Erste Etappe: Ausnahmeathlet Christoph Strasser auf seinem Heimweg

© Manuel Hausdorfer/limeART

Tour de KURIER
07/17/2016

Start der neuen KURIER-Rad-Serie

Prolog zur Tour de KURIER: Los geht's mit Christoph Strasser, dem dreifachen Sieger des Race Across America

von Uwe Mauch, Christa Breineder, Andrea Gludovatz

Der Ausnahme-Athlet sagt von sich: "Ich bin kein Frühaufsteher." Doch da muss er heute durch. Weil er zum Mittagessen bei seinen Eltern sein will, stellt er seine filigrane Rennmaschine um 8 Uhr auf die Straße. Und wer ihm auf seiner Lieblingsroute folgen (und frühestens zur Jause) ankommen möchte, ist wirklich gut beraten, nicht viel später zu starten.

Der KURIER führt Sie in diesem Sommer auf zwölf ausgewählt schönen Radrouten durch Österreich. Acht radaffine Redakteure der Tageszeitung, drei Redakteure des Radkarten-Verlags Esterbauer sowie der Mister Race Across America geleiten durchs Land der Berge, durch Täler und Tiefebenen, rund um Seen, entlang von Flüssen, zu Sehenswürdigkeiten und Naturschauplätzen.

Ein erster Anstieg

Die erste Etappe bestreitet Christoph Strasser, der dreifache Sieger des härtesten Radrennens der Welt. Schon drei Mal war er der Schnellste beim Durchqueren der USA. Nicht einmal acht Tage benötigte er zuletzt für die 4800 km von der West- zur Ostküste. Heute geht er es vergleichsweise gemütlich an: von seinem Wohnort Graz zu den Eltern im obersteirischen Kraubath sind es "nur"117 km.

Start ist vor dem Hauptbahnhof in Graz. Von dort ist einer wie Christoph Strasser in wenigen Minuten im Grünen, genauer gesagt in Gösting, dem nordwestlichen Ende der steirischen Landeshauptstadt. Hinter dem Plabutsch-Tunnel biegt er vom Mur-Radweg links ab, in Richtung Thaler See.

In Thal, dem Heimatort von Arnold Schwarzenegger, verneigt er sich en passant vor seinem berühmten steirischen Landsmann, der ebenfalls drüben in Amerika seine größten Erfolge erzielt und gefeiert hat.

Dann der erste Anstieg. 150 Höhenmeter bergauf, auf den Steinberg. "Eine Kleinigkeit, zum Aufwärmen", lächelt Strasser, ohne dabei schneller zu atmen. Und wir dürfen hinzufügen: Keine Angst, man kann auch diese Tour gemütlich fahren. Und vor allem: Es kommen in den nächsten Tagen und Wochen noch eine ganze Reihe von Ausfahrten, die ohne große Anstrengung zu bewältigen sind. Auf der wenig befahrenen Bundesstraße geht es weiter leicht bergauf nach Rohrbach und St. Pankrazen. Hier empfiehlt der Local Hero, den Panoramablick zu genießen. An schönen Tagen sieht man im Süden bis nach Slowenien und im Norden die Berge der Obersteiermark.

"Zu meinen Eltern", verrät Strasser, "fahre ich im Schnitt ein Mal pro Monat". Auf seinem Heimweg hat er schon unzählige Varianten ausprobiert. Zwischen Geihsthal und Gallmannsegg gerät er kurz ins Schwärmen: "Die heutige ist die schönste."

Die Affen am Gaberl

Die Stadt Köflach lässt er links liegen, um sich langsam dem Gaberl zu nähern. Strasser lächelt. "Wo san denn die Aff’n? Kruzifix no amoi!" Auch ihm sind diese Worte, Ausdruck ehrlicher Verzweiflung, im Ohr. Sie stammen von seinem obersteirischen Radlerkollegen Rudolf Mitteregger.

Am 9. Juni 1974 wurde Mitteregger auf dieser Passstraße zum tragischen Helden der Österreich-Rundfahrt. Nach einem Raddefekt ließen seine Service-Leute zu lange auf sich warten. Der im Stich Gelassene büßte seine Führung ein. Besonders bitter für den Lokalmatador aus Knittelfeld, weiß auch Strasser: "Das Gaberl war seine Hausstrecke."

Diese Tour als GPS-Track zum Download

Der mehr als einstündige Anstieg von der Südseite hat es jedenfalls in sich. Anfangs sind die Serpentinen noch erträglich, doch spätestens hinter dem Ort Salla zeigt sich, wer vor unserem Tour-Start seine Hausaufgaben auf dem Radl gemacht hat. Kleine Brunnen entlang der Straße spenden Trost. Und Trinkwasser.

Hopp auf, nur noch wenige Meter! Oben werden die Radler erneut mit einer herrlichen Aussicht belohnt: in Fahrtrichtung sehen sie die Seckauer Alpen, während sie Graz weiterhin im Rücken wissen. Beruhigend ist hier oben auch, dass die Gemeinheiten der ersten Etappe nun hinter uns liegen. Von nun an geht es bergab. Mit einer temporeichen Abfahrt hinunter nach Klein-Lobming, von dort entlang der Mur bis Knittelfeld und weiter zum Badesee nach Kraubath, wo eine verdiente Abkühlung und Stärkung auf alle wartet.

Mehr Sommerfrische

Wer noch die Energie und die Lust hat, kann über den Murradweg weiter nach Leoben oder Bruck an der Mur radeln. Christoph Strasser hat am Nachmittag noch eine kleine Verdauungsfahrt vor sich. Am Abend will er zurück in Graz sein. Nach seinem schweren Unfall im vergangenen September, als ihn ein Autofahrer übersehen und niedergefahren hat, kommt er jetzt wieder auf Touren.

Schon in wenigen Tagen, am 9. August, startet der Extremradrennfahrer zum Race Around Austria, einem der härtesten Radrennen Europas. Wir gehen es – siehe Tourplan unten– deutlich gemütlicher an.

Essen & Trinken, Übernachten, Sehenswürdigkeiten

Einkehrmöglichkeiten:

Buschenschank Dorner in St. Bartholomä (nahe St. Pankraz): Tel. 03123 / 2288 – 22; www.dornerwein.at

Alpengasthof Plankogel in Salla am Gaberl mit Panoramablick: Tel. 03147 / 235; www.plankogel.at

Restaurant und Café am Badesee in Kraubath: Tel. 0650 / 270 52 29.

Übernachtungsmöglichkeiten:

Sportgasthof Lipp in Salla am Gaberl: Tel. 03147 / 243; www.gaberl.at

Hotel Kindler in Leoben: Tel. 03842 / 43202 – 0; www.kindler.at

„Bett+bike“ Sandhof in Knittelfeld: Tel. 0664 / 55 58 119; www.pension-sandhof.at

Sehenswürdigkeiten:

Arnold-Schwarzenegger- Museum in Thal: 8051 Thal, Linakstraße 9; Tel. 0316 / 571947; www.arnieslife.com

Lipizzaner-Gestüt in Köflach: 8572 Köflach, Piber 1; Tel. 03144 / 33 23; www.srs.at/start-piber

Eisenbahnmuseum in Knittelfeld: Tel. 0676 / 544 07 95; www.eisenbahnmuseum.bplaced.net

Wipfelwanderweg Rachau: www.wipfelwanderweg.at

Die zwölf Etappen der Tour de KURIER

01. ETAPPE / 17. JULI 2016
Prolog: Race Across Steiermark.

02. ETAPPE / 20. JULI 2016
Mit Kindern auf dem Steyrtalradweg.

03. ETAPPE / 24. JULI 2016
Auf dem Schrammelradweg im Waldviertel.

04. ETAPPE / 27. JULI 2016
Rad, Boot, Bahn: Die Wolfgangsee-Trilogie.

05. ETAPPE/31. JULI 2016
Opa, Papa, Sohn: Rund um den Bodensee.

06. ETAPPE/ 03. AUGUST 2016
Transalp-Tour: Von Krimml nach Bruneck.

07. ETAPPE/ 07. AUGUST 2016
Dem Veltliner auf der Spur im Weinviertel.

08. ETAPPE / 10. AUGUST 2016
Um den Wörther See radeln – und chillen.

09. ETAPPE / 14. AUGUST 2016
Adrenalin! Im Ötztal Radmarathon fahren.

10. ETAPPE / 17. AUGUST 2016
Nach Süden! Entlang von Mürz und Mur.

11. ETAPPE / 21. AUGUST 2016
Gott! Radpilgern von Wien nach Mariazell.

12. ETAPPE / 24. AUGUST 2016
Die Hohen Tauern zum Auspowern.

Was Radler in ihre Taschen packen

In all den Jahren auf dem Rennrad konnte der inzwischen 34-jährige Radprofessional Christoph Strasser viel Erfahrung sammeln. Auch in punkto leichtes Reisegepäck und Wegzehrung. Hier eine Auflistung jener nützlichen Dinge, die Strasser on tour immer dabei hat:

Zwei große gefüllte Trinkflaschen und Elektrolytgetränkepulver (eine Flasche pro gefahrene Stunde gilt als Faustregel), eine Banane, eine Packung Flüssignahrung, Reserveschlauch, Luftpatrone, Werkzeug für unterwegs, 5 Euro, Bankomatkarte, E-Card, Mobiltelefon, Rad-Navi am Lenker. Für den Fall, dass es unterwegs dunkel wird, hat er am Rad auch ein fixes Rücklicht montiert.

Im Laufe der Jahre und unzähliger Radtouren hat auch der erfahrene Radmechaniker Andreas Röderer viel Erfahrung gesammelt. Hier eine Auflistung jener Dinge, die er immer in seine Packtaschen stopft:

Für das Rad: Ersatzschlauch, Luftpumpe und Werkzeug.

Für den Körper: Sonnenschutz, Creme für die Weichteile, Zahnbürste, Waschzeug, Waschlappen, mittelgroßes Handtuch und Helm (dient nebenbei auch als Sonnen- bzw. Regenschutz).

Zum Anziehen: Knickerbocker, kurze Sporthose, dünne lange Hose, Trikot aus Merinowolle (atmungsaktiv), helles, knitterfreies Hemd, leichter Fleece-Pulli mit Zipp, leichte atmungsaktive Regenjacke, Unterhosen, Badehose sowie Radhandschuhe.

Schuhwerk: Radschuhe für SPD-Pedale, leichte Flipflops oder Espadrillos sowie dünne kurze Baumwollsocken.
Packtaschen: Zwei wasserdichte Taschen (40 Liter), Lenkertasche für Handy, Fotoapparat, Geldbörse, Dokumente und Radkarte.

470 Tourenkarten vom Bauernhof

Rodingersdorf im Waldviertel. Dort, in einem alten Bauernhof, ist der Salzburger Roland Esterbauer heute zu Hause. Und auch sein Verlag. Den kleinen Ort in der Nähe von Sigmundsherberg muss man auf der Karte suchen. Ein Glück, dass Esterbauer ebensolche produziert. Der Verlag Esterbauer ist eine österreichische Erfolgsgeschichte – und ein Exportschlager, speziell in Deutschland. Vor allem jene erste große Karte des Verlags, die gute Orientierung auf dem Donauradweg bietet, wurde zum absoluten Klassiker für deutschen Radtouristen. Deshalb arbeiten neben den 16 Mitarbeitern in Rodingersdorf weitere sieben in einem Stadtbüro in Berlin.

Eigentlich wollte Roland Esterbauer mit dem Erstellen einer Niederösterreich-Radkarte sein Studium an der Technischen Universität in Wien finanzieren. Aus dem Ferialjob wurde seine Berufung. Das war Mitte der 1980er-Jahre. In den vergangenen dreißig Jahren haben seine Leute 470 Titel erarbeitet, neben Radtourenbücher und -karten auch Mountainbike- und Wanderführer. „In der Zwischenzeit haben wir Material zu den interessantesten Rad- und Wanderregionen Europas“, erzählt Esterbauer stolz. Die Schwerpunkte hat er in Deutschland und in Österreich gesetzt.

Die Vermessung der Welt bzw. von Radwegen ist heute ein aufwendiges Unterfangen: Redakteure des Verlags fahren jede Tour vorab mit dem Rad und dem Auto ab. Ihre Erfahrungen und GPS-Daten werden in die Karten (auch online) eingetragen. Von ihrem Know-how profitiert in den nächsten Tagen auch der KURIER. Drei der zwölf Touren werden von Esterbauers Leuten vorgestellt.

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