Blick nach Osten: Rapid will Magnet für Talente werden

Um das Allianz Stadion soll ein eigenes Trainingszentrum entstehen. © Bild: /SK Rapid

Um die besten Nachwuchskräfte anzulocken, brauche es aber auch ein eigenes Trainingszentrum mit mindestens acht Plätzen.

"Wir wollen die beste Nachwuchsarbeit in Österreich leisten", ging Rapid-Präsident Michael Krammer bei der Ordentlichen Hauptversammlung in die Offensive. Nicht nur die besten heimischen Talente, sondern auch Jugendliche aus dem umgebenden Mittel- und Osteuropa sollen den Rufen aus Hütteldorf bald nicht mehr widerstehen können. "Wir definieren Zielmärkte", dozierte Krammer und führte Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Serbien an. Neben den geografischen Anknüpfungspunkten gäbe es auch historische und wirtschaftliche Verbindungen zu diesen Nationen.

Der Klub plant zu diesem Zweck eine Optimierung des Scouting, gleichzeitig werde eine Zweckbindung der Mitgliedsbeiträge für den Nachwuchs kommen. Im Idealfall helfen Ex-Rapidler aus den genannten Ländern wie Zlatko Kranjcar, Antonin Panenka oder Dejan Savicevic als Botschafter bei der Rekrutierung der Burschen, die eine schulische Ausbildung erhalten, für die Kampfmannschaft aufgebaut und dann gewinnbringend verkauft werden sollen.

Pacht-Variante für eigenes Trainingszentrum

Um die besten Nachwuchskräfte anzulocken, brauche es aber auch ein eigenes Trainingszentrum mit mindestens acht Plätzen. Da die Stadtpolitik laut Krammer bisher kein Areal anbieten konnte, das groß genug für einen Neubau wäre, präferieren die Verantwortlichen eine Pacht-Variante des schon genutzten Geländes beim Ernst-Happel-Stadion, das von der Wiener Sportstätten-GmbH verwaltet wird. Krammer: "Hier ist alles angerichtet". Einzig ein neues Funktionsgebäude soll noch gebaut werden. Die Gespräche seien im Laufen.

Es könne keine Garantien für sportlichen Erfolg geben, meinte Krammer in seiner Rede. Allerdings sei die Chance dafür größer, wenn der sportliche Bereich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Der Geschäftsbericht 2015/16, der bei der Hauptversammlung in gedruckter Form auflag, weist einen Rekordumsatz von 48,7 Millionen Euro und einen Rekordgewinn von 11,6 Millionen aus. Für Krammer ist das aber offenbar nicht genug.

Mehr Geld nötig

Um das Budget der Kampfmannschaft von derzeit 33 Millionen Euro weiter zu steigern, soll in Zukunft noch mehr Geld aufgestellt werden. "Wir wollen den operativen Cashflow erhöhen", sagte Krammer. Das soll durch neue Einnahmequellen wie dem Rapid-Mobilfunknetz gelingen, aber auch über die bewährten Kanäle wie Transfers, Ticketverkäufe oder Merchandising. Bei der allfälligen Umwandlung der Profi-GmbH in eine Aktiengesellschaft könnte auch eine Minderheitsbeteiligung zusätzliches Kapital bringen. "Das wird es aber nicht geben ohne Zustimmung der Hauptversammlung", versprach Krammer.

Sein "Lieblingsthema", nämlich die zentrale Vermarktung der Medienrechte über die Bundesliga, brachte Krammer ebenfalls zur Sprache. "Wenn es einen Verein in Österreich gibt, der in einem Spiel so viel Zuschauer hat wie alle anderen vier Partien zusammen, dann verdient er auch mehr Medienrechte", plädierte der Klubchef für eine Ausschüttung nach dem Leistungsprinzip. Ab der Saison 2018/19, denn so lange läuft der aktuelle TV-Vertrag, will Rapid jedenfalls eine deutliche Steigerung der Erlöse aus dem Rechteverkauf erzielen.

Top 50? "Das wird eng, das gebe ich zu"

Bis dahin sollte auch bei dem sportlichen Masterplan, den Krammer bei seinem Amtsantritt formulierte, etwas weitergegangen sein: permanente Qualifikation für eine Europacup-Gruppenphase, Vorstoß in die Top-50-Klubs in Europa bis 2019 und drei nationale Titel bis 2023. "Das wird eng, das gebe ich zu", sagte er zu Letzterem. Für diese Saison hat Krammer die Meisterschaft so gut wie abgehakt. Aber: "Ist es heuer nicht, versuchen wir es nächstes Jahr mit aller Kraft."

Das Trainerteam um Canadi werde die nötige Zeit bekommen, um den Turnaround zu schaffen. "Das ist harte Arbeit, die zu leisten ist, und dabei werden und müssen wir sie unterstützen", erntete Krammer Beifall. "Jetzt heißt's gemeinsam kämpfen, dann werden wir wieder siegen", appellierte er an den Zusammenhalt der Unterstützer, denen er versicherte: "Rapid ist der wichtigste Verein in Österreich."

( kurier.at ) Erstellt am 29.11.2016