Überquerung des Alpenhauptkamms bei Nebel und Schnee

© Stefan Hofer

Tour de KURIER
08/03/2016

Transalp: Mit dem Bike zum Gardasee

Von Krimml nach Bruneck – wer die Alpen überquert, hat viel zu erzählen.

von Stefan Hofer

Es regnet. Vier Grad Celsius. Eine Nebelwand verbirgt den Krimmler Tauern. In Summe keine guten Bedingungen, um das vor uns aufragende 2634 Meter hohe Gebirgsmassiv zu überqueren. Ich begleite eine Woche lang sechs leidenschaftliche Mountainbiker, die sich jeden Sommer aufmachen, um mit dem Fahrrad den Alpenhauptkamm zu überqueren. Transalp: Start dieser Radtouren ist oft Oberbayern oder Tirol, ein beliebtes Ziel ist der oberitalienische Gardasee. So auch für uns.

Ein Rucksack Vorfreude

Alles ist vorbereitet: An der Kondition wurde gefeilt, das Mountainbike gewartet, alle Quartiere gebucht und die Route per GPS Tag für Tag geplant und im Navigationsgerät gespeichert. Die Ausrüstung – dazu gehören etwa Werkzeug, Ersatzteile, Erste-Hilfe-Set, Wanderkarten, Sonnencreme und Haube – auf unsere Rucksäcke verteilt. „Mehr als sechs Kilo sollte ein Rucksack nicht wiegen“, erklärt Freund Alex aus Erfahrung.

Am Vorabend radeln wir die Forststraße, rechter Hand stets die rauschende Krimmler Ache im Blick, hinauf zum Krimmler Tauernhaus, die Mountainbikes stellen wir in der Hütte neben dem Schweinestall unter. Die gefleckten Pietrain-Schweine dienen der Wirtsfamilie zur Selbstversorgung – und den Gästen.
Nach dem Frühstück sind um 8 Uhr alle startbereit. Nur das Wetter spielt nicht mit. Zu stark ist der Regen, zu gefährlich wäre es, ins Gebirge zu gehen. Zaudern: Können wir die Krimmler Tauern umfahren? Teamwork ist gefragt. Wir warten. Und spielen Karten.

Um halb 11 Uhr reißt der Himmel auf – der Regen pausiert. Aufbruch zur Transalp!

Ein Saumpfad schlängelt sich hinauf und über den Gebirgspass, der den nördlichsten Grenzübergang zwischen Österreich und Italien bildet – und historisch relevant ist: Die mittelalterliche Transitstrecke verband schon früh Salzburg im Norden mit Venedig im Süden. Wanderer sind an diesem nass-kalten Tag nicht zu sehen. Nur Tiroler Grauvieh auf den Hochweiden schenkt uns müde Blicke. Holprig geht’s dahin, die Felsformationen wirken im fadigen Dunst bizarr.

Durch den Schnee

Schon einige hundert Höhenmeter vor dem Gipfel kann ich das Mountainbike meist nur mehr schieben oder tragen, zu felsig ist das Terrain, zu rutschig ob der Rinnsale, die sich mit dem erneut einsetzenden Regen bilden. Auf über 2000 Meter Seehöhe geht dieser in Schnee über. Jeder in der Truppe zieht sich all seine verfügbare Winterbekleidung an: Haube, Regenjacke und -hose, Handschuhe und Gamaschen gegen nasse Füße. Der Wind bläst, die Finger sind klamm.
Dann, endlich: geschafft! Auf Südtiroler Seite blinzelt die Sonne hervor. Ein Downhill mit unzähligen Spitzkehren wartet. Über grobe Steinplatten brettern wir je nach Fahrkönnen die Serpentinen hinab ins liebliche Ahrntal. 1800 Höhenmeter bergab fordern Tribut: Fritz muss die glühenden Bremsbeläge auswechseln. Herbert holt sich einen Patschen, der aber schnell geflickt ist.

Die verspätete Mittagspause auf der Adleralm nahe Kasern kommt zur rechten Zeit. Hirschragout mit Nudeln. Das Thermometer zeigt 18 Grad Celsius – Willkommen in Südtirol! Bis Bruneck, dem Etappenziel, wird gemütlich ausgerollt. Der erste Fahrtag liegt hinter uns. Fünf weitere Tage, rasante Trails, beschwerliche Auffahrten und 8500 Höhenmeter später rollen wir in Torbole am Gardasee ein. Körperlich ausgelaugt, aber zutiefst glücklich. Worin liegt die Magie? „Im landschaftlichen Reiz, dem Überwinden natürlicher Hindernisse und in der Gruppendynamik“, resümiert Henrik. Die nächste Transalp kommt bestimmt.

Essen & Trinken, Übernachten, Sehenswürdigkeiten

Einkehrmöglichkeiten

Adleralm der Familie Rudolf Prettau in Kasern / Ahrntal: Tel. 0039 / 335 242613; www.adleralm.com/de

Restaurant Corso in Bruneck: Graben 16, Tel. 0039 / 0474 554 434; www.hotelcorso.com/de

Übernachtungsmöglichkeiten

Krimmler Tauernhaus:

auf 1622 m gelegen, schon seit über 600 Jahren in Betrieb, bietet auch zu essen und zu trinken.

Tel. 0664 /2612174; www.krimmler-tauernhaus.at

Garni Volgger in Bruneck:

Prack-zu-Asch-Straße 16/a, Reischach, Tel.0039 / 0474 54 84 57; www.garni-vollger.com

Sehenswürdigkeiten

Krimml: Die Krimmler Wasserfälle sind mit einer gesamten Fallhöhe von 385 Meter die höchsten in Österreich. Zu besichtigen sind sie von Mitte April bis Ende Oktober. www.wasserfaelle-krimml.at

Bruneck: Der Hauptort des Pustertals. Sein Wahrzeichen ist das Schloss Bruneck, das im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde.

LITERATURTIPP

Radkarte Kufstein, Tiroler Unterland Ost, Verlag Esterbauer, 6,90 €;

Radkarte Südtirol-Dolomiten, Verlag Esterbauer, 7,90 €.

Die zwölf Etappen der Tour de KURIER

01. ETAPPE / 17. JULI 2016
Prolog: Race Across Steiermark.

02. ETAPPE / 20. JULI 2016
Mit Kindern auf dem Steyrtalradweg.

03. ETAPPE / 24. JULI 2016
Auf dem Schrammelradweg im Waldviertel.

04. ETAPPE / 27. JULI 2016
Rad, Boot, Bahn: Die Wolfgangsee-Trilogie.

05. ETAPPE/31. JULI 2016
Opa, Papa, Sohn: Rund um den Bodensee.

06. ETAPPE/ 03. AUGUST 2016
Transalp-Tour: Von Krimml nach Bruneck.

07. ETAPPE/ 07. AUGUST 2016
Dem Veltliner auf der Spur im Weinviertel.

08. ETAPPE / 10. AUGUST 2016
Um den Wörther See radeln – und chillen.

09. ETAPPE / 14. AUGUST 2016
Adrenalin! Im Ötztal Radmarathon fahren.

10. ETAPPE / 17. AUGUST 2016
Nach Süden! Entlang von Mürz und Mur.

11. ETAPPE / 21. AUGUST 2016
Gott! Radpilgern von Wien nach Mariazell.

12. ETAPPE / 24. AUGUST 2016
Die Hohen Tauern zum Auspowern.

Was Radler in ihre Taschen packen

In all den Jahren auf dem Rennrad konnte der inzwischen 34-jährige Radprofessional Christoph Strasser viel Erfahrung sammeln. Auch in punkto leichtes Reisegepäck und Wegzehrung. Hier eine Auflistung jener nützlichen Dinge, die Strasser on tour immer dabei hat:

Zwei große gefüllte Trinkflaschen und Elektrolytgetränkepulver (eine Flasche pro gefahrene Stunde gilt als Faustregel), eine Banane, eine Packung Flüssignahrung, Reserveschlauch, Luftpatrone, Werkzeug für unterwegs, 5 Euro, Bankomatkarte, E-Card, Mobiltelefon, Rad-Navi am Lenker. Für den Fall, dass es unterwegs dunkel wird, hat er am Rad auch ein fixes Rücklicht montiert.

Im Laufe der Jahre und unzähliger Radtouren hat auch der erfahrene Radmechaniker Andreas Röderer viel Erfahrung gesammelt. Hier eine Auflistung jener Dinge, die er immer in seine Packtaschen stopft:

Für das Rad: Ersatzschlauch, Luftpumpe und Werkzeug.

Für den Körper: Sonnenschutz, Creme für die Weichteile, Zahnbürste, Waschzeug, Waschlappen, mittelgroßes Handtuch und Helm (dient nebenbei auch als Sonnen- bzw. Regenschutz).

Zum Anziehen: Knickerbocker, kurze Sporthose, dünne lange Hose, Trikot aus Merinowolle (atmungsaktiv), helles, knitterfreies Hemd, leichter Fleece-Pulli mit Zipp, leichte atmungsaktive Regenjacke, Unterhosen, Badehose sowie Radhandschuhe.

Schuhwerk: Radschuhe für SPD-Pedale, leichte Flipflops oder Espadrillos sowie dünne kurze Baumwollsocken.
Packtaschen: Zwei wasserdichte Taschen (40 Liter), Lenkertasche für Handy, Fotoapparat, Geldbörse, Dokumente und Radkarte.

470 Tourenkarten vom Bauernhof

Rodingersdorf im Waldviertel. Dort, in einem alten Bauernhof, ist der Salzburger Roland Esterbauer heute zu Hause. Und auch sein Verlag. Den kleinen Ort in der Nähe von Sigmundsherberg muss man auf der Karte suchen. Ein Glück, dass Esterbauer ebensolche produziert. Der Verlag Esterbauer ist eine österreichische Erfolgsgeschichte – und ein Exportschlager, speziell in Deutschland. Vor allem jene erste große Karte des Verlags, die gute Orientierung auf dem Donauradweg bietet, wurde zum absoluten Klassiker für deutschen Radtouristen. Deshalb arbeiten neben den 16 Mitarbeitern in Rodingersdorf weitere sieben in einem Stadtbüro in Berlin.

Eigentlich wollte Roland Esterbauer mit dem Erstellen einer Niederösterreich-Radkarte sein Studium an der Technischen Universität in Wien finanzieren. Aus dem Ferialjob wurde seine Berufung. Das war Mitte der 1980er-Jahre. In den vergangenen dreißig Jahren haben seine Leute 470 Titel erarbeitet, neben Radtourenbücher und -karten auch Mountainbike- und Wanderführer. „In der Zwischenzeit haben wir Material zu den interessantesten Rad- und Wanderregionen Europas“, erzählt Esterbauer stolz. Die Schwerpunkte hat er in Deutschland und in Österreich gesetzt.

Die Vermessung der Welt bzw. von Radwegen ist heute ein aufwendiges Unterfangen: Redakteure des Verlags fahren jede Tour vorab mit dem Rad und dem Auto ab. Ihre Erfahrungen und GPS-Daten werden in die Karten (auch online) eingetragen. Von ihrem Know-how profitiert in den nächsten Tagen auch der KURIER. Drei der zwölf Touren werden von Esterbauers Leuten vorgestellt.

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