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© APA/AFP/ATTA KENARE

Iran
03/06/2016

Die schlafende Schönheit erwacht

Das Land ist im Umbruch. Die Reformer gewinnen langsam, aber behutsam, die Oberhand. Der Schleier hebt sich. Das zeigt sich am deutlichsten an den selbstbewussten Frauen im Gottesstaat.

von Ida Metzger

Stolz halten die Iranerinnen mit bunten Kopftüchern ihren rotgefärbten Zeigefinger in die Kamera. Es ist Freitag, der 26. Februar – Parlamentswahlen im Iran. Wahlurnen gibt es überall am Flussufer von Isfahan, vor der Moschee am Imam-Platz. Registriert wird die Wahl im Personalpass mit einem Fingerprint. Der gefärbte Zeigefinger ist das Symbol für "Wir haben gewählt." "Die Wahl ist nicht wichtig, weil das Parlament kaum Macht hat. Aber wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir den Wandel wollen", erzählt Minou (25). Das gelang auch. Die Reformer feierten einen fulminanten Wahlsieg.

Der Iran, die schlafende Schönheit erwacht. Es sind vor allem die iranischen Frauen, an denen die Aufbruchstimmung nach dem Atomabkommen und das Ende der Sanktionen am sichtbarsten wird. Das Kopftuch dient als modisches Accessoire, die jungen Studentinnen sitzen in den traditionellen Teehäusern mit zerrissenen Jeans, rauchen, tragen auffallendes Make-up, schießen Unmengen an Selfies und hie und da rutscht das Kopftuch in einem unbemerkten Moment auf die Schultern runter. Die Iranerinnen sind neugierig – auf das Leben der Frauen im Westen. Sobald sie eine Europäerin entdecken, begegnen sie den Fremden mit einem unwiderstehlichen Lächeln, suchen das Gespräch, und sie wollen vor allem eine Botschaft deponieren: "Wir sind keine Terroristen. Das Land ist besser als sein Ruf." Eine von ihnen ist Farideh. Frauen sind, meint die 22-Jährige, im Iran nicht vom öffentlichen Leben wie in anderen muslimischen Staaten ausgeschlossen. "Wir haben Zugang zur Bildung, dürfen Autofahren, arbeiten und wählen."
Die iranische Gesellschaft bricht mehr und mehr auf. So schieben in Isfahan Männer stolz die Kinderwägen, schlendern Hand in Hand mit ihren Frauen durch den Bazar. "Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit waren nach der Revolution (1979) verboten. Aber heute stört es keinen mehr."

Der Umbruch ist spürbar und damit kann der Glanz des Reiches, das einst von Indien bis Ägypten reichte, hervortreten.

Party, Hafis & Co.

Das erste Highlight ist Shiraz. Die Wüstenstadt mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern gilt noch heute als Stadt der Rosen und Nachtigallen – der Poet Hafis prägte dieses Bild, denn der Vogel und die Blume waren für ihn ein unzertrennliches Liebespaar. Noch heute wird er von seinen Landsleuten so verehrt, dass es als ungeschriebenes Gesetz gilt: Jede iranische Familie hat neben dem Koran zumindest ein Buch des Dichters im Haus.

Großzügig sehen die Mullahs darüber hinweg, dass der Meister der Worte nicht nur der Liebe huldigte, sondern auch dem Wein – sie legen die Oden an den Rausch als Metapher für die Größe Allahs aus. Wie ein romantischer Gartenpavillon ist Hafis’ Mausoleum angelegt – hierher kommen junge Ehepaare, um ein glückliches Schicksal zu erbitten. Ein Selfie vor Hafis Mausoleum ist ein absolutes Must-Have für ein Liebespaar.

Aber die jungen Iraner lieben nicht nur schwülstige Liebesreime, sie feiern auch ausgelassen. "Wir trinken Alkohol, tragen auf den Partys Miniröcke. Allerdings finden die Partys in Privathäusern statt. Wenn man weiß wie, bekommt man im Iran alles, was der Gottesstaat verbietet", schildert Farideh das Leben des inoffiziellen Irans.

Nicht überall treiben die Frauen die Reformen so voran, wie in Shiraz. Auf der Etappe zwischen Shiraz und Isfahan sollte man einen Stopp in Yazd einlegen. In der 500.000-Einwohner-Stadt prägen die Frauen in ihren schwarzen, schweren Tschadors das Straßenbild.

Geheimtipp Yazd

Je kleiner die Stadt, umso mehr haben die Konservativen noch das Ruder in der Hand. Hier in Yazd bekommt man Zutritt zu den Kultstätten des Zoroastrismus. Jener Religion, an die die Perser vor der Islamisierung 642 n. Ch. glaubten und die auch noch praktiziert wird. Mystisch, imposant und abstoßend zu gleich sind die Schweigetürme. Da die Zoroastrier die vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer nicht verunreinigen dürfen, entwickelten sie eine eigene Art der Bestattung. Am höchsten Punkt der Schweigetürme wurden die Leichen Aasgeiern zum Fraß vorgeworfen, solange, bis nur mehr die Knochen übrig waren. Ein Prunkstück ist auch die Altstadt von Yazd – sie besteht ausschließlich aus Lehmhäusern und zahlreichen Windtürmen.
Wer Glück hat, erlebt Isfahan, wenn das Flussbett bewässert ist. Der Imam-Platz mit der blitzblauen Kuppel der Königsmoschee ist eine Art Freilichtmuseum für die persische Baukunst. Was hier noch fehlt, sind Cafés zum Chillen. Ein Hotspot für Familien und Frischverliebte sind die Pol-e Khadjou- und die Pol-e Shanhristan-Brücken aus dem 16. Jh. Unter den Arkaden singen die Männer über ihren Liebeskummer. Hier kommt man leicht mit den Iranern ins Gespräch und erlebt das freundliche Gesicht des Gottestaates.

Info

Anreise Austrian fliegt ab Wien derzeit nur Teheran an. Will man nach Shiraz oder Isfahan gibt es die Möglichkeit, mit Turkish Airlines zu fliegen – mit Zwischenstopp in Istanbul.

Einreise Touristenvisum erforderlich, erhältlich bei der Iranischen Botschaft, Jauresgasse 9, 1030 Wien, Tel: 01/ 7122650,
public@iranembassy-wien.at

Klima Der Iran erstreckt sich über mehrere Klimazonen. Im Wüstengebiet kontinentales Wüstenklima mit hohen Temperaturschwankungen.

Gesundheit Desinfektionsmittel für Hände und gut bestückte Reiseapotheke einpacken, Getränke nur aus verschlossenen Flaschen!

Achtung Bekleidungsvorschriften für Frauen: langärmeliger, bis zu den Knien reichender, Mantel, lose Oberkleidung, die Dekolleté u. Unterarme bedeckt, blickdichte Strümpfe oder lange, weite Hosen. Kopfbedeckung, die Haare, Hals, Ohren verhüllt. Männer dürfen keine kurzen Hosen tragen. Drogenvergehen und Alkohol-Besitz werden streng geahndet.

Währung 1 Rial (IRR) = 100 Dinars; 10 Rial = 1 Toman. 1 Euro = 38.200 Rial

Zeitunterschied zu MEZ + 2,5 Stunden

Angebote Raiffeisen Reisen offeriert die neuntägige Tour "Die Glanzlichter Persiens" ab 1595 € /P/DZ, Aufpreis EZ ab 345 €. Inkludiert: Linienflug mit Turkish Airlines WienIstanbulTeheran/ ShirazIstanbulWien, Flughafentaxen und Sicherheitsgebühren, 8 Übernachtungen in 4*-Hotels, Halbpension, Transfers, Busfahrten und Besichtigungen laut Programm inkl. Eintrittsgebühren, durchgehend deutschsprachige Reiseleitung ab Teheran bis Shiraz, Termine 2016: 19.–27. 5.; 4.–12. 8.; 8.–16. 9.; 29. 9.–7.10.; 21.–29. 10.; 3.–11. 11.
– Info & Buchung: Raiffeisen Reisen Tel. 01/31375-82, e-Mail:buze@raiffeisen-reisen.at
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