Reise
20.03.2018

Kleine Abenteuer am Großglockner

Barbara und Hannes Pichler bieten Großstädtern kleine Abenteuer rund um den Großglockner an.

Tief durchatmen. Die Gruppe keucht sich einen steilen Hang im Morgennebel hinauf – oben soll eine Selbstversorgerhütte sein. Nach einer kleinen Stärkung bei einer Tasse Tee mit Zucker geht es weiter durch die Schobergruppe bei Heiligenblut, eine Landschaft, die mehr an die Anden als an Kärnten erinnert. Blues, der zum Jagdhund ausgebildete Golden Retriever, wird uns an dem Tag mehrmals überholen und hechelnd wieder einholen. Barbara Schader-Pichler bleibt stehen und macht ein Foto von einem mit Tau benetzten Spinnennetz. Sie spricht davon, dass wir alle zu abgehetzt seien und uns stattdessen gar nicht mehr auf unsere Schritte, auf unsere Atmung konzentrieren würden. "Du muasst den Berg amol g’spian", sagt sie, während sie langsam und gleichmäßig weitersteigt. Immer mehr Menschen könnten nicht mehr trittsicher gehen. Jetzt ist die Gruppe still, alle versuchen in sich hinein zu hören und möglichst fest aufzutreten. Und suchen nach mit Tau benetzten Spinnennetzen. Gruppendruck.

Seit drei Generationen betreut die Familie Pichler ihre Jagd in der wildromantischen Schobergruppe mit Blick über Heiligenblut, wo ihre "Nationalpark Lodge Großglockner" steht. Ein klassisches, in die Jahre gekommenes Ausflugshotel, das sie mit viel Liebe und Pioniergeist in die Zukunft führen wollen. So ließen sie die Bar von einer Freundin umbauen, die schon für den italienischen Star-Architekten Matteo Thun arbeitete und die den Lodge-Charakter einfangen sollte.

Wie viele andere Touristenregionen, wird Heiligenblut am Fuße des Großglockners eines Tages nur noch von seinen Sommertouristen leben, es braucht also neue Geschäftskonzepte. Der Begriff "Lodge" liegt Hannes Pichler am Herzen, denn seit Kurzem bietet der Hotelier sein Outdoor-Programm "In to the Wild" rund um den Großglockner an: Wildtiersafari, Übernachtungen im Freien oder Gletscher-Trekking. Das Paar – beide leidenschaftliche Jäger – gibt sein Wissen weiter: "Nicht alle, die sich für das Zelten anmelden, halten durch. Es kann schon mulmig werden, wenn man zum ersten Mal unter dem Sternenhimmel schläft und allemöglichen Geräusche hört und diese nicht zuordnen kann."

Faszination: Ewiges Eis

Einmal am ewigen Eis stehen, bevor es die Pasterze – den größten Gletscher der Ostalpen und der größte Gletscher Österreichs – nicht mehr gibt. Das wollen auch heute noch viele. War diese jedoch Jahrzehntelang ein Touristen-Magnet, sind ihre Fans mittlerweile in die Jahre gekommen. Längst konkurriert das schmelzende Eis mit den Stränden in Vietnam oder den heißen Quellen auf Island. Um 1850 wies der Gletscher noch eine Fläche von 26 Quadratkilometern auf, die Gletscherzunge war so dick, dass der 324 Meter hohe Eifelturm darin Platz gehabt hätte. Und heute? Die Pasterze misst nur noch eine Länge von acht Kilometern, jedes Jahr gehen 50 Meter verloren.

Am Tag nach der Wanderung durch die Schobergruppe geht es den Großglockner hinauf: Der Weg zur Pasterze ist auch für Ungeübte nicht schwierig, liegt doch der Besucherparkplatz bereits auf 2369 Höhenmetern. Über den Gamsgrubenweg gelangt man durch Tunnel ins Sonderschutzgebiet im Wasserfallwinkel. Im dichten Nebel verliert man schnell den Überblick, auch für Blues ist jeder Sprung über eine Gletscherspalte gefährlich. Zeitig in der Früh säumen fette Murmeltiere den Weg, die trolligen Tierchen sind an die Wanderer gewohnt und hoffen auf Proviant. Seltener sind Steinböcke anzutreffen, rund 200 Tiere leben im Nationalpark. Der "König der Alpen" wurde 1960 in den Hohen Tauern von Pichlers Großvater wieder angesiedelt. Auf hunderte Meter riechen die scheuen, mehr als 100 Kilogramm schweren Tiere den Menschen und suchen schnell das Weite. Pichler zückt sein Fernglas und zeigt auf einen Punkt in der Ferne, mit freiem Auge kaum sichtbar. Leider, es war nur eine Gams.

Anfahrt
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwar via Bahn (oebb.at) möglich, aber von Wien aus muss der Reisende in Villach und Lienz oder in Salzburg, Spittal-Millstättersee und Winklern im Mölltal umsteigen. Mit dem Auto von Wien ca. 420 km über S6.

Unterkunft
Die Wintersaison in der "Nationalpark Lodge Großglockner" geht bis einschließlich 8. April, am 5. Mai öffnet das Hotel mit Zimmer/Frühstück und ab 1. Juni gibt es wieder Normalbetrieb. Sommerpreise: Das Doppelzimmer basic gibt es ab 83 Euro pro Person inkl. Halbpension plus Jause, die Junior-Suite deluxe mit Glockner-Blick kommt auf 119 Euro pro Person inkl. Halbpension mit Jause. "In to the Wild"-Programm optional: z.B. Nationalpark Wildtiersafari 45 Euro pro Person (halber Tag/ab 4 Nächte im Zimmerpreis inbegriffen), Gletscher-Trekking 109 Euro pro Person (ganzer Tag), Expedition zu einem 3000er 95 Euro pro Person (ganzer Tag). Infos unter: www.nationalparklodge.at

Auskunft
Tourismusverband Heiligenblut: 048242700/20, www.heiligenblut.at