Auf mystisch-gruseligen Spuren durch Kärnten

Ein neues Buch nimmt wichtige Kärntner Kultstätten unter die Lupe: Vom Jungfernsprung - hier war ein Mädchen auf der Flucht vor dem Teufel - bis zum Meerauge im Bodental.

Eine Auszeit vom Alltag nehmen - manche Orte sind dafür besser geeignet als andere. Die Autorin Kerstin Gansl hat sich in Kärnten auf die Suche nach Kraft- und Kultplätzen gemacht - und ist sehr fündig geworden. Das südlichste Bundesland kann mit einigen mystischen Orten dienen. 

Immer gut geeignet für besondere Wahrnehmungen sind Wasserfälle. Zum Beispiel der Jungfernsprung Wasserfall im Mölltal soll einen positiven Effekt auf Körper und Psyche haben. Dabei ist die Legende, die sich rund um das Naturschauspiel rankt, alles andere als positiv. Einst soll sich eine junge Dame in die Tiefe gestürzt haben, um den Nachstellungen eines jungen Mannes (in manchen Darstellungen der Teufel) zu entfliehen. Das Happy End folgte sogleich: Das Mädchen wurde auf wundersame Weise gerettet und konnte ihr "untadeliges" Leben weiterführen. Auch außergewöhnliche Felsformationen, wie hier am Bild in den Karawanken (Hochstuhl), sind ein Zeichen für ganz besondere Plätze. 

Die kultische Nutzung von Steinen reicht weit in die Vergangenheit zurück. Am bekanntesten sind die "Menhire", große senkrechte Steinblöcke, wie man sie aus Asterix & Obelix Comics kennt. Im Volksglauben wurden besondere Steine mit Heiligen assoziiert, die an manchen Orten "eindeutige" Spuren hinterließen und nun für "Wunder" sorgen. So konnten Blinde wieder sehen, Lahme wieder gehen und "unfruchtbare" Frauen wurden plötzlich schwanger. Wenn man daran glauben mag ... Eine gesonderte Betrachtung erfordern die mystischen Schalensteine. Dabei handelt es sich um Felsen, deren Oberflächen unterschiedlich große, runde Vertiefungen aufweisen. In Kärnten wurden solche Steine am Nordufer des Wörthersees, in Sternberg, am Danielsberg, auf dem Hochgosch oder in Waisenberg entdeckt. Ihr Alter wird auf mehrere tausend Jahre geschätzt. Die Erklärungsansätze für diese Steine reichen über die Gewinnung magischen Steinpulvers bis zur Nutzung als mystische Opferstätten. Spirituelle Schwingungen sind in den sanften Kärntner Nockbergen zu spüren (Bild: Gipfel des Mirnock). Denn: Laut Untersuchungen häufen sich in diesem Gebiet rechtsdrehende Quellen, kosmische Strahlungsenergien und Kraftlinien. 
Doch auch hier gilt wieder: Der Besucher sollte ein hohes Maß an Phantasiefähigkeit und Glaubensbereitschaft mitbringen, dann wird die Wanderung, nicht nur ob der schönen Natur, zu einem ganz besonderen Erlebnis. Manche Gebirgsstöcke werden aufgrund ihrer besonderen Form als Kultberg identifiziert. Kein anderer Berg in Kärnten weist eine derart markante Gestalt auf wie der 2145 Meter hohe Mittagskogel (rechts im Bild) in den westlichen Karawanken. Seine außergewöhnliche Form erinnert an einen Vulkan. In der Gedankenwelt der Menschen verstecken Berge tief in ihrem Inneren unermessliche Reichtümer - auch der Mittagskogel soll ein goldenes Zentrum besessen haben. Haben wohlgemerkt - im nächsten Kärnten-Urlaub mit Grabungen anzufangen macht leider keinen Sinn mehr. Schnell in eine mystische Stimmung, die wohl auch so manchen Skeptiker erreicht, erlangt man beim Wandern in den Villacher Naturschächten. Das Durchschwimmen von unterirdischen Seen soll zu großem Reichtum führen. Ob man das Ausprobieren sollte, ist allerdings fraglich. Eine spannende Karsterscheinung aus den Tiefen des Dobratschmassivs, die oberirdisch für Badefreuden sorgt, ist das Maibachl in Villach. Durch die porösen Kalkschichten des Berges gelangt der Niederschlag in große Tiefen, wo er erwärmt wird. Dieses ca. 28 Grad warme Wasser verwandelt sich mit der Frühjahrsschmelze in einen Bach welcher in einem kleinen Teich hüllt. Und in diesem planscht es sich dann einige Wochen sehr angenehm. Für Viele ist der Ort ein Kraftplatz, eine natürliche Heilquelle, in der man nach dem langen, kalten Winter frische Energie und Lebenskraft schöpft. Bleiben wir beim Wasser. Der alpenländische Sagenschatz ist gespickt mit Geschichten über mystische Wasserbewohner. So wird am Wörthersee etwa von einer Begebenheit berichtet, wo eine Dame mit Fischleib ihre Nebenbuhlerin in die Fluten zog, während der Mann tatenlos zusehen musste. 
Seen gelten als Lebensräume von Wassermännern, Nixen, Drachen sowie bösen Geistern und Dämonen. Bereits die Kelten erwähnten Seen als Stätten ihrer Kultausübung. Ein von Mythen und Legenden umwobenes Relikt der Eiszeit ist das Meerauge im Bodental. Zwei kleine smaragdblaue Teiche liegen eingebettet in einem wunderschönen Hochtal vor der imposanten Kulisse der Vertatscha (Karawankengipfel). Eine Sage berichtet von einem Ochsengespann, das hier einst in den Fluten versank. Zumeist sind diese Seen von Nixen, Zwergen, Drachen oder anderen Naturgeistern beseelt und bewacht. Das Meerauge gilt als ein ganz besonderer Kraftort. Die Ruhe und mystische Stimmung, die diesen Platz umgeben, laden zum Innehalten und Entspannen ein. Ein weiteres ganz besonderes Gewässer ist der 3 Hektar große Egelsee nordöstlich von Spittal/Drau. Seinen Kraft- und Kultcharakter erhält er durch seine natürlichen Gegebenheiten (Wasserfärbung, Fauna, Flora), aber vor allem durch seine Lage in einem sagenumwobenen, mystischen Umfeld. Die moorig-sumpfige Wasserfläche liegt inmitten eines märchenhaften Waldes. Dunkle Wasserkörper suggerieren eine düstere, mystische Stimmung. Wanderer gelangen über mehrere Wege durch das Naturschutzgebiet. Genug vom Wasser. Kommen wir nach Frög, der ersten "Hauptstadt" Kärntens. 1882 entdeckten Hobbyarchäologen in der Gemeinde Rosegg ein annähernd 600 Grabhügel umfassendes Bestattungsareal, das sich als Relikt einer der ältesten Siedlungen des Landes erwies. Frög lag auf einem kleinen Hügel über der Drau. 
Heute ist die Siedlung ein Freilichtmuseum, welches Besucher in das Leben der Urgeschichte eintauchen lässt. Unter anderem erfährt man auch, dass unsere Vorfahren ihre Siedlungen an positiv strahlenden Plätzen ("Orten der Kraft") errichteten. Zu einer der bekanntesten und beliebtesten Quellen in Kärnten zählt die Rosalienquelle bei Globasnitz. 
Seit dem Mittelalter gelangt das Wasser über eine gabelförmige Rinne in ein Steinbecken. Dieses Wasser weist ähnliche Messwerte auf wie die der berühmten Heilquelle in Lourdes. Falls ein unwissender Wanderer noch informiert werden muss: Eine Steintafel weist auf die besondere Atmosphäre dieses "Ortes der Kraft" hin. Im Mittelalter waren Burgen in erster Linie Wohnräume, heute sind es Kultorte. In Kärnten können gegenwärtig noch die Relikte von ungefähr 130 Burgen bestaunt werden. 
Während die meisten nur noch unter Lebensgefahr zu betreten sind, wurden andere revitalisiert. Als eine der schönsten Burgen weltweit gilt übrigens Hochosterwitz (Bild) bei Launsdorf. Der Ort dürfte bereits in prähistorischer Epoche besiedelt gewesen sein, man vermutet sogar eine Kultstätte auf seinem Gipfel. Weitere mystische Plätze und Orte in Österreichs südlichstem Bundesland finden Sie in: 

Kerstin Gansl
Kraft- und Kulturplätze in Kärnten
Phänomene , Orte und Ereignisse im Spiegel der Naturwissenschaft
Carinthia Verlag, 192 Seiten
24,95 Euro
(KURIER.at) Erstellt am
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