Reise
13.05.2018

Fifi Pissecker über den Französischen Jakobsweg

Der Kabarettist und Schauspieler Fifi Pissecker über die schönsten Erlebnisse, Orte und Begegnungen auf seiner 350 km langen Wanderung.

Vor zehn Jahren ging er den Jakobsweg in Spanien bis Santiago de Compostela (750 km). Vor genau einem Jahr im Mai machte er sich in Frankreich auf den Weitwanderweg (Chemins de Saint-Jacques-de-Compostelle en France). „Der französische Jakobsweg ist bei weitem nicht so bevölkert wie der spanische. Das ist ein großer Vorteil. Zwei Tage habe ich keinen einzigen Pilger getroffen“, erzählt Wolfgang Fifi Pissecker und vergleicht die beiden Strecken.

„Das geile ist, dass du auf diesen 350 Kilometern, die ich von Le Puy-en-Velay bis Cahors gegangen bin, nur eine einzige Stadt hast, die mehr als 10.000 Einwohner hat. Der Rest sind wunderschöne Dörfer und herrliche Landschaften“, schwärmt der 53-jährige Niederösterreicher. Auf dem spanischen Weg führten einige Etappen durch große Städte und Industriegebiete. „ Frankreich ist kultivierter, sauberer und das Aubac-Rindfleisch und die herrlichen Rotweine sind ein Hammer.“

Aufrisse

Pissecker zeigt sein Fotobuch, das er gleich nach der Wanderung gemacht hat. „Du machst immer wieder Aufrisse. Lauter nette, gleichgesinnte Menschen.“ Das Wort „geil“ kommt in seinen Erzählungen zig Mal vor. Immer gemeint als „großartig“, niemals als Anspielung auf Kurzzeit-Gspusis. Da war ein technischer Doktor, der in Innsbruck losgegangen ist und Monate lang hatscht, ein australischer Anwalt oder der Pensionist Norbert mit dem „roten Schädel“, der in Mannheim startete und schon drei Monate unterwegs war – „geile Typen“.

Mit der deutschen Corinne, einer Flugbegleiterin der Air France, verbrachte er den lustigsten Tag. „Wir haben so eine Gaudi gehabt und nur gelacht. Es war eine 27-er-Etappe, sprich 27 Kilometer und sie hat gesagt, wenn sie mich nicht getroffen hätte, wäre der Weg zach gewesen. So verflog der Tag im Nu.“ Dann machte sie in einem anderen Ort einen Stopp und damit war die Blitzfreundschaft wieder beendet. „Es gibt Tage, da ziehst du einen mit, dann lässt du dich wieder von einem anderen Wanderer mitziehen.“

Oder man geht alleine. „Das ist auch nicht anstrengend, wenn du durch so eine Landschaft gehst, ist jeder Meter geil. Du saugst die Schönheit auf und bist glücklich.“ Diese Glücksmomente hatte der Mitbegründer der Kabarettgruppe „Die Hektiker“ (1981) vor allem auf der Hochebene der Region Auberac. Dort entstand auch sein Lieblingsfoto (siehe Panoramabild oben). „Blitzblauer Himmel, saftiges Grün, die unfassbare Weite und Grillengezirpe ohne Ende.“ In seinem „fantastischen Wanderführer“ (siehe Info) notierte er bei dieser Etappe „One of the best“.

Der Fernwanderweg GR 65 ist gut beschriftet, GPS braucht man nicht. Sein Quartier hat Pissecker von Tag zu Tag per Handy gebucht. Im Unterschied zu Spanien findet man in Frankreich immer auch kurzfristig Unterkünfte. „Man wohnt meistens bei Familien, die privat vermieten. Da kommt es zu wahnsinnig netten Begegnungen, auch wenn man, wie ich, kein Wort französisch spricht.“

Ab und zu gönnte er sich den Luxus und übernachtete im Hotel. Auf seiner zweiten Pilgerreise machte er überhaupt einiges anders. Podologische Einlagsohlen und das Gepäckservice, das er im „Miam Miam Dodo-Guide“ entdeckte, verdoppelten das Wandervergnügen. „15 Kilo nicht schleppen und keine Fersenschmerzen, die beim letzten Mal unerträglich waren, sind eine Erleichterung.“ Man ruft bei La Malle Postale (siehe Info) an – dort spricht man Deutsch – , gibt den nächsten Stopp an, der Rucksack wird abgeholt und zum nächsten Quartier gebracht.

Reise zu sich selbst

Alleine gehen sei das Wichtigste. „Es tut gut, Abstand zu gewinnen, fremde Menschen kennenzulernen und sich neu zu kalibrieren.“ Weitwandern müsse man in einem anderen Land und womöglich die Sprache nicht sprechen können. Das schaffe noch einmal ein bisschen Distanz als in Österreich.

Hochgenuss

Entlang des Pilgerweges kommt man immer wieder bei Einheimischen vorbei, die vor ihrem Haus eine Labestation haben und sich ein paar Euro dazu verdienen. Wie der Mann, der seine Bäume mit bunten Muscheln schmückte, jeden Wanderer fragte, woher er komme und dann die passende Hymne gespielt hat. Oder Vater und Sohn, beide im Rollstuhl, die eine Bar auf einer Strecke betreiben, auf der nur Weitwanderer vorbeikommen. „Über diese Begegnung habe ich lange nachgedacht“, sagt Fifi Pissecker.

Hochgenuss waren für ihn auch Momente am Abend, wenn er sich im Supermarkt ein Flascherl Wein, Prosciutto, Käse und ein bissl Brot kaufte und sich vor die Tür seines Quartiers in die Abendsonne setzte. Oder die Begegnungen mit Einheimischen in Bars und Lokalen. „Ich wollte Champions League schauen und hab’ mir eine Sportbar gesucht. Lauter Franzosen, schwere Tschecheranten, mit denen ich ein Glas nach dem anderen getrunken habe. Großartig.“

Oder der alte Mann, Besitzer des Hotels Saint Roch in St. Alban sur Limagnole, das ein bisschen wie das Haus von den Munsters ausschaut. „Er kam mit Champagner und Keksen und kochte für mich in seinem Restaurant ein herrliches Steak.“

Die etwas umständliche Anreise zum Ausgangspunkt in Le Puy-en-Velay – Flugzeug, Bahn, Bus – „hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Und auch die Rückreise von Cahors, wo er seine Wanderung auf halber Strecke nach 17 Tagen beendete, „war im TGV nach Lyon ein Erlebnis“.

Der nächste Pilgerweg

Bevor Fifi Pissecker seine Trilogie vervollständigt – „drei Weitwanderwege in drei verschiedenen Ländern“ –, wird er in den nächsten Monaten weiterhin sehr erfolgreich mit Eva Maria Marold mit dem gemeinsamen Programm „Endlich!“ auf der Bühne und im Sommer für die nächste Staffel der „Vorstadtweiber“ vor der Kamera stehen. Und eine Schulter-Operation ist auch noch fällig. Erst dann kann sich der Kabarettist auf den Pilgerweg von Florenz nach Rom machen.

Top-5-Tipps von Fifi Pissecker

1. Meine Lieblingsspeise waren die herrlichen Steaks vom berühmten Aubrac-Rind, eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse.

2. Den herrlichsten Weitblick  hat man auf der  Hochebene (ca. 1000 Meter) von Aubrac nach einem Regen, wenn die Luft ganz klar ist  und der Himmel blau. Einfach zum Niederknien. Das war auch die beste Etappe: Von Aumont-Aubrac nach Nasbinals.

3. Ein großartiger Ort ist Conques. Du sitzt dort in der Fußgängerzone, schaust auf die alten Häuser und glaubst, jetzt kommen gleich die Drei Musketiere. Wie eine Filmkulisse. Very geil!

4. Die urigste Unterkunft ist La Vayssade in Lalbenque. Der Besitzer baute den Hunderte Jahre alten Kuh- und Heustadl aus. Jedes der fünf  Zimmer sieht anders aus.

5. Mein Lieblingsgetränk war der  Côtes du Rhône Rotwein.

 

Anreise Flug nach Lyon, weiter mit dem Zug nach Saint-Étienne und dann mit dem Bus eineinhalb Stunden bis Le Puy-en-Velay.

Gepäcktransport  Kann man tageweise bestellen, von Quartier zu Quartier 8 €, Tel. +33 667 79 38 16,
 www.lamallepostale.com

Unterkünfte La Vayssade in Lalbenque, 94 €/p.P., www.lavayssade.com/?lang=de
Hotel Saint Roch in Saint Alban sur Limagnole, ab 150 €/p. P.,  ein  liebenswerter älterer Besitzer, der auch ein herrliches Restaurant betreibt.  relais-saint-roch.fr/  

Essen & Trinken Café de la Mairie in St.-Chély-d’Aubrac,  Sportcafé  auf dem Rathausplatz, fast nur einheimische Gäste
– Le Seth, Place Champollion, Figeac
– Brasserie Georges in Lyon bei  einem Zwischenstopp. 1836 wurde das Restaurant gegründet, tolle Stimmung, Band spielt Jazz,  www.brasseriegeorges.com

Buchtipp Bettina Forst, Französischer Jakobsweg – von Le Puy-en-Velay bis zu den Pyrenäen, Rother Wanderführer, 10,53 €
– Miam Miam Dodo, Le Guide, GR 65, Section 1, Le Puy en Velay/Cahors, 16 €

Filmtipp „Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“, eine französische Komödie, die auf dem Jakobsweg gedreht wurde.

Auskunft www.france.fr

Kabarett  „Endlich!“ In ihrem ersten gemeinsamen Kabarettprogramm blicken die Sängerin Eva Maria  Marold und „Hektiker“ Wolfgang Fifi Pissecker auf mehr als 25 Jahre Bühnenleben zurück.  Die alleinerziehende, gestresste Mutter und der alleinlebende, gestresste Mann ziehen Bilanz und besprechen ihre aktuelle berufliche und private Situation.
Termine:  In Wien am 4. 5. und 8. 6. im Orpheum, 15. 5. und 16. 6.  im  CasaNova, 17. 5. Akzent, in Perchtoldsdorf in der Burg am 22. 5. und in Salzburg im Oval am 24. 5., Weitere Termine: www.pissecker.com