Reise
02.07.2017

Michael Pammesberger in Nordnorwegen

Beim Anflug eröffnet sich schon die ganze Pracht der nordnorwegischen Landschaft: schneebedeckte Berge, Inselwelt. Als wären die Alpen ins Meer gefallen. Die Frage "Fahrma ans Meer oder in die Berge?" wird mit "Beides!" beantwortet.

Bevor wir vom Bürgermeister die "Goldene Nadel für 40 Jahre Urlaub" im selben Ort bekommen, sollten wir einmal woanders hinfahren. Also auf nach Norwegen. Und zwar gleich nach Nordnorwegen.

Das Flugzeug hat den Polarkreis überflogen und wir landen spektakulär in Bodo. (Mit durchgestrichenem o hinten. Wenn er es durchstreicht, warum schreibt der Norweger dann das o überhaupt ?) Bodø (jetzt hab ich das ø gefunden!)

Auf Lofoten

Hunderte Inseln, das sind die Lofoten. Auf Norwegisch ist Lofoten trotzdem Einzahl. Du fährst auf Lofoten nicht auf die Lofoten. Luchs (Lo) Pfote (Foten). Weils wie eine Luchs-Pfote ins Meer tappt. Der Lofotinger ist Bauer und im Winter (da ist das Feld gefroren) Fischer. Und zwar bis heute: Der Fischfang ist nach wie vor ein ganz wichtiger Wirtschaftszweig und man riecht das. Es riecht nicht etwa nach Fisch, es riecht nach elendiglich verfaulendem Fisch. "Es riecht nach Geld!" verharmlost der Norweger den olfaktorischen Nuklearschlag. Der norwegische Maler Edvard Munch hat sein berühmtes Gemälde "Der Schrei" gemalt, als er das gerochen hat. Dorsch. Genauer: Skrei. (Ah, darum der Titel des Bildes: Der Skrei.)

Im Winter ziehen Unzählige aus der Barentssee die Küste entlang und in die Netze der Lofotinger. Dank des Klimas (Wind, Sonne, Kälte) trocknet der Fisch und wird nach Italien, Portugal und (die Fischköpfe) nach Nigeria verkauft. Nigerianische Nationalspeise ist eine Norwegischeskreikopfsuppe. Die Norweger essen lieber was anderes, verständlich.

Den Stockfisch kannst du – wir bleiben ab jetzt beim Du, Sie gibt’s nicht in Norwegen – im Gasthaus Gammelbua kosten. Lässt du dich nicht abschrecken vom Restaurantnamen und vom Alter der Fische: schmeckt ausgezeichnet! Vor dem allgegenwärtigen norwegischen "Käse" Gudbrandsdalen sei hier aber gewarnt: Wir haben ihn gekostet, ich sag nur Edvard Munch …

Der normannische Bauernfischer ist im Winter in ein Rorbu (Rudererhütte) gezogen. Zwei Rudermannschaften, zwölf Leute. Die halbe Hütte war Arbeitsraum. Der Rest war Wohnbereich. Der Wellnessbereich beschränkte sich auf einen Wasserkübel und ein Loch im Boden. Man stelle sich den Geruch von zwölf schlecht gewaschenen Männern, die monatelang den ganzen Tag fischen waren, Fische ausgenommen haben und Fische kochten, vor. Das Loch im Boden war das geringste Problem. E. Munch, der Maler, hat einmal eine solche Hütte besucht und dann den Eindruck in seinem Bild "Der Schrei" verarbeitet. Ein solches Rorbu kannst du besuchen in Å, nach dem Selfie bei der Ortstafel: Der Geruch hat sich schon verzogen.Den Hunger hebt man sich am besten für Anitas Sjømat auf. Unter unseren Mitreisenden war ein Veganer. Irrtümlich wurde ihm Salat mit Walfleisch gereicht, er hat aber die Gelegenheit ausgelassen, die Frage "Sie essen gar kein Fleisch?" zukünftig mit "Nur ab und zu etwas Wal." zu beantworten. Ewig schad! Wegen ein bissl Weltanschauung werden die besten Witze liegengelassen.

Anitas Spezialitäten-Kiosk ist norwegisch zwanglos, kein Restaurant. Du holst dir den Fischburger an der Budel und kannst dich draußen hinsetzen, auf den Fjord schauen und stundenlang über den Walfang streiten. Hat ja jeder seine Meinung.

Alle Rentiere sind Stiere!

Die Samen (früher hat man Lappen gesagt, auch nicht besser) sind Skandinaviens indigene Volksgruppe. Ich weiß das alles von Inga Sami Siida. Wir besuchen sie in ihrem Holzzelt, einem "Lavvu". Zwei Regeln: Frag nicht wie viele Rentiere sie besitzt (Geht nur das Finanzamt was an) und latsch nicht durch den Kochbereich (Macht die Bösen Geister grantig). Unsere Reisegruppe hat dann gefragt, wie viele Rentiere sie besitzt und ist durch den Kochbereich gelatscht. Die Rentierherden grasen in den Bergen, an den (3000 verschiedenen!) Ohrmarkierungen kannst du erkennen, wem sie gehören. Und interessant: Alle Rentiere kommen im Mai zur Welt, im Sternzeichen sind also alle Rentiere Stiere.
Was ich über den Norden weiß, weiß ich von Wickie, Zeit für das Wikingermuseum in Borg auf Vestvågøy. Das Langhaus wurde ausgegraben und daneben zur Anschauung aufgebaut. Es wird immer betont, wie friedlich die Wikinger waren. Meines Erachtens wird das ein bissl zu viel betont, du fragst dich, ob das meterlange Schwert im Museum nur zum Schmieren von veganen Dinkelbrötchen mit Tofu verwendet wurde und die (hörnerlosen) Helme nur Fahrradhelme waren. Ist aber vielleicht nur eine Saga.

Wal, da bläst er!

Gespannte Ruhe am Schiff, man hört nur ein rhythmisches Piepen. Das ist der Pottwal. Er jausnet gerade ein paar Hundert Meter unter uns: Kalmare und große Fische. Sein Quadratschädel ist ein hoch spezialisiertes Sonargerät. Bis zu 40 Minuten hat er Zeit, sich gemächlich den Bauch vollzuschlagen, dann muss er wieder nach oben. Er hört dann auf, sein Radargerät einzusetzen. Wenn es also ruhig wird am Schiff – dann wird es spannend! Dann kommt er! Das Piepsen hört auf. Handys, Fotoapparate, Ferngläser sind in alle Richtungen gerichtet. Stille. Das Boot hat den Motor fast aus, wir schaukeln entsprechend. Plötzlich schreit einer "Hier! Da ist er! und wachelt hysterisch (Ich war das)! Der Maler E. Munch hat den Moment in seinem berühmten Bild "Der Schrei" festgehalten. Die Auslöser prasseln. Der Wal tut nix, er schnauft ein paar Mal durch. Der Höhepunkt ist erst, wenn er tief einatmet und sich wieder runterlässt: Dann hebt sich die Schwanzflosse elegant aus dem Meer, stellt sich senkrecht – Auslösergeprassel – und … taucht ab.

Das Schauspiel wiederholt sich drei Mal. Beim dritten Mal gelingt sogar mir ein brauchbares Foto. Für manche ist das dritte Mal, drei Mal zu viel. Sie haben die Gesichtsfarbe eines Kalmars, der seit drei Tagen im Pottwalbauch liegt (Munch hat diese Farben in seinem "Schrei" festgehalten). Das trübt den Natureindruck natürlich. Naturschauspiel: sekundär. Mein Tipp gegen Seekrankheit: Schau’ an Bord nicht so viel in dein Handy.

Die Walsafari geht von Andenes aus, es gibt sogar eine Walgarantie: Wenn einmal kein Wal auftaucht, wegen schlechter Kuverts oder so, kann der Walgang angefochten werden und am nächsten Tag gibt’s Walwiederholung.

Wenn du jetzt glaubst, du kannst da im Norden nicht viel mehr tun, als dem Fisch beim Stinken zuschauen, hast du dich getäuscht: Du kannst in der Mitternachtssonne den Strand entlangreiten. Ein Erlebnis nicht nur für Leute wie mich, die noch nie auf einem Pferd gesessen sind! Gleich daneben kannst du auch Golf spielen. Du kannst dich bei Ole Kristian am Strand in einen Neoprenanzug reinquälen und Kajak fahren. Der Hauptspaß ist, dann ins Meer zu hüpfen und den nördlichsten Schwumm zu machen, den du je gemacht hast! Du kannst dir das Nordlicht-Spektakel anschauen, wenn Saison ist. Du kannst wandern, radeln, fischen, oder einfach Nordic herumwalken. Und noch viel mehr, ich kann hier nicht alles aufschreiben und aufzeichnen, musst du schon selber hinfahren!

Anreise Ab Wien Montag, Mittwoch und Freitag direkt mit Norwegian nach Oslo. Oslo Bodø. Tromsø Oslo www.norwegian.no

Währung 1 € = ca. 9,57 Norwegische Kronen (NOK)

Essen und Trinken Hundholmen in Bodø hundholmenbrygghus.no

Restaurant Gammelbua in Moskenes– Anitas Sjømat auf Sakrisøy www.sakrisoy.no/sjomat.htm

– Posthuset Expedition Lodge, Skaland basecampsenja.no

Sightseeing Norwegian Aviation Museum in Bodø luftfartsmuseum.no

– Bootsfahrt und kleine Wanderung zum Bunesstrand reineadventure.com

– Lofotr Wikingermuseum in Borg www.lofotr.no

– Reittour im Glanz der Mitternachtssonne auf dem Hov Hestegård, ca. 100 € für 2 Std. www.hovhestegard.no

– Besuch der Sami-Familie Inga Sami Siida www.inga-sami-siida.no

– Walsafari Andenes: Sommersafari Erw. ca. 100 €, Kinder ca. 73 €

– Kajak-Trip auf dem Meer bei Ole Kristian Larsen am Haukland Strand

Übernachten Reine Rorbuer in Moskenes ab 160 €/Nacht

– Link Lodges auf den Lofoten: Zimmer einer Lodge mit eigenem Bad, gemeinsamen Wohnzimmer und Küche ca. 100 €/ Nacht. lofotenlinks.no

– Andrikken Hotel ca. 143,40 €/DZ

– Sommarøy Standard DZ ab 137,50 €

Auskunft Visit Norway in Hamburg ☎ +49 40 22 94 15 0, germany@innovationnorway.no www.visitnorway.com

– Visit Northern Norway northernnorway.com