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Reise
04/30/2019

Früher Drogen, heute nachhaltig: Spurensuche in Doi Tung

Nordthailand: Wo einst Opium produziert wurde, gibt es heute blühende Gärten und nachhaltigen Tourismus.

von Martin Bernert

Heute ist Penni Prombuty 60 und erzählt von einer Welt, die es nicht mehr gibt: „Mein Vater war Waffenhändler, er versorgte die Opium-Karawanen. Als ich ein Kind war, gab es immer Waffen im Haus.“

Sie sitzt mit zwei älteren Herren und zwei Studentinnen in einem akribisch gepflegten botanischen Garten, spricht und hört zu. Alt und Jung reden über Vergangenheit und Zukunft ihrer Heimat.

Das Goldene Dreieck im hohen Norden Thailands zählte lange zu den verruchtesten Regionen der Welt.

In der Grenzregion zu Laos und Burma wurde bis in die 1990er-Jahre Schlafmohn angebaut und daraus Opium und Heroin produziert. Die Region galt damals als weltgrößtes Opium-Anbaugebiet.

21 Jahre abhängig

„Ich war Mohn-Farmer und habe selbst 21 Jahre lang jeden Tag Opium geraucht“, erzählt Tamnon Apisoonthornkul, 69. „Wo wir jetzt sitzen, stand mein Haus, mitten im heutigen Park. Einen Arzt oder eine Schule gab es nicht.“

Auf der thailändischen Seite der Grenze ging die Regierung ab Mitte der 1980er-Jahre mit einer Doppelstrategie gegen die Drogen vor.

Entzug und Arbeit

Einerseits brannte die Armee Mohnfelder rigoros ab, andererseits wurden Sozialprojekte gegründet, um den Bewohnern der Region – viele sind Angehörige ethnischer Minderheiten – zuerst Programme zum Entzug und dann alternative Erwerbsmöglichkeiten zu bieten.

Aus (Mohn-)Bauern wurden mehr oder weniger freiwillig Forstarbeiter, die das zuvor abgeholzte Bergland wieder aufforsteten. Einer davon war Chahne Lahona. Der heute 65-Jährige wurde schon als Kind als Tagelöhner in den Mohnfeldern eingesetzt. „Bei uns mussten alle arbeiten“, sagt er.

Als er alt genug war, um ein Gewehr zu tragen, verdingte er sich als bewaffneter Beschützer der Opium-Karawanen.

„Mutter aus dem Himmel“

Eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Region spielte die Mutter des 2016 verstorbenen Königs Bhumibol, Srinagarindra.

Sie hatte am Fuße des 1.389 m hohen Doi Tung eine Villa aus Holz im Schweizer Chalet-Stil errichten lassen und verbrachte viel Zeit in der Region.

Srinagarindra setzte sich für die diskriminierten ethnischen Minderheiten ein und initiierte viele Sozialprojekte.

Weil sie diese oft besuchte und dabei mit einem Hubschrauber der Armee anreiste, erhielt die 1995 verstorbene Monarchin von den Menschen der Region bald den ehrfürchtigen Beinamen „Königliche Mutter aus dem Himmel“ – auf Thai „Mae Fa Luang“.

So heißt heute die Dachorganisation zahlloser großer und kleiner Projekte zur Entwicklung der Region und Unterstützung ihrer Bewohner. Die einzelnen Organisationen sind so konzipiert, dass sie sich nach einigen Jahren selbst tragen und dauerhafte Arbeitsplätze bieten.

Nachhaltigkeit

So wird etwa Kaffee nicht nur angebaut, sondern auch geröstet, gemahlen und vakuumverpackt, weil sich mit verkaufsfertiger Markenware bessere Erlöse erzielen lassen als mit Rohkaffee in Säcken.

Eine Töpferei der Stiftung hat es gar geschafft, einen Großauftrag des Möbelriesen Ikea an Land zu ziehen.

Rund um die königliche Villa ist eine ganze Palette touristischer Einrichtungen entstanden. Dazu zählen ein Vier-Sterne-Hotel, zwei Museen – darunter die „Hall of Opium“, wo die Geschichte des Mohnanbaus erklärt wird – und als Herzstück der Mae Fa Luang Garden.

Wo einst die Felder und Dörfer der Bauern lagen, erstreckt sich heute ein Blütenmeer; ein Baumwipfelweg lädt zum Rundgang in luftiger Höhe.

„Ich komme zurück“

Hier schließt sich der Kreis. Die Alten hören den Jungen zu, die in der Provinzhauptstadt Chiang Rai Krankenpflege studieren und später im Ausland arbeiten wollen. „Aber irgendwann komme ich nach Doi Tung zurück“, sagt eine der Studentinnen.

Auch Penni Prombuty, die Tochter des Waffenhändlers, ist nach vielen Jahren in Japan in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihrem alten Leben in der Zeit des Opiumanbaus trauert sie nicht nach: „Geld hatten wir damals schon mehr, aber keiner hat um meine Hand angehalten, weil alle Angst vor meinem Vater hatten.“

Info

Anreise WienBangkok, z. B. mit Thai Airways Anfang November nonstop ab 771 €; 
Travel-Together-Tarif für  2 bis 8 Personen: ab 536 €/Pers., Buchbar bis 31. 5. Flüge bis 30.11.
Inlandsflug BangkokChiang Rai mit Thai Smile ab 63 €
www.thaiairways.com

Währung 1 Euro = ca. 36 Thai Baht;
einfache Mahlzeiten  ab ca. 50 Baht

Beste Reisezeit Trocken und nicht zu heiß ist es von November bis März

Unterkunft Die Doi Tung Lodge bietet 4*-Komfort,  wenige Gehminuten von der königlichen Villa.
DZ mit Frühstück, z. B. über booking.com ab 71 €. Das Hotel ist  gut gebucht, eine frühzeitige Reservierung ist ratsam.

Aktivitäten In dem ehemaligen Opium-Anbaugebiet an  der Grenze zu Burma wurden touristische Attraktionen rund um die besichtigbare Villa der Königsmutter angelegt. Dazu gehören u. a. ein botanischer Garten mit Baumwipfelweg sowie zwei Museen (Hall of Opium, Hall of Inspiration).

Auch die Betriebe des Projekts (u. a. Produktion und Verarbeitung von Kaffee und Macadamianüssen, Töpferei, Papiermanufaktur) können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Außerdem Trekking sowie Tagesausflüge in die Provinzhauptstadt Chiang Rai und zum Dreiländereck Thailand-Laos-Burma.

Auskunft www.doitung.org
www.tourismusthailand.at