinzukommen. 

Die Enhanced Games verschieben diesen Maßstab grundlegend. Ihre Botschaft lautet: Der menschliche Körper reicht nicht aus, chemische Optimierung wird zur Voraussetzung des Erfolgs.

Damit würden gedopte Spitzenleistungen normalisiert. Besonders junge Sportlerinnen und Sportler bekämen vermittelt, dass Höchstleistungen nicht mehr primär aus Training und Hingabe entstehen, sondern auch aus medizinischer Aufrüstung. 

Von „Freiheit“ kann dabei keine Rede sein – denn wenn Doping erlaubt ist, entsteht ein faktischer Zwang, mitzuziehen. Wer sauber bleiben möchte, hätte im Konkurrenzkampf keine Chance mehr. Dabei bleibt das Konzept gesundheitlich gefährlich. Viele leistungssteigernde Mittel erhöhen das Risiko für Schäden an Herz, Leber oder Psyche. Ärzte sollten Gesundheit schützen – nicht Menschen für Rekorde an körperliche Grenzen treiben.

Hinzu kommt die Schieflage: Finanzkräftige Teams könnten die besten Ärzte, Labore und Medikamente bezahlen. Nicht mehr allein sportliche Optimierung, sondern medizinische Möglichkeiten würden über Siege entscheiden. 

Abgesehen davon werden diese Spiele von Kritikern bereits längst als Werbeveranstaltung für Dopingmittel bezeichnet.

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