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Politik Inland
05/12/2021

Warum die Asylzahlen trotz Pandemie ansteigen

Ungebrochener Migrationswille und Grenzkontrollen führten zu mehr Aufgriffen, aber nur jeder dritte Antrag hatte ein positives Ergebnis.

von Raffaela Lindorfer

Im Pandemie-Jahr 2020 sind die Asylantragszahlen in Europa gesunken – um fast 33 Prozent, also ein Drittel. In Österreich hingegen sind sie gestiegen – um mehr als zehn Prozent.

Nach einem anfänglichen Tief rund um den ersten Lockdown in Österreich stiegen die Antragszahlen ab dem zweiten Halbjahr 2020 wieder und waren bereits im August mit fast 1.500 Anträgen schon höher als im Monatsschnitt 2019 mit rund 1.100 Anträgen. 2021 dürfte sich dieser Trend fortsetzen, wie die Zahlen der ersten drei Monate des Jahres zeigen.

Wie kann das sein? In Zeiten, in denen das (offizielle) Reisen nur sehr eingeschränkt möglich ist, und in denen an den Grenzen sogar Pendler wegen der Corona-Maßnahmen kontrolliert werden?

Stärkere Kontrollen

Vorab: Der Wille bzw. die Not, das Heimatland zu verlassen, dürfte bei Menschen aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Staaten von der Pandemie nicht geschmälert worden sein.

Und gerade weil an den Grenzen so stark kontrolliert wird, werden auch so viele Menschen aufgegriffen, lautet die Antwort aus dem Innenministerium (BMI). Die meisten Aufgriffe gebe es derzeit an der grünen Grenze zwischen Ungarn und dem Burgenland und am Grenzübergang in Nickelsdorf. Wobei sich diese Kontrollen auf den Personenverkehr konzentrieren – und viele Schlepper auf Transporte mit Lkw umgestellt haben. Viele Flüchtlinge werden erst im Landesinneren aufgegriffen.

Österreich ist in der EU nicht das Top-1-Zielland (das sind noch immer Deutschland und Schweden), es liegt aber an der stark frequentierten Balkanroute. Wer an der österreichischen Grenze aufgegriffen wird, wird entweder gleich „zurückgeschoben“ oder stellt einen Asylantrag. Viele wählen Zweiteres. So erklären sich die hohen Antragszahlen.

Nur 30 Prozent positiv

Betrachtet man die Zahlen der rechtskräftigen Entscheidungen in der Asyl-Statistik des Innenministeriums, so scheinen die Chancen auf Erfolg aber schlecht zu stehen: Von 12.037 Entscheidungen heuer waren nur 3.696 rechtskräftig positiv – das ist nur knapp jede dritte.

Wobei man auf die Details schauen muss: Bei den Anträgen auf Asyl wurden 2.313 von 4.860 positiv beschieden, also fast jeder zweite. Das sind meist Menschen, die einen Antrag gestellt haben, weil sie in ihrer Heimat persönlich verfolgt wurden.

Subsidiären Schutz – der greift, wenn in der Heimat Krieg herrscht – erhielten 767 von 2.502 Antragstellern. Einen Aufenthaltstitel aus anderen „berücksichtigungswürdigen Gründen“ bekamen nur 616 von 3.584.

Wer sind die Antragsteller?

Top-Nation ist seit längerem Syrien – und fast 80 Prozent der Antragsteller von dort bekamen heuer einen positiven Bescheid. Bei der schon im Vorjahr zweitstärksten Nation, Afghanistan, waren heuer nur 34 Prozent positiv. Bei der drittstärksten, Marokko, liegt die Positiv-Quote unter einem Prozent.

Abschiebungen und freiwillige Ausreisen waren wegen der coronabedingten Restriktionen im internationalen Flugverkehr schwieriger. 2020 gab es laut Statistik des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) 8.675 Ausreisen – das sind um rund 30 Prozent weniger als 2019. Es gab 2020 nur 22 Charter-Flüge, 2019 waren es 58.

Integration im Lockdown

Coronabedingt war aber auch die Integration jener, die einen positiven Bescheid bekamen, schwieriger: Beschäftigung, eine klare Tagesstruktur und Freizeitgestaltung sind im Lockdown schon für Einheimische eine Herausforderung, bei Flüchtlingen verstärkt sich die Isolation noch durch die Sprachbarriere.

Und wie sind die Aussichten? Am Balkan sind laut Schätzungen des Innenministeriums rund 100.000 Menschen gestrandet, und leben dort in prekären Verhältnissen – rund 20.000 davon in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Geplant ist eine Kooperation mit diesen Staaten, um die Menschen gleich in ihre Heimatländer zurückzubringen, bevor sie nach Westeuropa weiterziehen.

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