30.000 Fans sollen am Sonntag die Formel 1 in Sotschi vor Ort sehen

© REUTERS/POOL

Sport
09/23/2020

Der Kampf um die Fans: Politik vs. Sport

Rückkehr trotz Corona: Mehr als 20.000 Fans beim UEFA-Supercup in Budapest, 30.000 beim Formel-1-Rennen in Sotschi.

von Günther Pavlovics

Hygienekonzepte, Teststrategien, hermetische Abschottung von der Außenwelt. Der Sport hat schon im Abklingen der Corona-Pandemie versucht, der Welt einen Hauch Normalität zu vermitteln. Nach einem Sommer der Entspannung sollte nun der nächste Schritt folgen. Das Motto: heraus aus der Blase, herein mit den Zuschauern. Angesichts steigender Corona-Infektionen wurde daraus ein umstrittenes Projekt.

Am Donnerstag findet in Budapest der UEFA-Supercup statt. Das ist ein sportlich leicht prestigeträchtiges Fußballspiel zwischen den Gewinnern der Champions League und der Europa League. Im Jahr 2020 sind das Bayern München und der FC Sevilla.

Kritischer Bürgermeister

Die UEFA sieht dieses Spiel als Pilotprojekt für die Rückkehr der Fans zum internationalen Fußball. Das Ferenc-Puskas-Stadion, das 67.000 Besuchern Platz bietet, soll zu einem Drittel ausgelastet sein, also mit etwas mehr als 20.000 Zuschauern. „Hätte ich die rechtlichen Möglichkeiten, das zu entscheiden, würde ich das Match hinter geschlossenen Toren stattfinden lassen“, sagte Budapests Oberbürgermeister Gergely Karacsony der oppositionellen Tageszeitung Nepzava. „Die Verantwortung liegt bei denen, die die Entscheidungsgewalt haben“, fügte der grün-liberale Politiker mit Blick auf die rechtsnationale Regierung hinzu.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat das Spiel mit seiner Aussage vom „Fußball-Ischgl“ zum Politikum gemacht. Bayern strich die Ausnahmeregel, die Sport-Anhänger bei Aufenthalten von weniger als 48 Stunden in Risikogebieten von der Quarantänepflicht befreit. Nach der Rückkehr Test oder Quarantäne – das zeigte Wirkung, von 2.100 Fans haben 800 ihre Tickets um 120 Euro wieder zurückgegeben. Auch dem FC Sevilla wurden 3.000 Tickets angeboten. Die 500 Fans, die nach Ungarn reisen, konnten am Montag beim Stadion Sánchez-Pizjuán den für die Einreise notwendigen PCR-Test machen. Es gibt einen offiziellen Fan-Flieger, in dem auch Juan Espadas, der Bürgermeister von Sevilla, sitzt.

Der Supercup, behaupten die Befürworter um UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, werde „so sicher sein wie kein Spiel zuvor“. Sein UEFA-Vize Sandor Csanyi ist ungarischer Fußball-Boss, Dollar-Milliardär und Orban-Vertrauter. Trotz steigender Corona-Zahlen ist diese Partie ein Fall für das Prestige von Ministerpräsident Viktor Orban, der auf der Tribüne sitzen wird.

Bayerns Ministerpräsident Söder hatte gehofft, dass der Klub eine Reisewarnung an seine Fans richtet. „Oberste Priorität hat für uns die Gesundheit unserer Mitglieder“, schrieb der FC Bayern. Damit begründete er aber nur die Verschiebung der Jahreshauptversammlung ins Frühjahr 2021. Zum Supercup gab es keinen Kommentar. Der Tross brach gestern nach Budapest auf – mit David Alaba, der den Meisterschaftsauftakt wegen einer Muskelverletzung verpasst hatte.

Schon Anfang Juli legte der Formel-1-Zirkus einen viel beachteten Neustart nach Corona hin. Im strengen Hygienekonzept waren aber keine Zuschauer vorgesehen bei beiden Rennen im österreichischen Spielberg.

100.000 in Istanbul?

Mittlerweile durften in Italien schon wieder Fans an die Strecke. Die große Rückkehr soll am Wochenende beginnen, in Sotschi lässt man 30.000 Zuschauer zu. Sogar im zögerlichen Deutschland wurden für das Rennen am Nürburgring 20.000 Zuschauer genehmigt. Und die ganz große Publikumsfantasie gibt es in der Türkei, wo man beim Rennen am 15. November von 100.000 Fans an der Strecke träumt. Laut den Organisatoren wurden innerhalb der ersten sechs Stunden bereits 40.000 Tickets verkauft, erstmals seit neun Jahren wird wieder in Istanbul gefahren. Die billigsten Karten kosteten 30 Lira, umgerechnet 3,50 Euro. Veranstalter Vural Ak ist sich aber auch klar: „Wenn die Krankheit schlimmer als heute wird, dann kann das Rennen auch ohne Zuschauer stattfinden.“

Seit Dienstag läuft der Vorverkauf für das Rennen am Nürburgring. 20.000 Fans hat die Kreisverwaltung Ahrweiler für den Großen Preis der Eifel am 11. Oktober 2020 genehmigt, 199 Euro kosten Karten für das gesamte Wochenende. Damit jederzeit auf das aktuelle Infektionsgeschehen reagiert werden kann, wird der Ticketverkauf ausschließlich online, personalisiert und sitzplatzgenau in mehreren Verkaufsstufen stattfinden.

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