Wie aus dem Märchen: Schloss Bojnice

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Reise
02/26/2019

So nah und doch so unbekannt: Kennen Sie eigentlich Trenčín?

Burgen, Schlösser und Legenden in der Slowakei: Faszinierende Geschichten von der "Blutgräfin" bis zum Brunnen der Liebe.

von Herbert Gartner

Horror oder Romanze? Die Region Trenčín in der Westslowakei bietet für Liebhaber beider Genres etwas. Denn die zahlreichen Burgen, Schlösser und Städte pflegen neben ihrer langen und oft recht wechselhaften Geschichte auch ihre Legenden. Und dies nicht nur den Touristen zu Liebe.

Beginnen wir also mit der harten Kost. Mit der Legende von der Burgherrin von Čachtice. Einer heute weitgehend verfallenen Ruine, die über dem gleichnamigen Dorf thront. Sie war die Lieblingsburg der Gräfin Elisabeth Báthory, einer, nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1604, überaus reichen und mächtigen Frau.

Von ihr erzählt nun die Legende, dass sie ihre Dienerinnen grausam gefoltert und ermordet habe, um im Blut der Mädchen zu baden. Aus kosmetischen Gründen, um jung zu bleiben. Hunderte (die Zahlen schwanken zwischen 600 und 800) junge Frauen soll die „Blutgräfin“ umgebracht haben, ehe der König einschritt.

Unumstrittenen ist: Die Gräfin wurde niemals vor Gericht gestellt, bekam aber bis zu ihrem Tode „Burgarrest“ auf Čachtice. Einige ihrer angeblichen Gehilfen und Gehilfinnen wurden aber gefoltert und hingerichtet.

Ungeklärt bleibt, ob die Báthory tatsächlich eine sadistische Serienmörderin war, oder ob es sich um eine Verschwörung gegen eine all zu mächtige Frau handelte. Verfilmt wurde die Story von der Blutgräfin ebenfalls. Sogar mehrfach.

Vom Blut zur Romanze. Denn Schloss Bojnice wirkt schon von außen wie aus einem Märchenbuch entnommen. Das Gebäude ist zwar an sich alt (erste Erwähnung 1113), in die heutige Form brachte es aber Johann Pálffy (1829–1908) nach dem Vorbild der Loire-Schlösser.

Und weil auch Bojnice eine Legende braucht, gibt es auch hier eine und die lautet: Pálffy habe die ganze Umbauerei nur für eine angebetete Adelige im fernen Frankreich veranstaltet.

Der Schnellste dürfte der noble Bauherr und Sammler exquisiter Kunstgegenstände aber nicht gewesen sein. Als er das Schloss fertiggestellt hatte, war die potenzielle Ehefrau vergeben.

Ob die Geschichte stimmt, will die Führerin nicht verraten. Fest steht: Pechvogel Pálffy hat nie geheiratet. Das Schloss selbst ist sehenswert, beherbergt es doch auch einen Teil des slowakischen Nationalmuseums.

Wesentlich Romantischeres erzählt man auf Burg Trenčín, Wahrzeichen der gleichnamigen Stadt an der Waag: Die Geschichte von Omar und Fatima. Letztere wurde auf der Burg gefangen gehalten. Fatimas Verlobter Omar wollte sie frei kaufen, doch alle seine finanziellen Angebote stießen auf taube Ohren. Erst als er sich bereit erklärte einen Brunnen für die Burg zu graben (Wasser war Mangelware) kam der Deal zustande. Nach dreijährigen Grabungsarbeiten stieß Omar auf eine Quelle und konnte Fatima nach Hause bringen.

Fakt ist: Der „Brunnen der Liebe“ wurde zwar etwa 80 Meter tief in den Felsen geschlagen, eine Wasserquelle fand man aber bis heute nicht.

Hammam in Teplice

Wer nach dem Besuch der vielen legendären Sehenswürdigkeiten etwas für seinen Bewegungsapparat tun will, ist in der Region ebenfalls gut aufgehoben. Denn Trenčianske Teplice ist das bekannteste Kurbad der Slowakei. Spezialisiert hat man sich auf die Behandlung und Vorbeugung von Muskel-Skelett-Erkrankungen und chronischen rheumatische Leiden.

Augenfälligstes Bauwerk ist ein heute noch benutzter maurischer Hammam (Bad) im Zentrum. Erbauen ließ es Iphigenie de Castries d´Harcourt im Jahr 1888. Der Grund: Die adelige Dame hatte einen Hammam auf der Weltausstellung in Paris gesehen und der Gedanke ein derartiges Badehaus in Teplice zu errichten, ließ sie nicht mehr los. Kurzerhand reiste sie nach Ägypten und bat Vizekönig Ismail um Genehmigung, einen Hammam in Teplice bauen zu dürfen. Ismail stimmte zu und schickte seinen Hofarchitekten.

Eine Geschichte, die einen unschlagbaren Vorteil hat: Sie ist keine Legende, sondern historisch belegbar.

 

Info

Anreise Mit dem Auto sind es von Wien  etwa 200 km (2,5 Stunden) bis Trencin, Flixbus (flixbus.at) braucht etwa 3 Std. (ab 8,50 €), mit dem Zug geht es von Wien via Bratislava in drei Stunden nach Trencin (ab  14 €).

Unterkunft 4*-Hotel Elizabeth in Trenčín. Komfortable Zimmer, kleine, aber feine Wellness-Oase. Zentral gelegen am Fuß des Burgfelsens.   hotelelizabeth.sk/en/
– 4*-Hotel Panorama in Trenc. Teplice. Liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt. hoteltrenciansketeplice.sk/de/

Essen & Trinken Bierhaus Lanius am Hauptplatz von Trenčín. Rustikales Lokal mit zahlreichen im Haus gebrauten Bierspezialitäten nach belgischen Rezepten. Bier-Degustation möglich.
 lanius.sk


 – Restaurant im Hotel Pod Zamkom im Ort Bojnice. Gute Küche und ansprechendes Ambiente.
 hotelpodzamkom.sk/sk,
 – Restaurant im Thermalbad Zelená Žaba (Grüner Frosch) in Trenčianske
 Teplice. Architektonisch interessante Anlage.

Attraktionen Bauernhof in Tura Luka, hier erfahren Sie Interessantes über die bäuerlichen Traditionen im Lauf der Jahrzehnte in der Slowakei. trencinregion.sk/de/38661/urlaub-
auf-dem-bauernhof-in-tura-wiese


–  Ein 30 Meter hoher Aussichtsturm mitten im Wald bei Bojnice bietet einen herrlichen Ausblick ins Land. Abenteuerlustige können von der Turmspitze  in einer Röhre nach unten rutschen.

 Auskunft trencinregion.sk/de, slovakia.travel/de