Sport
07.05.2017

Eine Tragödie wird zum Skandal

Zoran Barisic ausbezahlt, Mike Büskens ausbezahlt, Damir Canadi ausbezahlt. Man habe nur noch einen Cheftrainer auf der Gehaltsliste, versichert Rapid-Vizepräsident Nikolaus Rosenauer, der zugleich Rapids oberster Jurist ist.

Nicht ohne Hintergedanken beginnt diese Kolumne, obwohl sie mit Fußball nichts zu tun hat, mit dem Aufzählen von (Ex-)Rapidlern. Weil jede Rapid-Nachricht, ungeachtet ihrer Bedeutung, bei Medienkonsumenten (wie Onlineklicks zeigen) automatisch eine hohe Wahrnehmungsquote erreicht. Eine, wie sie aus tragischem Grund eine Klientin des Rapid-Vizepräsidenten verdient.

Vanessa Sahinovic sitzt seit bald zwei Jahren im Rollstuhl. Seit sie als (15-jährige) Teilnehmerin der Europaspiele in Baku auf dem Gehsteig von einem Klein-Bus überfahren wurde.

Gelähmt

Beim "Wings for Life Run " wird heute – u.a. von Marcel Hirscher in Wien – für Menschen gelaufen, die nicht mehr gehen können. Zu ihnen zählt seit 11. 6. 2015 die Synchronschwimmerin aus Wiener Neudorf.

Der Schuldfrage war eindeutig, der Fahrer des Shuttle-Busses wegen eines schweren Verkehrsdelikts obendrein einschlägig vorbelastet. Zudem ereignete sich der Unfall im Athletendorf, also auf dem Gelände der gut versicherten Veranstalter (Republik Aserbaidschan plus Europäisches Olympisches Komitee). 24 Stunden später sicherte die Gattin des Staatspräsidenten, Merhiban Aliyeva, anläßlich der Eröffnungsfeier ÖOC-Vertretern eine Entschädigung in "amerikanischen Dimensionen" zu. Von den angeblichen fünf Millionen Dollar kamen aus dem ölreichen Land nur 5000 Euro bei Vanessa an.

Getäuscht

Im Glauben, das Versprechen würde eingehalten werden, ließen Vanessas Eltern ein behindertengerechtes Wohnheim errichten. Sie sind verzweifelt. Gilt es doch allein für Therapien 80.000 Euro aufzutreiben.

Auch eine in Aserbaidschans Wiener Botschaft erfolgte Zusage zu einer inzwischen auf 1,8 Millionen Euro reduzierten Zahlung, erwies sich nur als Lippenkenntnis. Obwohl Sahinovic im Gegenzug auf eine Klage verzichtete. Am 13. Dezember teilte Anwalt Rosenauer den dramatischen Sachverhalt dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, in einem (dem KURIER vorliegenden) Schreiben mit.

Das IOC könnte Aserbaidschan bis hin zur Ausschlussdrohung ultimativ zur Zahlung an Sahinovic auffordern. Oder wenn Bach das aus diplomatischen Gründen schon nicht will, dann könnte die (dank Sponsoren und TV- Milliarden) im Geld schwimmenden olympische Institution selbst Herz zeigen und der auf olympischem Gelände zur Vollinvalidin gewordene Vanessa finanziell helfen. Könnte ...

20 Wochen nach Absendung des Briefes hat sich IOC-Boss Bach noch nicht gerührt. Hat der gestresste, weltreisende Präsident nur keine Zeit für "kleine" Schicksale? Oder haben gar Promi-Sportler (darunter der deutsche Skistar und Bach-Landsmann Felix Neureuther) recht mit ihrem Vorwurf, wonach aus dem einstigen Weltklassefechter Bach eine gefühlskalte, machtgierige, doppelzüngige Funktionärsbonze wurde? Aber vielleicht sind diese Attribute Voraussetzung, um es zum Präsidenten bei IOC oder FIFA zu bringen.