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Politik von innen
01/17/2021

Warum das virologische Quartett Geschichte ist

Nehammer und Kogler wurden von zwei Landeschefs und einem Experten ersetzt. Welche Strategie dahinter steckt.

von Ida Metzger

Die Vierer-Formation mit Kanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer begleitete das Publikum monatelang durch die Pandemie. Zu Beginn war das sogenannte „Virologische Quartett“ ein Quotenhit, doch zuletzt stĂŒrzten die Zuschauer-Quoten ab.

Deswegen wurde das Format vom Beraterstab des Kanzlers kurzerhand abgesetzt.

Am Sonntag trat ein Quintett auf. Sebastian Kurz flankiert von Steiermarks Landeshauptmann Hermann SchĂŒtzenhöfer und zur Überraschung vieler – des Kanzlers Lieblingsfeind, Wiens BĂŒrgermeister Michael Ludwig. Dazu gesellte sich noch der MedUni Wien-Vizerektor Oswald Wagner. Anschober blieb logischerweise an Bord.

KĂŒnftig könnte dieses Quintett öfters auftreten, wenn es gilt, Maßnahmen oder Lockerungen fĂŒr die Bevölkerung zu verkĂŒnden, heißt es aus dem Bundeskanzleramt. FĂŒr Politikberater Thomas Hofer war dieser Strategiewechsel ĂŒberfĂ€llig. „SpĂ€t, aber doch versucht Kurz, den Konstruktionsfehler des virologischen Quartetts zu beheben. Einerseits die konstruktiven OppositionskrĂ€fte mit an Bord zu holen, andererseits auch Experten zu Wort kommen zu lassen, damit die GlaubwĂŒrdigkeit der Maßnahmen steigt“.

Der neue Stil

Doch wie kam es zu dem neuen Stil, von dem selbst Ludwig ĂŒberrascht war? Als der zweite Lockdown im November verhĂ€ngt wurde, mokierte sich Ludwig noch, dass er aus den Medien mehr erfahre als vom Bundeskanzler in VorgesprĂ€chen.

Am Samstagabend nach der zweiten Beratungsrunde mit den LĂ€nderchefs (auch das ist neu, dass sich Kurz insgesamt acht Stunden mit den Landeshauptleuten beriet) wurde Ludwig gefragt, ob er am Sonntag bei der Pressekonferenz auftreten wolle. Ludwig sagte nicht sofort ab, er verlangte eine kurze Bedenkzeit. Eine halbe Stunde spĂ€ter sagte Wiens BĂŒrgermeister zu. „Ich habe es besonders schwer, hier zu stehen“, waren Ludwigs Eröffnungsworte bei der Pressekonferenz. Das Wien-Bashing hat Wunden bei Ludwig hinterlassen. „Wien ist gut durch die Krise gekommen.“ Diesen Seitenhieb wollte sich Ludwig, neben Kurz stehend, nicht verkneifen.

Ludwig und Peter Kaiser drÀngten auch darauf, bei den ExpertengesprÀchen am Ballhausplatz dabei zu sein.

Lektion gelernt

„Kurz hat seine Lektionen aus der Pandemie in dieser Woche umgesetzt. Zuerst holt er sich einen parteilosen Experten als Arbeitsminister ins Kabinett, dann setzt er auf nationalen Schulterschluss“, so Hofer. Die Landeschefs analysieren die BeweggrĂŒnde etwas anders. Die Bereitschaft sinke in der Bevölkerung, den Lockdown mitzutragen. „Wir sind nah an der Bevölkerung dran, deswegen braucht er uns“, so ein Landeschef.

Und SchĂŒtzenhöfer fĂŒgt hinzu: „Das bedeutet mehr Verantwortung, aber das wissen wir.“

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