Mit dem Rad unterwegs in einer Region, die vom Wein lebt.

© /R. MANDL, Sandra Lumetsberger(2)

Tour de KURIER
08/07/2016

Spritztour zum Grünen Veltliner

Zwischen Laa und Poysdorf beeindruckt die stille Landschaft. Und der Bauer mit Hipsterrad!

von Sandra Lumetsberger

Der Vorteil von einer Gegend, die die meisten schon verlassen haben: Sie ist leer. Das nördliche Weinviertel ist eine gutes Beispiel dafür. Kaum ein Dorf ohne stillgelegtes Gasthaus oder Lebensmittelgeschäft. Bahntrassen, die von Gras überwuchert werden, zeugen vom einst dichten Eisenbahnnetz. Das mag für manche traurig klingen, gleichzeitig macht es eine Gegend reizvoll, zumindest für Radtouristen, die Erholung suchen. Von Falkenstein, einer Gemeinde mit 450 Einwohnern und großer Burgruine, steige ich in den Veltlinerradweg ein – und nach einem halben Tag wieder aus. Er ist einer von 13 Themenradwegen im Weinviertel, alle nach Rebsorten benannt. Nicht für alles ist der Wein das Ziel. Sondern die Eindrücke einer Gegend, deren Wege wenigen bekannt sind. Den Tag, um sie zu erkunden, habe ich schlecht gewählt: Es ist heiß, die Luft feucht – beste Bedingungen für ein Gewitter.

Ahoj im Weinviertel

Dennoch bin ich auf dem Radweg nicht allein. Kurz vor Wildendürnbach kommen mir die ersten Radler entgegen. „Ahoj!“ Dass es Nachbarn aus Tschechien sind, verwundert nicht. Die Grenze ist nur einen Katzensprung entfernt, und der Schlossturm von Mikulov/Nikolsburg nicht zu übersehen. Für einen Ausflug ins Nachbarland bleibt heute keine Zeit. Wer zumindest einen schönen Ausblick nach Tschechien ergattern möchte, ist ein Abstecher auf den Kreuzberg bei Kleinschweinbarth in jedem Fall eine Option. Der Veltlinerradweg ist mit 75 Kilometer als Tagestour etwas für ambitionierte Radfahrer. Für alle anderen empfiehlt es sich, die Tour an zwei Tagen oder nur die Hälfte der Strecke zu fahren. Immer wieder führt der Weg an Raps- und Sonnenblumenfeldern vorbei, und durch kleine Ortschaften. Wo die Alten wie im Süden vor der Tür sitzen,still die Vorbeikommenden beobachten oder mit den Nachbarn in ein Gespräch vertieft sind.

In der Ferne taucht dann der Galgenberg auf. Weniger Berg, mehr Hügerl, mit 184 Keller- und Presshäuser. Sie ziehen sich ringförmig auf drei Ebenen um die Erhebung. 1828 stand dort oben tatsächlich ein Galgen – zur Abschreckung. Hinrichtungen wurden angeblich keine vollzogen. Ein Gottesdienst irgendwann einmal schon. Bis in die 1970er-Jahre stand auf dem Galgenberg eine baufällige Kirche. Als sie abgerissen wurde, ließ man die Kirchturmspitze übrig, stellte sie wieder auf. Noch beeindruckender ist der Ausblick auf die schier endlose Laaer Ebene. Noch bekannter sind die Weinkeller. 2013 wurde die Kellergasse vom Galgenberg zur schönsten in Niederösterreich gekürt.

Kracherl und Spritzer

Die Bewohner der nahen Gemeinde Wildendürnbach bewirten hier oben die Besucher in wechselnder Reihenfolge. Heute ist der Sportverein an der Reihe: Männer in Fußballtrikot und Schürze nehmen Bestellungen auf, servieren Kracherl, Spritzer, Sportlerweckerl und hausgemachten Kuchen. Die Sonne knallt runter. Auf der Heurigenbank im Freien mit Blick auf Weinreben pausiert es sich schöner als im Partyzelt daneben. Gestärkt geht es weiter: Einmal rund um den Galgenberg und flott durch das Ortszentrum von Wildendürnbach. Auf den endlos langen Feldwegen zeigen sich weder Autos noch Menschen. Auf dem Weg nach Neudorf bei Staatz habe ich das Zirpen von Grillen im Ohr und das Geräusch von Gummireifen, die sich in den Kiesel arbeiten. Das Brummen eines Traktors lässt aber erahnen, dass man nicht alleine ist. Kurz vor Neudorf ziehen sich die Wolken zusammen, der Geruch von Regen liegt in der Luft. Schneller in die Pedale treten, immer schneller. Am Ende werde ich sogar noch von einem Rad fahrenden Menschen überholt. Von einem, der dem Veltliner nicht hinterher strampelt, sondern ihn produziert. Der Bauer im Blaumann begreift sein uraltes Puch-Rennrad auch nicht als stylishes Hipsterteil, sondern als das, was es ist: als das beste Verkehrsmittel vom Weingarten heim auf seinen Hof.

Essen & Trinken, Übernachten, Sehenswürdigkeiten

Einkehrmöglichkeiten

Siebenschläfer in Falkenstein: bekannt für seine Bierauswahl; Kellergasse 8, 02554/88 086; www.7schlaefer.at

Gmoakeller – Heuriger in Falkenstein: Kellergasse 3, 02554/67 92; www.falkenstein.gv.at

Gasthaus Martin Weiler in Laa an der Thaya: Staatsbahnstraße 60, 02522/2379; www.weilerlaa.at

Übernachtungsmöglichkeiten

Weinhof Luckner in Falkenstein: Herrengasse 80, 0 2554/ 85 539; www.weinhof-luckner.at

Hotel & Spa Therme in Laa an der Thaya: Thermenplatz 3, 02522/84 700 733; www.therme-laa.at

Sehenswürdigkeiten

Burgruine in Falkenstein: Führungen April bis Oktober; Sa, So, feiertags; 02554 / 85 340; www.falkenstein.gv.at

Nonseum in Herrnbaumgarten: einzigartiges Museum mit kuriosen Exponaten und Erfindungen, die eigentlich keiner braucht, etwa den halbautomatischen Nasenbohrer; 02555/ 2737; www.nonseum.at

LITERATURTIPP

Radatlas Weinviertel: Zwischen dem Manhartsberg und den Marchauen, Verlag Esterbauer, 12,90 €.

Die zwölf Etappen der Tour de KURIER

01. ETAPPE / 17. JULI 2016
Prolog: Race Across Steiermark.

02. ETAPPE / 20. JULI 2016
Mit Kindern auf dem Steyrtalradweg.

03. ETAPPE / 24. JULI 2016
Auf dem Schrammelradweg im Waldviertel.

04. ETAPPE / 27. JULI 2016
Rad, Boot, Bahn: Die Wolfgangsee-Trilogie.

05. ETAPPE/31. JULI 2016
Opa, Papa, Sohn: Rund um den Bodensee.

06. ETAPPE/ 03. AUGUST 2016
Transalp-Tour: Von Krimml nach Bruneck.

07. ETAPPE/ 07. AUGUST 2016
Dem Veltliner auf der Spur im Weinviertel.

08. ETAPPE / 10. AUGUST 2016
Um den Wörther See radeln – und chillen.

09. ETAPPE / 14. AUGUST 2016
Adrenalin! Im Ötztal Radmarathon fahren.

10. ETAPPE / 17. AUGUST 2016
Nach Süden! Entlang von Mürz und Mur.

11. ETAPPE / 21. AUGUST 2016
Gott! Radpilgern von Wien nach Mariazell.

12. ETAPPE / 24. AUGUST 2016
Die Hohen Tauern zum Auspowern.

Was Radler in ihre Taschen packen

In all den Jahren auf dem Rennrad konnte der inzwischen 34-jährige Radprofessional Christoph Strasser viel Erfahrung sammeln. Auch in punkto leichtes Reisegepäck und Wegzehrung. Hier eine Auflistung jener nützlichen Dinge, die Strasser on tour immer dabei hat:

Zwei große gefüllte Trinkflaschen und Elektrolytgetränkepulver (eine Flasche pro gefahrene Stunde gilt als Faustregel), eine Banane, eine Packung Flüssignahrung, Reserveschlauch, Luftpatrone, Werkzeug für unterwegs, 5 Euro, Bankomatkarte, E-Card, Mobiltelefon, Rad-Navi am Lenker. Für den Fall, dass es unterwegs dunkel wird, hat er am Rad auch ein fixes Rücklicht montiert.

Im Laufe der Jahre und unzähliger Radtouren hat auch der erfahrene Radmechaniker Andreas Röderer viel Erfahrung gesammelt. Hier eine Auflistung jener Dinge, die er immer in seine Packtaschen stopft:

Für das Rad: Ersatzschlauch, Luftpumpe und Werkzeug.

Für den Körper: Sonnenschutz, Creme für die Weichteile, Zahnbürste, Waschzeug, Waschlappen, mittelgroßes Handtuch und Helm (dient nebenbei auch als Sonnen- bzw. Regenschutz).

Zum Anziehen: Knickerbocker, kurze Sporthose, dünne lange Hose, Trikot aus Merinowolle (atmungsaktiv), helles, knitterfreies Hemd, leichter Fleece-Pulli mit Zipp, leichte atmungsaktive Regenjacke, Unterhosen, Badehose sowie Radhandschuhe.

Schuhwerk: Radschuhe für SPD-Pedale, leichte Flipflops oder Espadrillos sowie dünne kurze Baumwollsocken.
Packtaschen: Zwei wasserdichte Taschen (40 Liter), Lenkertasche für Handy, Fotoapparat, Geldbörse, Dokumente und Radkarte.

470 Tourenkarten vom Bauernhof

Rodingersdorf im Waldviertel. Dort, in einem alten Bauernhof, ist der Salzburger Roland Esterbauer heute zu Hause. Und auch sein Verlag. Den kleinen Ort in der Nähe von Sigmundsherberg muss man auf der Karte suchen. Ein Glück, dass Esterbauer ebensolche produziert. Der Verlag Esterbauer ist eine österreichische Erfolgsgeschichte – und ein Exportschlager, speziell in Deutschland. Vor allem jene erste große Karte des Verlags, die gute Orientierung auf dem Donauradweg bietet, wurde zum absoluten Klassiker für deutschen Radtouristen. Deshalb arbeiten neben den 16 Mitarbeitern in Rodingersdorf weitere sieben in einem Stadtbüro in Berlin.

Eigentlich wollte Roland Esterbauer mit dem Erstellen einer Niederösterreich-Radkarte sein Studium an der Technischen Universität in Wien finanzieren. Aus dem Ferialjob wurde seine Berufung. Das war Mitte der 1980er-Jahre. In den vergangenen dreißig Jahren haben seine Leute 470 Titel erarbeitet, neben Radtourenbücher und -karten auch Mountainbike- und Wanderführer. „In der Zwischenzeit haben wir Material zu den interessantesten Rad- und Wanderregionen Europas“, erzählt Esterbauer stolz. Die Schwerpunkte hat er in Deutschland und in Österreich gesetzt.

Die Vermessung der Welt bzw. von Radwegen ist heute ein aufwendiges Unterfangen: Redakteure des Verlags fahren jede Tour vorab mit dem Rad und dem Auto ab. Ihre Erfahrungen und GPS-Daten werden in die Karten (auch online) eingetragen. Von ihrem Know-how profitiert in den nächsten Tagen auch der KURIER. Drei der zwölf Touren werden von Esterbauers Leuten vorgestellt.

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