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Sport
10/03/2020

Amateursport in Not: Wenn die Kugel nicht mehr rollt

Die Corona-Regeln sorgen unter den Vereinen für großen Ärger. Einige Fußballklubs überlegen bereits, Spiele ohne Zuschauer abzusagen.

von Stefan Berndl, Wolfgang Atzenhofer, Martin Gebhart , Michael Chudik

Kurz war sogar von Streik die Rede. Das wurde in der Zwischenzeit wieder zurückgenommen, der Unmut unter vielen Amateurvereinen ist ob der scharfen Corona-Regeln aber enorm. Vor allem in Niederösterreich, wo Heimspiele in einem Bezirk, dessen Corona-Ampel auf Orange gestellt ist, bereits ohne Zuschauer stattfinden müssen. „Wenn ohne Zuschauer gespielt wird, ist das der Tod für den Amateurfußball. Vereine bekommen ohnehin so gut wie keine Förderungen. Wenn ohne Publikum gespielt wird, werden den Vereinen die letzten Einnahmequellen gestrichen“, sagt Christian Schragner, ehemals Spieler bei Austria Wien und Trainer in Absdorf.

Im Weinviertel, das tief orange gefärbt ist, wurde in der Liga 1. Klasse Nord sogar überlegt, die Meisterschaft zu unterbrechen. Roland Hallas, Sportlicher Leiter des SC Neusiedl an der Zaya: „Ein Streik war nie unsere Intention. Das wurde von Anfang an falsch kommuniziert. Aber wenn wir nicht mehr vor Zuschauern spielen dürfen, dann wollen wir eine generelle Unterbrechung.“ Wobei mittlerweile erlaubt ist, Spiele in einem Orange-Bezirk abzusagen oder zu verlegen.

  • Amateursport im Freien

Generell gelten im Amateursport bundesweit seit dem 21. September folgende Regelungen: Können bei Sportveranstaltungen keine Sitzplätze zugewiesen werden, sind maximal 100 Zuschauer zugelassen. Wenn ein Verein Sitzplätze zuweisen kann, dürfen bis zu 3.000 Zuschauer der Veranstaltung beiwohnen. Diese Regelungen gelten unabhängig davon, auf welcher Farbe die Corona-Ampel im jeweiligen Bundesland steht. Eine Ausnahme stellt Niederösterreich dar

  • Strenge Regelungen in NÖ

Wird die Ampel in einem Bezirk auf Orange geschaltet, sind keine Zuschauer mehr zugelassen.  Ausgenommen davon sind bundesweite Bewerbsspiele im Freien – zum  Beispiel im Cup Wr. Neustadt gegen  Rapid Wien 

Sport als Corona-Cluster

Die Landespolitik ist der Expertenkommission gefolgt, für die der Sport zu jenen Bereichen zählt, wo viele Cluster entstanden sind. Im Fußball wäre es vor allem die dritte Halbzeit in der Kantine gewesen. Der zuständige Landesrat Jochen Danninger (ÖVP) verteidigt die Maßnahmen: „Die von der Sanitätsdirektion vorgeschlagenen Maßnahmen, um die Covid-19-Infektionen einzudämmen, sind – neben anderen Maßnahmen wie das Gästeblatt in Wirtshäusern – notwendig, um einen landesweiten Lockdown zu verhindern, der weitere Arbeitsplätze gefährden würde.“

Viele Funktionäre wollen diese Argumentation aber nicht mehr gelten lassen. Zitat aus einem Brief an den Landesrat: „Allein was es bedeutet, eine Nachwuchsbetreuung und Ausbildung anzubieten, ist eine Mammutaufgabe für den Verein. Trainer zu finden und zu bezahlen, Busse für Auswärtsspiele zu finanzieren, Dressen waschen und vieles mehr. Wie glauben Sie, wird das finanziert? Natürlich aus dem Heimspiel der Erwachsenen.“

Schwer in der Kritik steht der zuständige Landesfußballverband. Trainer Schrager: „Vom Verband kommt nichts. Sie beschließen etwas, binden die Vereine dabei aber nicht ein.“ NÖ Präsident Johann Gartner versteht den Unmut: „Wir haben alles versucht, um einen Spielbetrieb mit Zuschauern zu ermöglichen. Leider wurden seitens der Politik alle Konzepte, die vorgebracht wurden, blockiert. Die Vereine waren bemüht, die Dinge mitzutragen, doch irgendwann reicht es.“

In den Wiener Amateurligen hofft man, dass überhaupt weiter gespielt werden kann. Die Zuschauerfrage sei nicht so entscheidend. Präsident Robert Sedlacek: „Ich finde es schlecht, wenn wir ohne Zuschauer spielen. Ich finde es noch schlechter, wenn wir gar nicht spielen.“ Die dritte Halbzeit sei in Wien kein Thema, „weil seit Jahren die Kantinenverkäufe rückläufig sind.“

Bund verspricht Geld

Die SPÖ macht jetzt wegen dieser Sportregeln mobil. Rupert Dworak, NÖ Präsident des ASKÖ: „Der Weiterbestand von den 1.470 Jugendmannschaften in unserem Land, allein beim ASKÖ, ist mit einem Schlag nicht mehr gesichert. Deswegen werden wir nicht müde, einen Sportgipfel mit Vertretern der Verbände und Vereine einzufordern, um eine Lösung auf den Tisch zu bringen, welche den Fortbestand unserer Vereine gewährleistet.“ Gemeinsam mit seinen Parteikollegen aus dem Bund fordert er 1.500 Euro vom Land Entschädigung pro Geisterspiel. Dort sieht man aber vorerst das Sportministerium am Zug. Landesrat Danninger: „Seitens des Bundes brauchen unsere Vereine sehr rasch die Verlängerung des NPO-Fonds. Dieser 700-Millionen-Euro-Topf wird die Vereine, wenn die Richtlinien auch entsprechend der jetzigen Erfordernisse, angepasst werden, in der schwierigen Phase unterstützen.“

Aus dem Büro von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) gibt es dazu Absichtserklärungen, aber noch keine Zusage. „Der Vizekanzler hat anklingen lassen, dass der Fonds verlängert wird“, sagt Pressesprecher Manfred Behr. Bisher haben 2.650 Sportvereine eine Zusage bekommen. Insgesamt sind bereits über 29 Millionen Euro geflossen.

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