Häupl zu Hundstorfers Debakel: „Dramatik war  nicht zu erwarten“

© APA/GEORG HOCHMUTH

Wien
04/25/2016

Häupl: "Ergebnis ist eine Katastrophe"

Van der Bellen bremst Hofer aus. Hundstorfer gewinnt keinen einzigen Bezirk.

von Michael Jäger, Josef Gebhard

Ein Polit-Erdbeben von historischem Ausmaß hat das Rote Wien an diesem Wahlsonntag erlebt: In keinem einzigen Bezirk konnte Rudolf Hundstorfer auch nur annähernd die Mehrheit erzielen.

Symptomatisch das Abschneiden in seinem politischen Heimatbezirk Floridsdorf, wo er mit 15 Prozent abgeschlagen auf Platz vier landete. Triumphator ist hier – wie in allen großen Flächenbezirken im Süden und Nordosten – Norbert Hofer mit knapp 40 Prozent. Die restlichen Bezirke gingen jedoch zum Teil deutlich an Alexander Van der Bellen, der damit Wien-weit mit 32 Prozent das Rennen knapp für sich entscheiden konnte.

"Das Wahlergebnis ist eine Katastrophe, das mich tief betroffen macht", sagt Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zum KURIER. "Diese Dramatik war so nicht zu erwarten. Das einzig Positive ist, dass Wien das einzige Bundesland ist, in dem Hofer nicht vorne ist." Das Wahlergebnis sei Resultat einer Stimmung gegen das politische Establishment. Dass so viele bisherige SPÖ-Wähler zu Van der Bellen gewechselt seien, sei Wahltaktik gewesen.

"Ich mache keine Schuldzuweisungen – auch nicht gegen den Kandidaten und den Bundeskanzler", betont Häupl, der keine Empfehlung für die Stichwahl abgeben will. "Aber ich werde nicht den Kandidaten unterstützen, der ein ungeklärtes Verhältnis zu Österreich und Europa hat und das Land spaltet."

Neue Strategie

Personelle Konsequenzen innerhalb der SPÖ sieht Häupl nicht für notwendig, "es braucht vielmehr eine Strategie, um Strache am Ballhausplatz und in der Hofburg zu verhindern." Auch der Diskurs zum Asylthema müsse intensiver werden. Die Kritik der SJ am Flüchtlingskurs von Faymann und Hans Peter Doskozil teilt er nicht.

Im Hintergrund verstärkt sich aber der Richtungsstreit: "Die Unterstützung für den Rudi war seitens der Bundespartei enden wollend", kritisiert ein Funktionär. Es sei denkbar, dass jetzt aus der Wiener SPÖ der Ruf nach einer Ablöse von Faymann lauter werde. "Wenn von der SPÖ nur mehr eine Schmalspur-Variante der FPÖ übrig bleibt, hat man aus den 90er-Jahren und den damaligen Aufstieg der FPÖ nichts gelernt."

Das sehen nicht alle so: "Die SPÖ muss einen Kurs fahren, der der klaren Mehrheit der Wähler entspricht", sagt ein anderer Funktionär. "Einige Leute in der Partei sind in der Flüchtlingsfrage völlig illusorisch unterwegs."

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