Reise
02.08.2017

Den Sommer an der Ostsee verlängern

Die Halbinsel zieht seit über 100 Jahren Kulturinteressierte und Badegäste an – auch im Herbst.

Rohrgedeckte Katen ducken sich hinter grasbewachsenen Dünen, nur ein schmaler Sandstreifen trennt die alten, liebevoll restaurierten Häuschen von der Ostsee. Der Blick verliert sich am Horizont und nach wenigen Minuten versteht man, was schon vor mehr als 100 Jahren Menschen bewogen hat, hierher zu kommen: Nach Ahrenshoop, einen der – nicht nur im übertragenen Sinn – malerischsten Orte im Nordosten Deutschlands.

Zuerst waren es Künstler, die von der Ursprünglichkeit der Fischersiedlung schwärmten; von dem angenehmen Klima und dem auf der gesamten Halbinsel Fischland-Darß-Zingst herrschenden sanften Licht. Zu Dutzenden ließen sie sich in Ahrenshoop nieder, das damals nur mühsam über einen Sandweg zu erreichen war. Rund um den Maler, Zeichner und Lithografen Paul Müller-Kaempff entstand eine Künstlerkolonie aus Musikern, Schriftstellern und Malern, die heuer ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Auch Frauen gehörten dazu – obwohl ihnen der Besuch staatlicher Kunstakademien verboten war.

Mit den Jahren kamen zunehmend auch Erholungssuchende in die Ortschaft, um in der salzigen Luft Krankheiten zu kurieren, zu baden, zu spazieren oder einfach nur im Strandkorb die Seele baumeln zu lassen. Bereits in der DDR-Zeit war das Fischland ein beliebtes Reiseziel. Und auch heute tummeln sich hier vor allem deutsche Urlauber, aber auch immer mehr Österreicher.

Beschaulichkeit erhalten

Dass die Gäste – darunter viele Familien – große Teile des Ortes noch so erleben wie Besucher einst, ist hauptsächlich einem Mann zu verdanken: Dem Maler Hans Götze, der 18 Jahre lang als Schiffsfunker zur See fuhr und seit 1994 ehrenamtlich als Bürgermeister tätig ist. Sein Ziel ist es, Ahrenshoop so beschaulich wie möglich zu halten, aber doch mit der Zeit zu gehen. Das stimmige Nebeneinander von alten Fischerkaten, nahezu verfallenen Häuschen, einer restaurierten Windmühle und dem modernen Kunstmuseum beweist, wie gut so etwas gehen kann.
Am prägendsten sind die Rohrdächer, in anderen Regionen Reetdächer genannt. Bereits zu DDR-Zeiten seien sie Pflicht gewesen, wenn es bautechnisch möglich war, erzählt Götze, und auch heute in einigen Bereichen Ahrenshoops vorgeschrieben. Das für die im Winter wärmenden und im Sommer kühlenden, wetterbeständigen Dächer benötigte Schilfrohr wird an den Ufern des Bodden gewonnen. Es ist ein Highlight jedes Fischland-Besuches, die Brackwasser-Lagune zwischen Halbinsel und Festland mit einem traditionellen Zeesboot zu erkunden (siehe Bild oben) oder im Herbst dort Kraniche zu beobachten.
In Ahrenshoop gibt es nur sechs Hotels, die je maximal 150 Betten haben, der überwiegende Teil der 3000 Gästebetten findet sich in kleinen Pensionen. Bis auf die Hauptstraße, die Fischland-Darß-Zingst mit dem Festland verbindet, ist Ahrenshoop nahezu autofrei. Urlauber radeln oder gehen zu Fuß.

Ein Künstlerort ist Ahrenshoop immer noch, auch wenn nur noch zwölf Künstler permanent hier leben. Ausstellungen, Konzerte und Kulturevents, machen den Ort auch abseits der Bade-Hochsaison zum beliebten Ziel. Selbst im Winter erreichen die Unterkünfte eine Auslastung von 30 bis 40 Prozent – auch, weil die Ostsee die Sonnenwärme lange speichert, was laut Götze "den Sommer verlängert".

Ahrenshoop-Fan Merkel

Das gefällt auch Angela Merkel. Ahrenshoop liegt im Wahlkreis der deutschen Kanzlerin (Vorpommern-Rügen) und sie sei regelmäßig im Ort zu Gast, erzählt der Bürgermeister stolz: "Egal, wie prominent die Gäste sind, man geht hier locker damit um. Sie werden nicht angeglotzt und um Autogramme gebeten, auch Merkel nicht."

Anreise Germania fliegt Freitag und Sonntag von Wien nach Rostock (letzter Rückflug 2017 ist am 10. September). Die AUA fliegt jeden Freitag von Linz nach Heringsdorf/ Usedom (letzter Rückflug: 15. September).

Beste Reisezeit Wegen ihres Kulturangebotes sind Ahrenshoop und Zingst ganzjährig interessant. Badegäste trifft man vor allem im Sommer, richtig voll wird es aber kaum. Die Ostsee ist frisch, selbst im Hochsommer liegt die Temperatur bei maximal 22 Grad. Der Herbst eignet sich für Wanderungen und erholsame Stunden im Strandkorb.

Essen und Trinken Das Angebot reicht vom allgegenwärtigen Fischbrötchen bis zur Sterneküche (z. B. "Ostseelounge" in Dierhagen).

Hotel In Ahrenshoop finden sich vor allem kleine Unterkünfte (z. B. "Der Charlottenhof"), in Zingst und im Ostseebad Warnemünde südwestlich des Fischlandes auch größere Hotels.

Angebot Pakete mit Flug, Unterkunft, Transfer und/oder Mietwagen sind u. a. buchbar unter www.hofer-reisen. at.

Auskunft Informationen erhalten Sie unter www.germany.travel und www.auf-nach-mv.de