Woher kommt die hässlichste Postkarte der Welt?

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Foto: Kaltenreiner

Wir haben uns auf die Suche nach den geschmacklosesten Ansichtskarten der Welt gemacht und zeigen Teil Zwei des Grauens.

Es ist eine besondere Form der Philokartie: Das Sammeln hässlicher Ansichtskarten. Sollte eine Postkarte eigentlich den Zweck erfüllen, einen lieben Gruß an Freunde und Familie zu schicken und zeigen, wie schön es auf Reisen sein kann, fragt man sich bei manchen Exemplaren, welche Daheimgebliebenen bei diesem Anblick vor Neid erblassen sollen.

Nun liegt Schönheit freilich im Auge des Betrachters, bei manchen Motiven lässt sich nun aber wirklich nicht darüber streiten, ob die Karte Augenschmaus oder -graus ist. Dabei gibt es auch verschiedene Arten von Hässlichkeit: Es gibt Karten, die schlicht kein schönes Motiv haben, andere kann man dank grafischer Überbearbeitung "Photoshop Desaster" nennen. Obszöne Karten findet man an fast jeder Touristen-Ecke, ebenso wie Motive, die nur so vor Kitsch triefen. Karten mit Extra - also Plüsch, Glitzer, und Co. - haben beinahe immer einen Platz in Sammlungen hässlicher Postkarten verdient und  auch Urlaubsgrüße mit Tieren, Essen und übertriebenen "Lustigkeiten" überschreiten schnell die Grenze des guten Geschmacks.

Wir haben uns auf die Suche nach den hässlichsten Postkarten der Welt gemacht und zeigen Teil Zwei unserer Sammlung. Wer auf seinen Reisen ähnlich grauenhafte Exemplare entdeckt, kann sie gerne an uns schicken, vielleicht landet sie ja in unserer nächsten Galerie:

KURIER - Online-Lebensart
Caroline Kaltenreiner
Lindengasse 52
1070 WIEN

Teil 2

Von New York bis Barcelona

Times Square? Freiheitsstatue? Empire State Building? - Auf dieser Karte sieht man das wahre, das berühmte New York City. Was? Sie haben noch nie ein Känguru mit einem Bier gesehen? Dann müssen Sie schleunigst nach Australien, da sollen die angeblich scharenweise herumlaufen. Die Stadt Rovinj in einem Herz aus Rosen. Geht's noch kitschiger? Tut es! Zum Beispiel mit dieser Karte aus dem Bregenzerwald. Eine Mischung der letzten beiden Karten:  Blumenkranz und Kinderthema ergibt Kitsch Galore aus Estland! Schladming portraitiert seine Skilehrer in einem eher unrühmlichen Bild: "Der Pistenlöwe wie es heißt, gern junge Schihaserln verspeißt! Und ist er auch nicht mehr ganz fit, so hat er doch stets Appetit!" - Mahlzeit! Wie man in Kroatien einen ganz normalen Urlaub verbringen kann. Die wahre Schönheit Roms versteckt sich im Stadtteil Trastevere. Was man mit dieser Karte aussagen will? Wir sind uns nicht sicher, mit Sicherheit weckt sie aber keine Lust in die Region Auvergne zu reisen, da kommt sie nämlich her. In Schweden bekommen nicht nur Elche was fürs Auge. Modisch nicht gerade up to date, aber wer könnte dieser Idylle am Strand von Nazare in Portugal widerstehen? Wer's schon wieder vergessen hat: Linz war 2009 Kulturhauptstadt. Nicht uninteressant: Produziert wurde die Karte schon 2004. Für die Grüße aus Gibraltar hätte man besser noch den Folgekurs in Bildbearbeitung besuchen sollen. Photoshopkunst sieht anders aus. Dass Franzosen keinen Sinn für Humor haben, kann man nicht gerade behaupten. Und, an was denken Sie gerade? "Shit happens" auch in Barcelona.
Teil 1

Von Verona bis Salzburg

In Verona, der Heimat von Romeo und Julia, hat man es mit der Romantik wohl etwas übertrieben. Dank Schimmer und Kitsch kommt einem schnell das Grausen. Da hat man es mit den Klischees wohl etwas zu gut gemeint: Pasta Pomodore im Kolosseum - Mahlzeit. In Berlin weiß man: Es ist nicht immer leicht, ein Engel zu sein. Ist es das rote Badehöschen oder doch die kesse Frisur, die dieser Karte einen Fixplatz unter den hässlichsten der Welt garantiert? Wahrscheinlich beides. Auch gut: Karte von Venedig ohne Venedig. Eine Ansichtskarte im Homepage-Style der frühen 90er - Mauszeiger inklusive. Besonders schön das PS auf der Rückseite: "Die Karte hat wirklich 0,50€ gekostet." Einer der größten Vorteile von New York ist die große Auswahl an Babysittern. Freundliche Bären aus Kalifornien. "Love and Kisses": Hippiegrüße aus Barcelona. "Steht ein Esel an der Tankstelle,..." was klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes, ist tatsächlich eine Ansichtskarte aus Marokko. Als würde die Katze und der Glitzerregen nicht reichen, packt man auch noch eine weiße Plastikrose ins Bild - schön hässlich. Dank dieser Karte weiß man, warum man in Burgund kein Wasser trinkt. Salzburg und seine schönsten "Sound of Music"-Schauplätze. Absurder geht's kaum noch,.... ... oder doch? Wer diesem "herzigen" Tier begegnen will, muss sich auf nach Alaska machen. Klischee olé: Ein Mounty in Canada. Windmühlen, Tulpenfelder und Abenddämmerung: Ein klarer Fall von Photoshop-Desaster. Der Kitsch-Overkill aus der Bretagne. Da hat wohl jemand seinen ersten Bildbearbeitungskurs an der Volkshochschule hinter sich gebracht.
(KURIER) Erstellt am
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