© Michael Pammesberger/KURIER

Reise
06/02/2019

Unser Karikaturist reist: Pammesberger entdeckt Basel

KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger fährt in die Schweiz und entdeckt die spannenden, aber auch die schrägen Seiten der Kunststadt am Rhein.

Die Schweiz! Das sind natürlich die schneebedeckten Berge, saftig grüne Matten davor und Heidi schneidet vor der Almhütte mit dem Armeemesser Löcher in den goldgelben Käse. Und Schokolade und die Präzisionsuhr blitzt. Und all das gibt es in Basel – nicht.

Gut, eine Uhr können Sie hier auch kaufen, und wenn Sie vom Rheinufer hinauf gehen zum gotischen Münster, geht es schon bergauf – ziemlich sogar. Aber so Berge im Sinne von hoch und spitzig mit Kuh davor gibt es hier nicht. Und dementsprechend auch keine Käse- und Vollmilchschokoladeproduktion (die lokale Süß-Spezialität heißt Läckerli und ist eine Art Lebkuchen).

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Aber die Basler sind einfallsreich und haben dieses Schweizer-Klischeedefizit souverän weggesteckt: Sie haben schon früh ihre günstige Rheinposition genutzt und auf den Tuch-Handel gesetzt. Im Tuchhändler-Zunfthaus „Schlüsselhaus“ kann man heute fein essen. Aber interessant: Weil immer weißes Tuch auch fad ist irgendwann, hat man sich mit Farben beschäftigt. Daraus hat sich bald überhaupt eine gewisse Chemiekompetenz entwickelt. Und was soll ich Ihnen sagen, wenn die Chemie stimmt, dann kannst du damit einen Haufen Geld verdienen! Die Bank ist in der Schweiz ja nicht weit weg. Aber auch da ist der Basler nicht stehen geblieben und hat sich auf Biochemie und Pharmazie spezialisiert: Hoffmann-La Roche, Novartis etc. Alle in Ihrem Medizinkastl im Bad und in: Basel.

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Tuch mit Farben drauf, da ist die Malerei, die Kunst ja nicht mehr weit. Mischst du das Ganze mit ein bissl Chemie- und Pharma-Millionen/Milliarden, erhältst du eine weltbedeutende Kunststadt und das ist Basel heute ohne Zweifel.

All You Need Is Pablo

1967 gab es in Basel eine Volksabstimmung. Die Bürger sollten abstimmen, ob sie das halbe Stadtbudget für zwei Gemälde eines umstrittenen, ausländischen, modernen Künstlers ausgeben oder doch lieber für „unsere Leut’“, also für Kindergärten, Schulen und Altersheime. Es gab natürlich zwei Fraktionen, aber das Ergebnis war eindeutig: Die beiden Picassos wurden angekauft. Picasso war so beeindruckt von den Baslern, dass er dem Museum gleich drei weitere bedeutende Werke schenkte. Man sieht, manchmal lohnt es sich, ein bisschen weiter zu denken. Aber auch kein Wunder in einer Stadt, in der du mit einem Nahverkehrsticket in drei Länder fahren kannst.

Heute bietet die Kunststadt Basel zunächst die „Art Basel“ (ab 13. Juni), eine der wichtigsten Kunstmessen der Welt, das Kunstmuseum Basel mit Alten Meistern bis Gegenwartskunst. Sowie die weltbedeutende private „Fondation Beyeler“ mit oft sensationellem Programm. Derzeit bis 16. Juli noch „Der junge Picasso“.

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Hang zum Schrägen

Die saubere und schmucke Stadt mit ihren Bürgerhäusern und 200 sprudelnden Brunnen (Trinkwasser, versteht sich): Aber da und dort blitzt auch ein Abgrund auf. Eine Art Basler Schrägheit, ein Hang zum Grotesken (vielleicht begünstigte das den Blick auf die Kunst der Moderne des 20. Jahrhunderts). Du spazierst also um das rote Sandsteinmünster und betrachtest die Wasserspeier mit den seltsamsten Fratzen ... dass einem Angst und Bang wird. Auf ihre Brunnen platzierten die Basler am liebsten ein Untier, zusammengesetzt aus Schlange, Gockelhahn und Drachen: den Basilisken (die Wiener haben ja auch einen). Lange glaubten die Stadtbewohner, der Name Basel käme daher, aber das waren mittelalterliche „Fake News“. Und drittens flippt der brave Basler regelmäßig einmal im Jahr komplett aus, wenn Fasnacht ist (Vorsicht: Hier wird die Fastenzeit anders berechnet als bei uns). Der brave Chemiker und die biedere Pharmakologin setzen sich dann eine „Waggis“-Larve auf und machen „Räppli“ „Schnitzelbängg“ und „Ändstraich“. Es wundert einen gar nicht mehr, dass das LSD hier in Basel erfunden und erstmals ausprobiert wurde.

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Es ist also mit Überraschungen zu rechnen. Wussten Sie, dass Erasmus, der große Aufklärer und Erfinder des EU-Auslandssemesters inklusive erster internationaler Sexerfahrung, in Basel gestorben und begraben ist?

Und wussten Sie, dass die Basler so schlau sind, dass sie schon seit vierzig Jahren ein Cartoonmuseum haben?

Weltoffenheit, Aufgeschlossenheit kannst du von den Baslern lernen. Das Gegenteil von Kantönligeist. Man sollte eh öfter einmal nach Basel fahren zur Horizonterweiterung und nicht immer nur nach Ibiza oder so.

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Auskunft

Schweiz Tourismus, Tel. 00800 100 200 30, myswitzerland.com, basel.com, kunstmuseumbasel.ch, fondationbeyeler.ch