© APA/dpa/Silas Stein

Politik Klima
11/13/2021

Wie klimaschädlich das Fliegen tatsächlich ist

Seit Gewesslers Zugfahrt nach Glasgow hat die sogenannte Flugscham wieder Aufwind bekommen.

von Valerie Krb, Bernhard Hanisch

21 Stunden mit dem Zug von Wien nach Glasgow. Dazwischen zweimal umsteigen. Dem Klima zuliebe.

Nicht erst seit der Bahnreise von Umweltministerin Leonore Gewessler zum Klimagipfel fliegt der klimafreundliche Bürger nur noch mit schlechtem Gewissen. Der Begriff der Flugscham existierte schon, bevor Greta Thunberg die Weltbühne betrat. Während Kritiker mit dem geringen Anteil des Flugverkehrs an den Treibhausgas-Emissionen insgesamt argumentieren, verweisen die Gegner der Luftfahrt auf den im Vergleich zum Zug viel höheren CO2-Ausstoß.

Das Problem dieser Diskussion: Beides stimmt.

Klimaheld Bahn

Tatsächlich liegt der Anteil des Flugverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen nur im einstelligen Prozentbereich – je nach Quelle variiert dieser zwischen drei und sieben Prozent. Fakt ist aber auch, mit der Wahl ihres Verkehrsmittels hat die Umweltministerin nur rund vier Prozent der Emissionen einer Flugzeugreise verursacht.

Genau deshalb seien derlei Diskussionen nicht zielführend, betont man im Umweltbundesamt. „Wir haben die Aufgabe, eine dekarbonisierte Gesellschaft zu werden. Das bedeutet, dass jeder von uns nur eine gewisse Menge an Treibhausgasen verursachen sollte“, sagt Experte Werner Pölz.

Jeder könne sich also überlegen, wie er sein Kontingent verwenden möchte. „Wer nach New York fliegen will, sollte dafür kein Fleisch mehr essen oder nur mit Biomasse heizen“, erklärt der Experte. Umgekehrt gilt: Wer im Alltag auf das Auto angewiesen ist, sollte mit dem Zug statt dem Flieger auf Urlaub fahren.

Ähnlich sieht es Christian Gratzer vom Verkehrsclub (VCÖ): „Wie groß der Anteil des Fliegens auch sein mag, er ist ein Teil im Mosaik der Verursacher, wie die Erzeugung von Rindfleisch oder die Verwendung von Ölheizungen.“

Fehlende Kontrolle

Eindeutig fällt auch das Urteil des Umweltbundesamtes zu den Kurzstreckenflügen aus. „Das Starten und Landen ist am energieintensivsten. Und dieser Faktor ist bei Kurz- und Langstreckenflügen gleich.“ Videokonferenz statt Kurztrip also. Oder stattdessen ein einfacher Klick bei „CO2-Emissionen kompensieren“?

Die Idee dahinter sei durchaus sinnvoll. Aber es fehle die Kontrolle. „Wenn als Kompensation ein Baum gepflanzt wird, müsste dieser 100 Jahre stehen, damit die Kompensation funktioniert. Aber wer erinnert sich in 50 Jahren noch daran, damit er nicht gefällt wird?“, meint Pölz.

Ein wesentlicher Hebel sei die Besteuerung. Gratzer vom VCÖ fordert, in der EU eine Kerosin- und Umsatzsteuer für Flugzeuge einzuführen. Fast 70 Milliarden Euro könnten dadurch in Umweltschutzmaßnahmen investiert werden.

Generell plädiert das Umweltbundesamt für eine andere Denkweise beim Klimaschutz. Es gehe nicht ums Verbieten, sondern ums Zurechtrücken: ob beim Schnitzel, das billiger ist, als das Gemüsegericht. Oder beim Flug um 20 Euro, der von Kostenwahrheit weit entfernt ist.

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