Die Französische Revolution - Aufstieg des Bürgertums

© Wikimedia Commons/Jean-Pierre-Louis-Laurent Hoüel

Politik Inland
03/07/2021

Wie aus Frauen "Menschen zweiter Klasse" wurden

Ein starkes und ein schwaches Geschlecht: Wie konnte sich dieses bürgerliche Ideal verfestigten?

von Michael Hammerl

Der Mann macht Karriere, die Frau umsorgt Kind, Kegel und Haus: Woher kommt diese Vorstellung? „Das, was wir jetzt immer noch als typisch weiblich oder typisch männlich bezeichnen, ist mit der bürgerlichen Moderne entstanden“, erklärt Historikerin Gabriella Hauch, spezialisiert auf Frauen- und Geschlechtergeschichte. Aufklärung, Französische und Industrielle Revolution:  Die gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen zwischen 18. und 19. Jahrhundert waren enorm.

Die Aufklärung: „Das war der Zeitpunkt, als Menschen begannen, nicht mehr an von einem höheren Wesen vorbestimmtes Schicksal zu glauben, sondern, dass sie ihr Geschick selbst in die Hand nehmen sollten“, sagt Hauch. Das Bürgertum emanzipierte sich gegenüber dem Adel und: „Die Lebensweise des Bürgertums – das eine ganz, ganz kleine Gesellschaftsschicht umfasste – wurde zum Vorbild für eine so zu gestaltende Zukunft.“ Eine Zukunft, in der Männer ins Geschäftsleben ausschwärmen und Frauen ihrer Rolle als Erzieherin und Hausbesorgerin nachkommen.

Die Wissenschaft lieferte plötzlich die optimale Begründung für diese Idee der Zweigeschlechtlichkeit. Das war nicht immer so.

Das "Ein-Geschlechter-Modell"

Bis zur sogenannten Sattelzeit, von 1750 bis 1850, herrschte zumindest laut dem US-Historiker Thomas Laqueur in der europäischen Kultur ein „Ein-Geschlechter-Modell“. Die Vagina galt demnach als nach innen verpflanzter Penis, die Hoden wiederum als Eierstöcke.

„Damit verbunden war aber keine Gleichheit der Geschlechter sondern die männliche Variante wurde höher gewertet“, konkretisiert Hauch. Die vielkritisierte These Laqueurs sei mittlerweile stark ausdifferenziert: Vor der Sattelzeit habe es unterschiedliche Vorstellungen von Geschlechtlichkeit gegeben – allerdings fern vom bürgerlichen Ideal.

Die Archäologische Geschlechterforschung kritisiert etwa, dass die bürgerliche Vorstellung der Geschlechter rückwirkend auf andere historische Epochen übertragen wurde – etwa auf die Steinzeit. Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass Frauen nicht nur Sammlerinnen, sondern auch Jägerinnen waren. Oder, um ein österreichisches Beispiel zu erläutern: Im Salzbergwerk in Hallstatt arbeiteten sowohl Männer, als auch Frauen und Kinder. Das belegen Knochenfunde.

Bürgerliches Ideal versus ökonomische Realität

Zurück zum eigentlichen Punkt: Für die bürgerliche Idee der Zweigeschlechtlichkeit war die Naturwissenschaft mitverantwortlich. Sie verknüpfte biologische Unterschiede – etwa, dass ein Großteil der Männer dickere Nerven hat oder das Gehirn der Frau leichter ist – mit Wertigkeiten. So untermauerte sie das bürgerliche Ideal vom starken Mann und der schwachen Frau nicht nur, sondern entwickelte es mit.

„Diese hierarchisierenden Wertigkeiten wurden in der westlichen Welt in Gesetzeswerke gegossen“, erklärt Hauch. Im österreichischen Familienrecht galt der Mann von 1811 bis 1975 als Familienoberhaupt, die Frau als für seine Reproduktion zuständig. „Mit der ökonomischen Realität hatte das wenig zu tun“, sagt Hauch. Ende des 19. Jahrhunderts seien in der Habsburgermonarchie rund 42 Prozent der Frauen erwerbstätig gewesen – vor allem in der Landwirtschaft.

Kurz gesagt: Nur eine winzig kleine Minderheit konnte sich die beschriebene Geschlechterordnung überhaupt leisten. Frauen waren somit wirtschaftlich  unverzichtbar und gleichzeitig rechtlich benachteiligt. „Frauen waren Menschen zweiter Klasse“, bilanziert Hauch.

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