Reise
26.08.2018

Ryder-Cup-Luft in Paris schnuppern

Amateure versuchen, es den Golfprofis auf dem "Le Golf National"-Kurs nachzumachen – und scheitern. Der Citybummel in Paris tröstet.

In genau einem Monat werden die besten Golfspieler der Welt um den begehrten Ryder-Cup-Pokal pitchen und putten. Amerika gegen Europa. „Le Golf National“ in Guyancourt – 30 Minuten von Paris entfernt – ist der Austragungsort. Der „Albatros“-Kurs, auf dem der Ryder Cup ausgetragen wird, gilt als der beste Frankreichs. Stolz erzählt General Manager Paul Armitage: „Das ist das erste Sportevent der Welt, das mit Crowdfunding finanziert wurde.“ 40 Millionen Euro kostet das Spektakel. „Das haben die Franzosen und Sponsoren gerne bezahlt.“

Noch ist es uns Amateuren erlaubt, diese saftgrünen Fairways und die fein säuberlich – mit der Nagelschere? – geschnittenen Grüns ehrfürchtig zu bespielen. Des einen Freud, des anderen Leid. Der eine ein junger Single-Handicaper, die andere eine in diesem Leben nicht mehr unter 20 spielende Gelegenheitsgolferin.

Der Albatros Course ist für jeden Golf-Liebhaber ein absoluter Leckerbissen. Was den Platz aber so besonders macht, ist der Gedanke, dass schon bald die besten Golfer der Welt beim größten Turnier, das alle zwei Jahre in einem anderen Golfclub ausgetragen wird, spielen werden. Das macht auch das Flair des Platzes aus. Denn, so einen Schlag mit dem Eisen aufs Grün oder so einen 5–Meter-Putt könnte auch Rory McIlroy oder Tiger Woods (wenn er Jim Furyks Captains Pick ist) an dieser Stelle machen.

Der Unterschied zwischen uns und den Profis: Tiger und Rory lochen den Putt vor knapp 50.000 schreienden Zuschauern ein. Uns begleiten Vögel und Greenkeeper, die uns mit Argusaugen beobachten, ob wir ihre grandiose Arbeit auf den 18 Löchern nicht verwüsten. Wer aber ein gutes Vorstellungsvermögen hat, kann auf den Amphitheater ähnlichen Tribünen um die Löcher 8, 9, 11 und 12 die Zuschauer förmlich spüren.

Anspruchsvoller Platz

Von den hinteren Tees ist Golf National einer der längsten Plätze Europas. Dazu kommen Wasserhindernisse auf fast jeder Bahn, die strategisch in den Fairway-Landezonen und neben den Grüns platziert sind.

Das Grausamste an diesem Platz ist mit Abstand das 40 Zentimeter hohe Rough, das auf jedem Loch direkt neben den Fairways sprießt. Sobald man das Fairway verfehlt, heißt es nachladen oder mit Glück den Ball finden und weitere zwei Mähdrescher-Schläge aus dem Rough in Kauf nehmen. Zwölf Bälle versenkt die Hobbyspielerin im hohen Gras auf Nimmerwiedersehen.

Deshalb ist man gut beraten, vorsichtiger vom Tee zu spielen als es die langen Löcher eigentlich verlangen. Das Rough-Problem haben im übrigen auch die Profis bei den letzten French Open auf dem Platz zu spüren bekommen. Selbst die Zuschauer konnten einige Bälle der Spieler nicht auffinden. Eine absolute Ausnahme auf der Tour.

Vor uns liegt eine Vielfalt an schwierigen und optisch fantastischen Löchern. Der Start auf Loch 1 lässt ängstliche Golfer schwitzen: links Wasser, rechts unspielbares Rough, gefolgt von einem Halbinsel-Grün.

Spieler mit Single-Handicap lieben die vielen „Risk and Reward“-Löcher. Das bedeutet, wenn man das Risiko nimmt und die angreifbaren Par-5 attackiert, hat man auf den Bahnen 2 und 9 gute Chancen, mit einem Eagle belohnt zu werden. Verfehlt man jedoch das Grün, heißt es „Hallo Double Bogey“.

Das absolute Highlight des Platzes ist der „Closing Stretch“ von Loch 15 bis 18: Inselgrüns und viele Wasser-Hindernisse entlang der Fairways – eine Challenge, nicht nur für Amateure. Auch beim Ryder Cup werden das die Schlüssellöcher sein und mit Garantie einiges an Dramatik bieten. Jon Rahm, die Nummer Fünf der Welt, nennt die letzten Löcher nicht umsonst „The best Closing Stretch in Golf“.

Fazit: Jeder, der noch vor dem Ryder Cup die Chance hat, auf diesem unglaublich fordernden und zugleich so schönen Platz zu spielen, sollte diese ergreifen. Dann weiß man, was die Golfprofis auf der Tour wirklich drauf haben.

Entspannen in Paris

Nach sechs Stunden und sieben Kilometern sind die Beine müde, der Magen knurrt. Wie schön ist da ein lauer Sommerabend in der Stadt der Liebe. Mit Aperitifs in einem der Cafés in Saint Germain beginnen, schicke Franzosen beäugen und dann mit der Metro (das beste Verkehrsmittel in dieser Stadt) in unser Lieblings-Restaurant – Bistrot Paul Bert – auf ein saftiges Steak fahren. Und die Vorfreude genießen, in ein paar Wochen beim Ryder Cup live zu sehen, wie man diese 18 Albatros-Löcher wirklich bewältigt.

Infos

Anreise  Täglich mehrere Direktflüge von Wien nach Paris, austrian.com, airfrance.at

Le Golf National Wer Tickets für den Ryder Cup hat, sollte von Paris unbedingt mit dem Zug bis Saint-Quentin-en-Yvelines or Massy Palaiseau  fahren, von dort gibt es Gratis-Shuttles zum Golfplatz.

Ryder Cup 25. bis 30. Sep. 2018, Tickets für die Match-Tage Fr., Sa., So. sind ausverkauft. Für Trainingstage Di., Mi.,  45 €/Erw., 10 €/bis16 J., Do. 80 €/Erw. tickets.rydercup.com

Packages   1 Runde auf dem „Albatros“-Kurs des Golf National inkl. 1 Nacht/F im 4*-Hotel Novotel direkt am Golfplatz 170 bis 270 €/p. P. je nach Saison.Das Package für den  2. 18-Loch-Platz  „Aigle“   kostet 110 bis 150 € p. P./N/F.  Restaurant, Bar, Spa und Pool.
In der Woche des Ryder Cups ist das Novotel  ausgebucht.
–  Cart 45 € pro Runde
 – Elektrotrolley 25 €
– Taylor Made Leihschläger 35 €, www.golf-national.com

Hotel Le Pavillon gehört zu den Green Spirit Hotels in Paris, 54, Rue St. Dominique, 75007,  ein kleines, feines, liebevoll eingerichtetes  Boutiquehotel in schöner Umgebung, Bio-Frühstück, Zimmer ab ca. 200 €. hotel-lepavillon.com

Essen Bistrot Paul Bert, beliebt bei  Franzosen, kaumTouristen, frische Zutaten, Besitzer Bertrand ist Weinliebhaber, Mittagsmenü 19 €. 18, Rue Paul Bert, 75011, Tel. +33 1/4372 24 01.
– Bar du Central gegenüber vom Hotel Le Pavillon, mit einem Glas Rosé   vor dem Lokal sitzen und das bunte Pariser Treiben beobachten, 99, Rue St. Dominique, 75007.
– Le Voltigeur, die besten frisch gepressten Säfte (6 €) im Marais, dazu ein Croque Monsieur um 9,80 €, 45 Rue des Francs Bourgeois, 75004.

Sehenswert  Die Inneneinrichtung   des Flagship-Stores von Sonia Rykiel auf dem  Boulevard Saint-Germain ist großartig: Bücherregale an jeder Wand bis zur Decke. Zwischendrin Ready-to-wear–Mode und Accessoires. soniarykiel.com

Auskunft france.fr, golf-national.com