Ali Mahlodji von Whatchado wurde von "Silicon Valley" inspiriert

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Whatchado-Gründer
01/30/2017

Mahlodji: "Ich will gar nicht mehr in die USA"

Dem Whatchado-Gründer mit österreichisch-iranischer Doppelstaatsbürgerschaft macht die aktuelle Entwicklung in den USA Angst.

von Gabriele Kuhn

Er gehört zu den innovativsten Unternehmern Österreichs – seine Geschichte ist ungewöhnlich. Als Flüchtlingskind kam Ali Mahlodji vom Iran nach Österreich und wuchs im Flüchtlingslager Traiskirchen auf. Heute ist der 35-jährige höchst erfolgreich und Gründer der Videoplattform Whatchado. Auf dieser erzählen Menschen ihre Erfolgsgeschichte, um damit andere Menschen zu inspirieren, etwa Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben. Mahlodji reist viel und verbringt unzählige Stunden im Flugzeug. Heuer wollte er in die USA, um eine Kooperation zu verhandeln. Das sagt Mahlodji nun zu Donald Trumps Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Staaten vom Freitag:

Sie haben eine Doppelstaatsbürgerschaft?

Richtig. Meine Eltern sind damals geflohen, ich bin im Iran geboren, habe aus diesem Grund aber keinen Pass mehr. Dennoch bin ich persischer Staatsbürger, man kann die iranische Staatsbürgerschaft ja nicht zurücklegen. Seit dem 10. Lebensjahr bin ich auch österreichischer Staatsbürger. Bin also im Besitz eines österreichischen Passes – mit Geburtsort Iran/Teheran. Das kriegt man nicht raus, das sehen die auch gleich. Bereits in der Ära Bush musste ich einmal geschäftlich in die USA, via Washington nach Las Vegas. Da wurde ich in Washington sechs Stunden lang festgehalten, mir wurden viele komische Fragen gestellt. Auch im vergangenen Jahr war ich dort – musste Sprengstofftests über mich ergehen lassen und Befragungen zu meinen Verbindungen in den Iran. Aber ich war nie mehr wieder dort, weil es ja für mich selbst zu gefährlich wäre, in den Iran zu reisen. Für mich ist jetzt klar, dass ich in den USA nichts mehr verloren habe. Ich hätte in zwei Monaten einen wichtigen Termin in New York gehabt und habe ihn nun abgesagt – wir machen das jetzt in England oder in Österreich. Ich war ja bereits im Jahr 2013 auf Einladung der UNO in New York – und jetzt ginge es wieder um eine größere Kooperation. Das kann man aber vergessen, wenn man nicht weiß, wie es dort weitergeht.

Sind Sie muslimisch?

Nein, ich bin kein Muslim, ich durfte mir meine Religion aussuchen, meine Eltern wollten das so. Dann habe ich mir alle Religionen angesehen. Ich versuche einfach ein guter Mensch zu sein, da braucht es keine Religion. Aber das ist denen in den USA offensichtlich egal. Da reicht es, wenn Iran drin steht.

Was bedeutet die Entwicklung in den USA für Sie persönlich?

Ich will nicht mehr in die USA. Es ist mir zu gefährlich. Wenn man checkt, dass da Leute festgehalten werden. Plötzlich, von heute auf morgen, gilt man als Verbrecher. Schrecklich.

Und was heißt das nun für Ihr Berufsleben?

Das kann schon mein Business beeinflussen – wir sind ja eine Internetfirma, die ständig alles evaluiert. In der heutigen globalen Welt ist das so. Unser Business in Österreich und in Deutschland ist nicht beeinträchtigt, aber wenn ich an die Technologien denke, die in den USA entwickelt werden, und auf die wir ja aufsetzen, kann das durchaus ein Riesenproblem werden.

Haben Sie Freunde, Bekannte oder Mitarbeiter, die ebenfalls betroffen sind – und wie ist deren Stimmung?

Ich habe eine gute Freundin, eine Österreicherin aus Kroatien, die ist am Samstag in die USA geflogen und wird jetzt sechs Monate dort bleiben. Die hatte bei der Abreise richtig Angst. Sie hat mir erzählt, dass sich bei ihrer Ankunft ganz viele Leute bei ihr für Trump entschuldigt haben und meinten: Sorry, wir haben den Idioten nicht gewählt. Und dass alles so schrecklich sei.

Wo lebt Ihre Mutter – war sie selbst schon betroffen?

Ja, meine Mutter ist vor eineinhalb, zwei Jahren in die USA geflogen – in Washington wurde sie elf Stunden lang verhört, festgehalten und dann zurückgeschickt. Sie ist 1953 geboren – eine süße kleine Frau, arbeitet beim BFI als Sozialarbeiterin. Wir haben in LA viele Freunde und Bekannte – daher wollte sie zu Weihnachten wieder dorthin, wurde aber schon beim ESTA (Elektronisches System zur Anreisegenehmigung) abgelehnt. Das ist schon ziemlich hart, dass es so ist - aber wenn es jetzt noch einen Präsidenten gibt, der das so radikal und ohne Vorbereitung macht, dann bekommst du Angst. Und diese Pauschalierung, dass wir alle Terroristen seien... Das ist für mich kein Rechtsstaat. Meine Familie ist ja aus dem Iran geflohen, weil das Land kein Rechtsstaat ist, und man sich nicht darauf verlassen kann, wie die dort die Regeln auslegen. Und jetzt kommt Trump daher. Der Typ kann jederzeit hergehen, Dekrete unterschreiben und sagen, das ist jetzt so. Es dachte niemand, dass das so leicht geht.

Werden Sie häufig mit Vorurteilen konfrontiert?

(Lacht) Als Kind sehr oft, jetzt eher selten. Wenn ich einen zu langen Dreitagesbart hab und dazu zu breite Hosen, kann es schon sein, dass ich einen depperten Spruch höre.

Sie haben einmal geschrieben, dass Sie auf Facebook Heinz Christian Strache liken, weil Sie von ihm lernen könnten. Gilt das auch für Donald Trump?

Das gilt für jeden. In der Sekunde, wo du mit jemandem nicht mit einer Meinung bist, ist es umso wichtiger zu wissen, wie so jemand denkt. Ich bin überzeugt, dass Donald Trump nicht so geboren wurde – mich interessiert, wie sich seine Weltsicht entwickeln konnte. Ich kann mich jetzt verstecken und mich nur mehr mit Leuten umgeben, die so denken wie ich – das ist nicht so gut, da lerne ich nichts über Andersdenkende. Ich versuche den Menschen als Mensch zu sehen und zu begreifen, wie und warum sich jemand so entwickelt hat. Ich will Brücken bauen – egal, ob jemand links, rechts oder in der Mitte steht. Es geht darum, wie man miteinander auskommt. Wenn man sich nur in seinen Kreis verkriecht, wird man nichts verändern können. Statt herumzusitzen und zu warten, bis jemand auf mich zukommt, bin ich bereit, zu reden – auch wenn ich des anderen Inhalte falsch fände. Ich würde daher auch mit Trump reden. Ich begegne im Monat hunderten Menschen – auch in sogenannten „Skandalschulen“ in Berlin. Wenn du mit diesen Jugendlichen, auch radikalisierten, redest und ihnen zuhörst, passiert oft Erstaunliches. Solche Begegnungen sind der einzige Weg, etwas zu lösen. Trump sagt, dass man Feuer mit Feuer bekämpfen müsse. Aber das macht doch nur einen noch größeren Brand.