Politik | Inland
25.04.2016

Khol tritt ab und Hundstorfer taucht unter

Hofer und Van der Bellen rittern um die Hofburg. Aber was machen die gescheiterten Kandidaten?

Nach einer Wahl werden bekanntlich zukunftsweisende Entscheidungen getroffen. Für Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen sind die nächsten Schritte vorgezeichnet. Beide rüsten sich für die Stichwahl um den Einzug in die Hofburg am 22. Mai. Aber was passiert mit den gescheiterten Hofburg-Kandidaten?

Khol tritt ab, Hundstorfer taucht unter

Andreas Khol, der nach der Absage von Erwin Pröll überraschend als schwarzer Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten präsentiert wurde, legte seine Zukunftspläne nach der Wahlniederlage offen: Er sei ab sofort nur noch "Elder Statesman". Mehr gibt es zum früheren Chefideologen der Volkspartei nicht zu sagen. Mit der schlechtesten ÖVP-Performance auf Bundesebene ist auch Khols politische Karriere zu Ende gegangen.

Ganz anders und gar nicht eindeutig ist die Lage bei Rudolf Hundstorfer. Dass der ehemalige SP-Sozialminister nach dem verpassten Einzug in die Hofburg in den Ruhestand treten wird, gilt als ausgeschlossen. Es kursieren Gerüchte, dass er eine größere Rolle im SPÖ-Pensionistenverband einnehmen könnte, womit der Gewerkschafter weiter ein gewichtiger Faktor in der Politik bleiben würde. Auch im Nahbereich der Stadt Wien wird hin und wieder ein Posten frei, den man Hundstorfer zukommen lassen könnte. Fix ist aber nichts.

Lugner bleibt bei seinen Leisten

Sein Wahlkampf habe viel gekostet, zu viel, sagte Richard Lugner nach einem für ihn ernüchternden Wahlabend. Rund 700.000 Euro soll er investiert haben, um in die Hofburg einzuziehen. Geschafft hat er es mit 2,35 Prozent bekanntlich nicht. Deshalb soll mit Wahlkämpfen nun ein für alle Mal Schluss ein. Ein weiteres Engagement in der Politik schließt der Baumeister kategorisch aus. Der 83-Jährige wird sich nach zwei Bundespräsidentschaftswahlen (1998 und 2016) weiter um seine Lugner City kümmern.

Interessant wird es bei Irmgard Griss. Die unabhängige Hofburg-Kandidatin, die bis zuletzt auf den Einzug in die Stichwahl hoffen konnte, hielt sich bei ihrer Wahlparty noch vorsichtig zurück, erklärte aber, dass es noch so viel gebe, was sie tun kann. "Ich werde sehen, wie ich die Bewegung auf irgendeine Weise vielleicht weiterführen kann", sagte sie den anwesenden Sympathisanten.

NEOS führen Gespräche mit Griss

Nach der ersten Hochrechnung lagen sie und ihr wichtigster Kontrahent im Kampf um Platz zwei, der ehemalige Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen, gleichauf. Doch im Laufe des Abends lief ihr der grüne Kandidat doch noch den Rang ab. Trotzdem ist der dritte Platz mit 19 Prozent (ohne Briefwahlstimmen) ein Erfolg für die pensionierte Präsidentin des Obersten Gerichtshofs. Noch nie hatte ein unabhängiger Hofburg-Anwärter so viel Zustimmung bekommen wie Griss.

Unterstützung würde sie von den NEOS bekommen. Bundesgeschäftsführer Fery Thierry sagte dem KURIER, dass man mit Griss Gespräche führen werde. "Wir haben gesehen, dass die Bevölkerung eine Erneuerung des politsichen Systems will. Das unterstützen wir", sagt Thierry. In den Gesprächen mit Griss soll es hauptsächlich um gemeinsame Anliegen gehen; weniger darum, die ehemalige OGH-Präsidentin für die Partei zu gewinnen. "Die Parteimitgliedschaft ist eine Frage des 20. Jahrhunderts und nicht des 21.", erklärt der NEOS-Bundesgeschäftsführer.

Insgesamt sind die Pinken von der Performance der 69-Jährigen sehr angetan. "Frau Griss hat einen engagierten Wahlkampf geführt", sagt Thierry. "Man hat gesehen, dass eine politische Bewegung viel erreichen kann. Schade, dass es nicht für die Stichwahl gereicht hat. Es war sehr knapp."