Die Rapidler ließen auf dem Sportclub-Platz gegen BW Linz nichts anbrennen.

© APA/EXPA/SEBASTIAN PUCHER

Fußball
10/26/2016

ÖFB-Cup: Rapid souverän, Austria mit Mühe, Sturm out

Die Hütteldorfer besiegen BW Linz 4:0. Die Veilchen müssen gegen Ostligist Ebreichsdorf in die Verlängerung. Die Grazer scheitern an St. Pölten.

von Alexander Huber, Stephan Blumenschein

Rapid war am Mittwochabend am Sand. Eindeutig. Bei jedem Pass auf dem Sportclub-Platz spritzte der Sand aus der holprigen Wiese empor, als würde Dominic Thiem bei einem Sandplatz-Match die Kugel durchs Feld jagen.

Aber sportlich? Da wäre jedes noch so naheliegende Wortspiel mit "am Sand" fehl am notdürftig hergerichteten Platz in Dornbach.

Die Pflichtaufgabe gegen Blau-Weiß Linz wurde mit einer in der Krise so nicht erwartbaren Leistung souverän gelöst: Rapid zieht mit einem 4:0-Sieg ins Viertelfinale ein. Bereits nach 33 Minuten ist es 3:0 gestanden.

Trainer Mike Büskens bleibt somit im Amt und bekommt gegen die Admira die Chance, einen weiteren Schritt aus dem Tief zu machen. Denn beim 4:0 darf nicht vergessen werden, dass der Gegner zwar unter dem neuen Trainer Klaus Schmidt in drei Spielen ohne Gegentor geblieben war, aber trotzdem noch als Letzter in der Ersten Liga rangiert.

Neu waren bei Rapid nicht nur vier Spieler und viel Aggressivität von Beginn an – sondern auch das 4-4-2-System. Eine Mittelfeld-Raute hinter dem Sturmduo (Kvilitaia und der beim Startelf-Comeback besonders agile Jelic) war genau das richtige Rezept, um die Blau-Weißen zu überraschen.

Von den unzähligen Chancen verwertete Schaub als Erster eine (8.). Murg, nach einem Szanto-Kopfball (21.) und Kvilitaia nach einem Szanto-Schuss (33.) erhöhten aus Abstaubern.

Den Endstand vor 4500 gut unterhaltenen Zuschauern besorgte Jelic nach einer flotten Kombination (58.). Danach gaben noch Wöber und Malicsek ihre Debüts unter Büskens. "Es tut gut, dass wir nicht wieder 30 Schüsse für ein Tor benötigt haben", erklärte der Deutsche erleichtert. Er betont, dass "das ganze Trainerteam gemeinsam zum Entschluss für das 4-4-2-System gekommen ist".

Max Hofmann, der "extrem stolz war", erstmals als Kapitän einzulaufen, sagte: "Als wir den Sand im Rasen gesehen haben, war das ein Schock. Aber wir haben die Aufgabe super gelöst."

Dramatische Austria

Wenn ein Bundesligist nach 67 Minuten gegen einen Drittligisten 3:0 in Führung geht, sollte die Sache erledigt sein. Immerhin hatte die Austria gerade AS Roma ein 3:3 abgerungen und Rapid besiegt, während Ebreichsdorf gegen die Vienna 0:4 und die Admira Juniors 1:6 unterlegen war. Nicht so beim gestrigen Gastspiel der Austria in Ebreichsdorf. Venuto (7.), Rotpuller (15.) und Friesenbichler (67.) hatten den Rekord-Cupsieger beim Tabellen-Fünften der Ostliga mit 3:0 in Führung gebracht.
Dann passierte etwas, was nicht einmal Ebreichsdorf-Trainer Goran Djuricin für möglich gehalten hatte. Hatzl (75.), Bauer (85.) und Pomer (91.) schafften das Comeback, wobei das 3:3 in Unterzahl fiel. In der Verlängerung schien erneut alles klar zu sein, nachdem die Austria durch einen Doppelschlag von Friesenbichler (101.) und Pires (102.) 5:3 in Führung ging. Doch Vukajlovic verkürzte (111.). Danach begann erneut das große violette Zittern, das 5:5 sollte aber nicht mehr fallen.

Salzburger Rekord

Den 21. Cup-Sieg in Serie feierte Salzburg – damit wurde der Rekord der Austria von 20 Erfolgen zwischen 2005 und 2009 verbessert. Das 2:0 gegen den FAC spiegelte nicht die Überlegenheit wider. Ein erfolgreiches Startelfdebüt feierte der über ein Jahr verletzt gewesene Reinhold Yabo, der das 1:0 erzielte (7.) und am 2:0 beteiligt war. Seinen Schuss konnte FAC-Keeper Alexander Schlager nur kurz abwehren, Munas Dabbur staubte ab (34.). Danach kamen die Salzburger zu einer Fülle an weiteren Chancen, doch der bei Red Bull ausgebildete Keeper der Wiener konnte nicht noch einmal bezwungen werden.

Salzburg-Coach Oscar bot vor 2.834 Zuschauern in Wals-Siezenheim eine im Vergleich zum Bundesliga-Match gegen St. Pölten am Sonntag an elf Positionen veränderte Elf auf. Rechts in der Viererkette lief Valentino Lazaro auf, der zudem erstmals die Kapitänsbinde trug. Auch Andre Wisdom, Stefan Stangl, Xaver Schlager und eben Yabo durften sich beweisen. Der Altersschnitt des Teams betrug 22,2 Jahre.

Tabellenführer Sturm scheitert

Sturm Graz blamierte sich beim SKN St. Pölten. Im ersten Spiel unter Trainer Jochen Fallmann setzten sich die Niederösterreicher im Elfmeterschießen gegen den Tabellenführer der Bundesliga durch.

Lukas Thürauer brachte die Gastgeber in der 31. Minute in Führung. Kurz nach der Pause musste St. Pöltens Andreas Dober nach seiner zweiten Gelben Karte vom Platz. Marc Andre Schmerböck gelang für Sturm der Ausgleich (51.). Mit einem 1:1 ging es in die Verlängerung. Dort drückten die Grazer in Überzahl, ein Tor gelang aber nicht mehr.

Im Elfmeterschießen schoss zuerst der Grazer Matic über das Tor, dann hielt Sturm-Tormann Lück den Elfmeter von Mader. Im Anschluss hielt St. Pöltens Tormann Thomas Vollnhofer gegen Spendlhofer, Lumu schoss St. Pölten als letzter Schütze in die nächste Runde.

"Das fühlt sich hervorragend an", sagte der neue St.-Pölten-Trainer Fallmann. "Wie die Mannschaft gespielt hat, macht mich stolz." Tormann Vollhofer sagte im ORF: "Das war nicht unverdient, denn wir haben auch im Spiel die Chancen gehabt. Jetzt müssen wir diesen Spirit in die Meisterschaft mitnehmen."

ÖFB-Cup-Achtelfinale:

ASK Ebreichsdorf (Regionalliga Ost) - Austria Wien 4:5 n.V. (3:3,0:2)

Ebreichsdorf, 3200, SR Eisner.

Tore: Hatzl (75.), Bauer (85.), Pomer (91.), Vukajlovic (111.) bzw. Venuto (7.), Rotpuller (15.), Friesenbichler (67., 101.), Pires (102.)
Rote Karte: Bauer (86./Ebreichsdorf)

Austria: Pentz - Larsen (72. Gluhakovic), Rotpuller, Stronati, Salamon - Vukojevic, Serbest - Tajouri, Prokop (90. Pires), Venuto (46. Kvasina) - Friesenbichler

Red Bull Salzburg - Floridsdorfer AC 2:0 (2:0).

Salzburg, 2834, SR Altmann.

Tore: Yabo (7.), Dabbur (34.).

Salzburg: C. Stankovic - Lazaro, Wisdom, Caleta-Car, Stangl - Minamino, X. Schlager, Radosevic, Yabo (53. Samassekou) - Gulbrandsen (70. Hwang), Dabbur.

SKN St. Pölten - Sturm Graz 1:1 n.V. (1:1, 1:0), 4:3 im Elferschießen
St. Pölten, NV-Arena, 2447, SR Muckenhammer.

Tore: Thürauer (31.) bzw. Schmerböck (51.).

Gelb-Rot: Dober (49.)

St. Pölten: Vollnhofer - Dober, Huber, Grasegger (102. Heerings), Pirvulescu (91. Holzmann) - Lumu, Ambichl, Mader, Schütz - Keita, Thürauer (52. Stec)

Sturm: Lück - Koch, Schoissengeyr, Spendlhofer, Potzmann - Matic, Jeggo - Hierländer, Alar (106. Kienast), Schmerböck (76. Huspek) - Zulechner (84. Edomwonyi)

Blau-Weiß Linz - Rapid 0:4 (0:3)
Wien, Sportclub-Platz, 3.974, SR Hameter

Tore: Schaub (7.), Murg (22.), Kvilitaia (33.), Jelic (58.)

Aufstellung Rapid: Novota - Pavelic, Sonnleitner, M. Hofmann, Schrammel (64. Wöber) - Schaub, Murg (70. Malicsek), Mocinic, Szanto - Kvilitaia, Jelic (76. Traustason)

Schub: "Halb Österreich wollte uns verlieren sehen"

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Das war ein wichtiger Sieg für den ganzen Verein. Die Jungs haben super gespielt, sind konsequent aufs Tor gegangen und haben sich dafür früh belohnt. Das System mit zwei Spitzen hat gut funktioniert, aber wir hatten schon in den Spielen davor genügend Chancen. Unmutsäußerungen der Fans sind ganz normal."

Louis Schaub (Rapid-Spieler): "Das war ein ganz wichtiger Sieg. Halb Österreich wollte uns verlieren sehen, damit sie auf uns draufhauen können, aber wir haben verdient gewonnen. Wir haben heute gesehen, dass wir auch ein anderes System draufhaben. Mit zwei Stürmern hat es gut funktioniert."

Klaus Schmidt (Blau-Weiß-Linz-Trainer): "Wir waren in der ersten Hälfte nicht ready. Es war so wie, als ob man in eine Schießerei kommt und zwei Buttermesser eingesteckt hat. Wir hatten nie Zugriff auf das Spiel, sind nur dem Ball nachgelaufen und haben keine Zweikämpfe gewonnen."

Jochen Fallmann (Trainer St. Pölten): "Wir wollten die Defensive stabilisieren, was uns auch gelungen ist. Meine Mannschaft war anfangs aufgrund der derzeitigen Situation verunsichert. Die kämpferische Leistung war immens, wir haben uns ins Elferschießen gekämpft. Gelb-Rot für Dober war meiner Meinung nach etwas hart. Der Trainerwechsel war für uns alle sehr kurzfristig. Ich habe versucht, die Spieler bei ihrer Ehre zu packen."

Franco Foda (Trainer Sturm Graz): "In der ersten Hälfte hatten wir kein Tempo ins unserem Spiel. Die zweite Hälfte war von Beginn an besser. In Überzahl haben wir das Spiel dann dominiert, auch Chancen herausgespielt, aber zweimal auch Glück gehabt. Wir waren nicht effektiv genug."

Michael Ambichl (Spieler St. Pölten): "Wenn man das Spiel mit dem Salzburg-Match vergleicht, war sicher ein Trainereffekt bemerkbar. Es hat jeder für den anderen gekämpft. Jeder von uns wollte beweisen, dass wir nicht so schlecht sind, wie es dargestellt wurde."

Marc Andre Schmerböck (Torschütze Sturm Graz): "Die erste Hälfte haben wir verschlafen, da sind wir nicht gut in die Zweikämpfe gekommen. Danach waren wir zwar überlegen, haben aber zu wenig Chancen herausgespielt. Das Ausscheiden ist sehr bitter."

Oscar Garcia (Salzburg-Trainer): "Wir wollten einfach das Spiel gut anfangen. Das ist uns durch das schnelle Tor auch gelungen. Aber nachher hat die Mannschaft doch eine gewisse Konsequenz vermissen lassen. Der letzte Pass hat gefehlt. Ich bin sehr froh für Rey (Yabo; Anm.), aber man hat gesehen, dass ihm von der Physis her doch noch etwas fehlt. Was die mangelnde Chancenauswertung betrifft, gibt es keine Kritik von meiner Seite, so lange wir Chancen herausarbeiten."

Zum Cup-Rekord: "Es ist eine schöne Sache, nicht nur für mich, sondern auch für den Club und für die Trainer davor. Aber es ist eine Sache für die Statistik und hilft uns nicht dabei, das Spiel gegen Ried zu gewinnen."

Valentino Lazaro (Salzburg-Kapitän): "Es war ein gutes Spiel von uns, wir hätten aber mehr Tore machen können, ja sogar müssen. Ich bin schon stolz, wenn man in so jungen Jahren die Kapitänsbinde tragen darf, egal wie die Mannschaft aufgestellt ist. Es zeigt mir doch den Stellenwert innerhalb der Mannschaft."

Reinhold Yabo (Salzburg-Mittelfeldspieler/Torschütze zum 1:0): "Wir wussten, dass das kein Selbstläufer wird. Es war schwieriger, als es ausgehen hat, der FAC hat es uns nicht leicht gemacht. Für mich selber war es ein wichtiger, intensiver Schritt auf dem Weg zurück. Allerdings hat es mir gezeigt, dass das Spiel eine andere Fitness verlangt als das Training, denn ich war richtig fertig."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.