Sport | Bundesliga
05.02.2018

Holzhauser: "Sie können sich erlauben, was sie wollen"

Rapid-"Fans" sorgten für drei Unterbrechungen und einen Skandal beim 1:1.

Vier Minuten waren im 325. Wiener Derby gespielt. Rapid hatte einen rasanten Start hingelegt, die Austria holte mit dem ersten Angriff einen Eckball heraus.

Warum das erwähnenswert ist? Weil erschreckend viele Rapid-"Fans" Raphael Holzhauser zum Ziel ihrer Wurfgegenstände nahmen. Sie dürften vor dem Match auch Zielwasser getrunken haben. Denn der Austria-Kapitän wurde vor dem Block West von einem Gegenstand ("Ich glaube, es war ein Feuerzeug") am Schlüsselbein getroffen, hatte danach deutlich sichtbare Spuren.

Ein Glück nur, dass ihn keine der zahlreichen geflogenen kleinen Schnapsflaschen getroffen hatte. Schiedsrichter René Eisner unterbrach bei seinem Derby-Debüt erstmals.

In Minute 27, beim dritten Corner der Austria, wurden Holzhauser und auch Pires wieder beworfen. Diesmal aus dem anderen Eck, vorbei an den mittlerweile zum Schutz aufgespannten gelben Schirmen. Bei Hobbyspielen heißt es: "Drei Corner, ein Elfer". Diesmal drei Corner, ein Abbruch? Fast.

"Das ist nicht normal"

Eisner nutzte seinen letzten vom Regulativ vorgegeben Spielraum und schickte die Mannschaften in die Kabine. Während der achtminütigen Pause feierte sich der Fanblock selbst, während Stadionsprecher Andy Marek mehrmals klarmachte: "Beim nächsten Gegenstand, der hereinfliegt, gibt es einen Abbruch. Das heißt 3:0 für die Austria."

Dazu kam es nicht. Und dennoch wurde ein wirklich gutes Spiel zur Nebensache, gab es nach dem Schlusspfiff nur ein – nicht sportliches – Thema. Austria-Kapitän Holzhauser musste immer wieder Stellung beziehen zu den Vorkommnissen. "Sie können sich erlauben, was sie wollen. Das ist nicht normal und eigentlich lächerlich. Vielleicht muss man so ein Spiel einmal abbrechen. Aber ich muss ja aufpassen, was ich sage." Schiedsrichter Eisner erklärte in den Stadion-Katakomben später, dass er das Spiel abbrechen hätte müssen, wäre Holzhauser nach dem Treffer liegen geblieben.

Austria-Trainer Thorsten Fink lobte seinen Kapitän: "Raphael hat sich vorbildlich verhalten. Wir haben niemanden provoziert. Schade, dass es in Österreich immer noch so ist, dass Spieler bei Ecken mit Schirmen geschützt werden müssen. Das hätte ich nicht gedacht."

Rasche Entschuldigung

Anders die Reaktionen mancher Rapidler. Dejan Ljubicic meinte, dass nichts passiert wäre, hätten die Austrianer die Corner schneller ausgeführt. Noch am späten Sonntagabend sah der auf dem Rasen beste Rapidler ein, dass er Unsinn geredet hatte: "Ich habe die Szene jetzt im TV gesehen und möchte meine Aussage mit Bedauern zurücknehmen."

Trainer Goran Djuricin sagte im TV, dass sich die Fans nicht provozieren lassen dürfen. Allerdings von wem? Djuricin: "Wenn diese paar Fans nicht auf den Verein hören, dann müssen die Fans untereinander das regeln. Denn jene, die verantwortlich waren für die Würfe, haben uns und dem Verein geschadet. Die müssen raus."

Letzter Aufreger

Die zwei Flitzer, die am Ende einen Austria-Konter gekonnt unterbanden, werden leicht zu identifizieren sein. Eisner erklärte, dass da kein Abbruch-Grund vorlag, weil das Duo niemanden gefährdete. Fink zeigte sich erstaunt: "Rechts war De Paula ganz frei, wir wären durch gewesen."

Rapid versprach umgehend, die zahlreichen Werfer mittels Video ausfindig machen zu wollen. Nach den letzten Ausschreitungen sind Stadionverbote für solche Vergehen angekündigt worden. Es ist davon auszugehen, dass Rapid von der Bundesliga eine Strafe erhalten wird, zumal der Klub nach den Ausschreitungen im Derby im August 2017 schon verwarnt worden war.

Wieder sorgten einige Rapid-"Fans" für einen echten Skandal und dafür, dass ein gutes Spiel in die Belanglosigkeit gedrängt wurde.

Rapid - Austria 1:1 (0:0)

Wien, Allianz Stadion, 25.600, SR Eisner

Tore:
0:1 (62.) Monschein
1:1 (64.) Ljubicic

Rapid: Strebinger - Auer, M. Hofmann, Galvao, Bolingoli - Ljubicic, Schwab (36. Petsos) - Ve. Berisha (71. Schaub), Murg (87. Kvilitaia), Schobesberger - Joelinton

Austria: Pentz - Blauensteiner, Kadiri, Stronati, Stangl - Serbest, Holzhauser - Venuto (87. De Paula), Prokop, Pires - Monschein (90. Friesenbichler)

Gelbe Karten: Galvao, Ljubicic, Joelinton bzw. Serbest

Bilanzen nach dem 325. Wiener Derby:

Gesamt: 325 Spiele - 134 Rapid-Siege, 74 Unentschieden, 117 Austria-Siege (Torverhältnis 606:517)

Meisterschaft: 292 - 122, 71, 99 (538:440)

Bundesliga: 169 - 53, 55, 61 (221:225)

Allianz Stadion: 4 - 0, 2, 2 (3:7)