Sport
30.03.2017

Bilyk: "Bin sicher nicht der David Alaba des Handballs"

Der Handballer ist ein Star in Kiel und kämpft um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

Ein Wort genügt, und schon ist es um Nikola Bilyk geschehen: Paris. Mit der Stadt der Liebe verbindet der Handballer die Stadt der Hiebe, seit er mit dem THW Kiel dort in der Champions-League-Vorrunde gegen PSG eine 24:42-Abfuhr kassiert hatte. Eine Rekordniederlage für den Rekordmeister. Dieser Stachel sitzt extrem tief beim 20-jährigen Shooting Star, der in seinem ersten Jahr in der härtesten Liga der Welt gleich ins All-Star-Team gewählt wurde.

THW Kiel hat den Vertrag mit dem Rückraumspieler schon jetzt vorzeitig bis 2022 verlängert, Bilyk ist einer der Schlüsselspieler in den Planungen von Trainer Alfred Gislason. Auch heute ruhen die Hoffnungen des THW wieder auf den breiten Schultern des selbstbewussten Wieners, wenn die Kieler im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen die Rhein-Neckar-Löwen einen Ein-Tor-Rückstand wettmachen müssen (19 Uhr, Sky). Zuvor stand Nikola Bilyk dem KURIER Rede und Antwort und sprach über ...

Das Debakel von Paris

"Das war eine Katastrophe. Ich will eigentlich gar nicht darüber reden. Diese Niederlage werde ich nie mehr vergessen, ein Spiel mit 18 Toren zu verlieren, das tut weh. Seither denke ich mir vor jedem Spiel, dass so etwas nie mehr wieder passieren darf."

Seine Rolle als Führungsspieler beim THW

"Auch wenn ich jung bin und für die anderen vielleicht noch wenig erreicht habe – ich weiß genau, was ich kann und wo meine Stärken liegen. Wahrscheinlich hat es auch deshalb so schnell beim THW funktioniert, weil ich selbstbewusst bin. Es gibt Leute, die keine Führungsspieler sein wollen, ich habe kein Problem damit, in der Kabine Sachen anzusprechen."

Die Lobeshymnen auf ihn

"Ich lese nicht, was über mich geschrieben und gesagt wird. Und zwar ganz bewusst, weil mir klar ist, dass man an einem Tag in die Höhe gehoben wird, und einige Tage später ist schon wieder alles anders. Nur wenn irgendwo etwas ganz Negatives steht, dann picke ich mir das manchmal raus. Als Zusatzmotivation. Eines sollte man aber nie vergessen: Handball ist ein Mannschaftssport – es wird nicht reichen, wenn nur einer gut spielt."

Das Phänomen THW Kiel

"Es ist ganz eine andere Welt. Alle reden hier vom Handball, auch wenn vielleicht nicht alle das Insider-Wissen haben. Der Druck ist hier sicher größer als bei anderen Vereinen. Dazu sind die Leute von den Erfolgen verwöhnt, manche beschweren sich, dass Kiel heute nicht mehr so spielt wie früher. Ich selbst sehe das nicht so tragisch, weil mir klar ist, dass man nicht sofort Weltklasse sein kann, wenn sieben neue Spieler da sind."

Spiele vor 10.000 Zusehern

"Ich bekomme immer noch jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich einlaufe. Aber man gewöhnt sich dann auch sehr schnell daran. Das ist mir so richtig klar geworden, als ich mit unserem Nationalteam gespielt habe und du in der Halle jedes Wort gehört hast. Handball ist in Deutschland ganz etwas Anderes. Im Spiel, aber auch das Rundherum, das ist alles um Klassen besser."

Die Bezeichnung Handball-Alaba

"Ich kann damit nichts anfangen. Ich bin sicher nicht der Alaba des Handballs, ich bin der Nikola, und ich gehe meinen eigenen Weg. Und ich kann mir außerdem nicht vorstellen, dass Alaba mit einem Handballer verglichen werden will."