Die Chancen einen Orang-Utan im Semenggoh Wildlife Centre zu sehen, stehen gut.

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Reise
02/20/2019

Aug' in Aug' mit dem Orang-Utan im Dschungel

Bessere Chancen, die vom Aussterben bedrohten Tiere zu sehen, gibt es nur im Zoo.

von Caroline Kaltenreiner

Auf der Fahrt ins Semenggoh Wildlife Centre warnt Guide Selina die Gruppe: „Es gibt keine Garantie, dass wir heute Orang-Utans sichten“, sagt sie immer wieder und schaut Teresa eindringlich an, die ihr erzählt hat, dass die Menschenaffen für sie das Highlight der Sarawak-Rundreise sind. „Besser wäre es aber, sonst müssen wir so oft kommen, bis wir sie sehen“, antwortet Teresa trocken. Die majestätischen Tiere nicht zu sehen, ist für sie keine Option.

Die Chancen dafür stehen ohnehin nicht schlecht. Das Semenggoh Wildlife Centre ist ein Wildreservat in dem verwaiste und gerettete Orang-Utans Schutz finden, Ziel ist die Auswilderung. Nach einem mehrwöchigen Training für das Überleben in der Wildnis werden sie in das Reservat entlassen. Es steht ihnen frei, es zu gehen.

In der Realität bleiben sie fast immer, weil sie im Umkreis kaum wo anders hinkönnen. Und nachdem der Lebensraum für die Anzahl der Orang-Utans eigentlich zu klein ist, können sie sich nicht ausreichend selbst versorgen und sind auf die Hilfe der Menschen angewiesen. Die Ranger schätzen die Population auf 30 Menschenaffen.

In der Früh und am Nachmittag dürfen Besucher je eine Stunde von einer Plattform aus zusehen, wenn Ranger Bananen, Melonen und andere Früchte zur Futterstation bringen und ihre Schützlinge rufen. Zuvor bekommen die Gäste eine Einschulung, wie sie sich zu verhalten haben und wie viel Abstand sie halten müssen. Durch die Nähe zu den Menschen haben die neugierigen Tiere viel Scheu verloren.

Mamas mit Babys

Teresa hat Glück. Nach kurzer Zeit hört sie Knacken im Geäst. Analisa kommt. Sie war das erste Orang-Utan-Weibchen, das im Reservat geboren wurde und hat nun selbst schon drei Kinder zur Welt gebracht. Das Jüngste, Mas, hängt auf ihrem Rücken, als sie sich vorsichtig Richtung Futterplattform hantelt.

Zuerst ist Teresa aufgeregt, versucht schnell Fotos von Mutter und Sohn zu schießen, als sie sicher ist, ein oder zwei brauchbare Beweise auf dem Chip zu haben, wird sie wieder ruhig und beobachtet fasziniert die anmutigen Tiere. Bei Analisa ist es umgekehrt: Sie ist sehr vorsichtig, tastet sich nur langsam voran und wird immer mutiger. Auch Baby Mas darf erst später alleine in den Ästen herumturnen, muss aber immer in der Nähe seiner Mama bleiben.

Zum Durchklicken: Interessante Fakten über Orang-Utans

Wussten Sie, dass Orang-Utans vom Aussterben bedroht sind und der Gesamtbestand der Borneo-Orang-Utans auf 15.000 bis 44.000 Tiere geschätzt wird? Der größte Feind der Orang-Utans ist der Mensch. Er ist verantwortlich für das kontinuierliche Schrumpfen des Lebensraums zugunsten von Palmölplantagen, macht Jagd auf die Tiere und überträgt gefährliche Infektionskrankheiten.

Es gibt drei Orang-Utan Arten. Der Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus), der Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und der neu entdeckte Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis). Dominante Männchen markieren ihr Revier durch ein bis zwei Minuten langes, regelmäßiges, lautes Rufen. So schrecken sie nachrangige Geschlechtsgenossen ab und machen Weibchen auf sich aufmerksam.

Orang-Utans sind die größten Baumbewohner im Tierreich. Männchen bringen bis zu 100 kg, und Weibchen bis zu 45 kg auf die Waage. Sie erreichen ein Lebensalter von max. 60 Jahren. Orang-Utans sind Spätzünder. Borneo-Orang-Utan-Männchen werden mit 14 Jahren geschlechtsreif,  Weibchen bekommen mit rund 15 Jahren ihren ersten Nachwuchs. Im Schnitt gebärt das Weibchen alle fünf Jahre.

Männchen und Weibchen kommen nur zur Paarung zusammen  und verbringen wenige Tage miteinander. Die Partnerwahl geht meist vom Weibchen aus.

Wussten Sie, dass Orang-Utans die einzigen Menschenaffen in Asien  sind und heute nur noch auf Borneo und Sumatra verbreitet sind? Der Name heißt übersetzt Waldmensch und 96,5% des Erbguts von Mensch und Orang-Utan stimmen überein.

Orang-Utans ernähren sich am liebsten von Früchten. Neben  mehr als 200 Pflanzenarten stehen aber hin und wieder auch Ameisen, Termiten und Raupen auf dem Speiseplan. Die Menschenaffen bauen jeden Abend innerhalb von 10 Minuten ein neues Nest, in dem sie schlafen.

Während alle Besucher gespannt das Spektakel beobachten, merken sie nicht, dass sich auch von der anderen Seite ein Waldmensch, so die deutsche Übersetzung von Orang-Utan, nähert. Es ist Selina, mit ihrem zweijährigen Buben Sem. Unter den Rangern heißt sie „Dramaqueen-Prinzessin“ und bei den Männchen ist sie äußerst beliebt. Bei Teresa auch, denn Selina ist nicht scheu, kommt verhältnismäßig nahe. Die Bewegungen, Mimik und Gestik der wundervollen, vom Aussterben bedrohten, Tiere, beeindrucken Teresa zutiefst. Schweren Herzens verabschiedet sie sich nach der Stunde. Die Tiere sollen sich nicht noch mehr an Menschen gewöhnen. Die Begegnung wird die junge Frau nie vergessen.

Noch immer aufgeregt spaziert Teresa durch den nahen Pitcher Plant Garden. 55 Arten der fleischfressenden Kannenpflanze sind dort zu bestaunen. Eine davon kann sogar bis zu einem Liter Wasser in ihrer „Kanne“ speichern. Die besonderen Pflanzen stehen in Sarawak unter Naturschutz.

Tierischer Mittagsschlaf

Dass die Natur das Highlight der Insel ist, die sich Malaysia und Indonesien teilen, wird auch im Bako-Nationalpark schnell klar. Nachdem sie vom Boot aus auf die Halbinsel kommt, entdeckt Teresa schon am ersten Baum eine Sensation. Ein Nasenaffe, der seinen namensgebenden Pfrnak präsentiert, sich am Hintern kratzt und es sich gerade für ein Mittagsschläfchen gemütlich macht. Der Primat ist nur auf Borneo zu finden und gilt wegen Palmölplantagen, die ihnen Lebensraum nehmen, als „stark gefährdet“, aber hier im Nationalpark geht es ihm gut.

Wie auch anderen Lebewesen, die Teresa auf ihrer kleinen Wanderung entdeckt: Eine Wildschweinfamilie, die am Strand spaziert, zwei giftige Vipern, die sich im Gebüsch eingerollt haben und freche Makaken, die auf dem Blechdach der Parkverwaltung Schabernack treiben. Teresa gefällt’s. Je mehr Schabernack, desto besser.

Info

Anreise z.B. mit Singapore Airlines von München oder Frankfurt nach Singapur und weiter nach Kuching, hier ist es ratsam, mit Singapore Airlines und nicht mit der Billigtochter Scoot weiter zu fliegen. Dort können Sitzplätze nicht  geändert und zum Teil das Gepäck nicht durchgecheckt werden.  www.singaporeair.com

Beste Reisezeit zwischen März und September zu empfehlen, am besten im April und Juli, tropisches Klima, hohe Luftfeuchtigkeit, Regenzeit Dezember und Jänner.

Unterkunft Damai Beach: Permai Rainforest Resort.  Tolle  Baumhäuser, Badestrand und wunderbare Wanderwege mitten in der Natur. www.permairainforest.com/

Essen Nationalgericht ist Laksa,eine Kokos-Chilli-Suppe mit Nudeln, Gemüse,  Krabben und je nach Region weiteren Zutaten. Nasi Lemak (Reis, Sambal, gekochtes Ei, Gurke und Erdnüsse) wird von morgens bis abends gegessen.

Orang-Utans Im Semenggoh Nature Reserve  bekommen verwaiste oder aus Gefangenschaft gerettete Orang-Utans ein Zuhause und werden trainiert, in der Wildnis zu überleben. Eintritt 5 RM für Erwachsene. semenggoh.my

Währung 1 € entspricht ca. 4,6 Malaysische Ringgit  (RM)

Krimi mit Schauplatz Kuala Lumpur und Borneo,  spannend und erklärt viel über Kultur, Politik und Tradition im Land: Die tödliche Familie Lee: Inspektor Singh ermittelt in Malaysia, von Shamini Flint (Langen-Müller Verlag).

Auskunft Tourism Malaysia in Frankfurt, Tel. +49/69 460 9234,  www.malaysia.travel

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