Außenminister Alexander Schallenberg mit EU-Kommissar Oliver Varhelyi in Sarajewo, um vor Ort Impfstoffe des EU-IPA-Mechanismus zu übergeben. 

© BMEIA/ Michael Gruber

Politik Inland
06/22/2021

Warum Österreich Westbalkan-Staaten eine Million Impfdosen schenkt

Österreich verfügt über sieben Millionen Impfdosen. Ab August wird eine Million Impfdosen an die Westbalkan-Staaten geliefert. Für Außenminister Schallenberg "ein Gebot der Stunde".

von Johanna Hager

Alle 1,1 Sekunden wird in Österreich gegenwärtig eine Impfung gegen das Coronavirus verabreicht. Der „Impf-Turbo“, wie die Regierung die Geschwindigkeit nicht müde wird zu bezeichnen, ist gleichsam gezündet.

32,09 Prozent der impfbaren Bevölkerung sind mit Stand Dienstag, 22. Juni, vollimmunisiert. Das heißt, sie haben bereits die zwei benötigten Impfungen erhalten. 56,87 Prozent haben mindestens eine Impfung. Damit liegt Österreich mit Deutschland beispielsweise gleich auf. In Relation zur Vollimmunisierungsrate von Israel (knapp 60 Prozent) oder Großbritannien (knapp 46 Prozent) hat Österreich aber noch einen längeren Weg vor sich, um die Herdenimmunität zu erreichen.

Sind 70 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 vollständig immun, kann man laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von Herdenimmunität sprechen.

Warum also schenkt Österreich den Westbalkan-Ländern eine Million Impfdosen, noch ehe die eigene Bevölkerung bis hin zu den Jüngsten mindestens einmal geimpft ist, wie Kanzler Sebastian Kurz dies vergangene Woche angekündigt hat. Zumal es im Frühjahr noch einen politischen Streit darüber gab, ob Österreich ausreichend Impfdosen bekommen wird? „In der Pandemie gilt: Niemand ist in Sicherheit, bevor wir nicht alle sicher sind“, sagt Außenminister Alexander Schallenberg.

„Wir haben nichts davon, wenn bei uns schon bald alle Impfwilligen durchgeimpft sind, aber in unserer unmittelbaren Nachbarschaft noch immer ein akuter Mangel an Impfstoff herrscht.“

Der Westbalkan - Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien- sei eine Region, so der ÖVP-Minister, die uns nicht nur geografisch nahesteht. „Über 550.000 Menschen in Österreich haben Wurzeln in der Region.“ Daher sei es Gebot der Stunde und ein Zeichen der Solidarität, möglichst bald mit nötigem Impfstoff zu helfen.

Nebst der Nähe führt die Bundesregierung ein anderes Argument ins Treffen. Die sechs Westbalkan-Staaten können nicht – wie Österreich – auf das Impfkontingent der EU zurückgreifen, sondern müssen sich als EU-Beitrittskandidaten die Vakzine in Eigenregie beschaffen. „Was den Westbalkan betrifft, so müssen wir unser besonderes Interesse an der Region auf allen Ebenen unter Beweis stellen.

"Nicht tatenlos anderen Playern wie China oder Russland überlassen"

Österreich war immer ein verlässlicher Freund, Nachbar und Förderer dieser Region“, so Schallenberg. „Umso wichtiger ist es, dass wir sie auch bei der Versorgung von Impfstoff nicht im Stich lassen und dieses Feld nicht tatenlos anderen Playern wie China oder Russland überlassen“.

Die Impfstoff-Spende sei mit dem Gesundheitsministerium akkordiert. Zu Beginn soll es sich vor allem um Astra-Zeneca-Dosen handeln. Zudem hat Österreich bereits die Verteilung von 651.000 Dosen von Biontech/Pfizer koordiniert, welche die EU für die Westbalkan-Staaten bestellt hat. Österreich verfügt derzeit über 7.089.695 Impfdosen; für das dritte Quartal werden neun Millionen Impfdosen erwartet. Das Gros entfällt auf Biontech/Pfizer (5,84 Mio), gefolgt von Astra Zeneca (2,06 Mio.), Moderna (820.000) sowie Johnson & Johnson (224.200).

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