Reise
12.08.2018

Pammesberger beseitigt dumme Vorurteile über Kreuzfahrten

Eine ordentliche Reisegeschichte ist das seiner Meinung nach aber wieder nicht geworden.

Im Grunde würde es genügen, zum Bahnhof von Pinhão zu reisen und sich dort die Fliesen anzuschauen. Azulejos heißen die. Ich habe mich als Azulejo-Maler versucht.

Denn die portugiesischen Azulejosmaler haben alle Sehenswürdigkeiten, die ganze wunderschöne Dourolandschaft, den Fluss, den Wein, die Dörfer, die Schluchten und das ganze Drumherum mit viel blauer Farbe auf die Fliesen gemalt und diese geklebt und verfugt. Das wäre aber schade, weil dann würde man doch das Wesentliche versäumen: die Wirklichkeit.

Karikaturisten-Tipps

Der Trend geht ja wohl irgendwann wieder weg vom Virtuellen mehr hin zum Realen. Zum Beispiel: ein Video am Handy anschauen von einem der einen Portwein trinkt, ist dann doch ein bisserl was anderes, als selber einen Portwein trinken! An den Douro fahren, ist doch was anderes, als im KURIER darüber lesen, wie der Karikaturist dort hingefahren ist, auch wenn noch so schön gezeichnet und gemalt und noch so lyrisch und farbenfroh geschildert! Es hilft nichts, man muss selber leben. Und selber reisen.

Ich könnte hier also aufhören. Eine anständige Reisebeschreibung können Sie von mir sowieso nicht erwarten, ich erzähl lieber 1. Wieso ich überhaupt dazu gekommen bin, auf dem Douro rauf- und wieder runterzuschippern. Dann rede ich 2. davon, wie fein es ist, auf dem Deck zu sitzen und zu schauen. Im Übrigen 3. werde ich ein paar dumme Vorurteile über Flusskreuzfahrten beseitigen und 4. ebenso dumme in die Welt setzen. Also wie immer.

Die eine oder andere Kreuzfahrt habe ich schon gemacht – und immer für Sie beschrieben. Alle auf dem Meer, so habe ich zur Reiseredaktion gesagt, ich möchte einmal auch auf einen Fluss mit dem Schiff, stell ich mir angenehm vor, aha, die Douro-Fahrt ist am schönsten, ja dann fahr ich dort hin, wo isn das? Und wie spricht man das überhaupt aus?

In Portugal. Der Douro, man spricht das O und das U, hinten auch U: also Do-u-ru (jedenfalls solange man in Portugal ist, in Spanien drüben ist alles anders). Wider Erwarten haben die zugesagt und mich auf diese Reise geschickt und die Firma Klug Touristik hat das gezahlt, damit das auch klar ist.

Flussaufwärts

Zuerst also flussaufwärts und da geht es wirklich aufwärts, insgesamt sind ca. 120 Höhenmeter zu überwinden. Jetzt nicht, dass wer glaubt, das Schiff steht so bergauf und hinten rinnen alle Passagiere und das Buffet zamm und purzeln durcheinander, nein, der Fluss ist aufgestaut seit den 1960ern, und Schleusen, die höchste immerhin 30 Meter sind zu überwinden. Ist natürlich immer ein Spektakel. Machst du übrigens die Außentür deiner Kabine vorher zu. Weil der Wasserstrahl kommt von der Schleusenkammerseite in deine Turnschuhe, während du oben auf dem Deck gescheit fachsimpelst, wie der Kapitän das jetzt am besten macht, weil das geht sich so nie aus. Unsere Douro Spirit passt dann doch in die Schleusenkammer aufs Haar, das ist kein Zufall, man baut die Schiffe gescheiterweise schleusenkammergroß.

Es gibt andere Hindernisse zu überwinden, bzw. unterwinden: Brücken, da muss man den Kopf einziehen, der Mastbaum wird gekippt, die Kapitänsbrücke versenkt. Halb, sonst sehen die ja nix mehr. Wenn du aufstehst zum Fotografieren, ist das deine letzte Nahaufnahme von einem Brücken-Stahlträger.

Die Schleusen sind übrigens ein Segen: Weil es ist ja viel vom Massentourismus die Rede. Venedig, Barcelona, Hallstatt, Japaner, Chinesen ... alles: Aber durch Schleusenzeiten bedingt gehen halt nur eine bestimmte Anzahl von Schiffen durch, es gibt daher ein natürliches Limit. Man ist am Douro nicht allein, aber die Massen sind auch nicht unterwegs, Pinhão wird insofern nicht das „Venedig des Westens“.

Farben?

Der Rio Douro ist grün, daher der Name Goldener Fluss. Der Weißwein heißt Grüner Wein (Vinho Verde) der Rote wird nach der schwarzen Tinte Tinto genannt. Dazu gibts eine braune Suppe, die Grüne Suppe heißt. Der Blaue Portugieser ist rot, Rot-grün ist die häufigste Farbenblindheit und die Fahne Portugals. Azulejos werden der Einfachheit halber hauptsächlich einfärbig blau gemalt.

Sonnendeck

Das Allerbeste an der Reise ist, auf dem Deck zu sitzen und die wunderbare Landschaft in Schiffstempo an sich vorbeiziehen zu lassen. Deswegen sind wir hier. Nur sitzen und schauen – da kann man natürlich jede Menge falsch machen! Hier die Tipps vom Experten: Du suchst dir ein feines Platzerl. 2. Du lässt dein Handy in der Kabine, brauchst du nicht dauernd fotografieren und depperte Mails lesen. 3. Stattdessen nimmst du dein Fernglas mit (du siehst dadurch weiter = doppelter Urlaub, halber Preis). Fokussierst du zwischendurch, was ins Auge fällt: Schlösser und Weingüter am Ufer, Milane und Bienenfresser, Schifferl und Angler, tolle alte und auch hypermoderne Villen. Hübsche Ufer-Portugiesinnen etc. 5. Musst du nur auf eine Seite schauen, weil du fährst ja eh wieder zurück. In der Nacht ist Fahrverbot, versäumst du nix.

Erstaunlicherweise findet man immer ein ruhiges Eck, die anderen sind nämlich gerade essen.

Alle von Bord

Ansonsten wird man von Event-Abenteuertourismus verschont. Flusskreuzfahrt hat den Ruf, eher was für ältere Leute zu sein. Ja, Maturareise ist das keine mehr, obwohl: Die Truppe ist überschaubar, man lernt sich rasch kennen, Alkohol gibts genug. Geflirtet wird sowieso, die feschen 50+Salzburger-Ladys haben sich allerdings beklagt, dass zu wenig fesche 55+Junggesellen an Bord wären. Also doch wie auf der Maturareise.

Ich soll aber nicht immer nur aufm Schiff hocken, Landausflüge gibt es ja auch. Man muss nicht jeden mitmachen, aber es fällt schwer, auf einen zu verzichten: Porto, Garten und Schloss Mateus, Weingut mit Kochtopf, Portweinkellerei. Wer von euch ohne Sünden ist, kann den Wallfahrtsort streichen. Sogar eine größere Fahrt ins spanische Salamanca (eine sehenswerte Universitätsstadt) gibt es. (Auf meinem Bild dürfen Sie einen Frosch suchen, sollten Sie ihn finden, googeln Sie, warum Sie ihn gesucht haben.) Der Ausflug nach Spanien ruft beim Portugiesen Kopfschütteln und Aufshirngreifen hervor. Er hält seinen größeren Nachbarn für überheblich und unmöglich, sein kleines Portugal für viel schöner als Spanien. Ein Wesenszug, der uns Österreichern völlig fremd ist.

Die Rückfahrt führt uns durch herrliche Landschaften, mit Mandelbäumen, alten Dörfern mit Craft-Beer, Geiern etc. bis Barca d’Alva, einem sympathischen kleinen Ort am Ende Portugals (hier fährt nicht einmal mehr die Eisenbahn hin). Zurück aufs geliebte Sonnendeck.

Wenn mir die beim KURIER weiter auf die Nerven gehen, dann bleib ich dort, sitz am Fluss, und male Fliesen für den stillgelegten Bahnhof. Tu ich Zanderfischen, weißen Port trinken und erklär den Portugiesen die Farben.

Anreise Linienflüge Wien–Porto mit Zwischenstopp: Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings, Brussels, Iberia und TAP

Beste Reisezeit Von Juni bis September sind ideal, aber auch Frühjahr und Herbst haben ihren Reiz – milde Temperaturen  und weniger Touristen.

Angebot Klug Touristik bietet Flusskreuzfahrten am Rio Douro.
Für die Fahrt „Weltkulturerbe Rio Douro“, 8 Tage mit der MS Douro Spirit am Goldenen Fluss durch Portugal ab 1299 € /P. Abfahrten:  17. 9., 1. 10., 8. 10., 15. 10. und  5. 11. 2018
Wer für die Saison 2019 bucht,  bekommt bis 31. 10. 2018 einen Frühbucherbonus von 100 €.
Die Abfahrten sind wöchentlich ab 1. April 2019. Preis: ab 1499 €/P. Flüge sind nicht inkludiert.
Buchung: Klug Touristik, 1020 Wien, Praterstr. 38, Tel: 01 245 50,  www.regina-rivercruises.com

Auskunft  visitportugal.com/de