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Politik Inland
06/18/2021

Viele Wiener Pflichtschulen erhalten im Herbst weniger Personal

Bildungsdirektion will nachschärfen, Gewerkschaft beklagt fehlende Transparenz bei Lehrerverteilung.

von Ute Brühl

Als die Schulleitungen diese Woche erfahren haben, wie viele Lehrkräfte sie für das kommende Schuljahr zugeteilt bekommen, war das Entsetzen groß: Viele erhalten deutlich weniger Ressourcen als bisher. Trotz gleichbleibender Schülerzahl müssen sie mit weniger Lehrpersonal auskommen.

Fixer Schlüssel

Das hat auch mit einem neuen Verteilungssystem zu tun. Danach erhalten alle Schulen ein Basiskontingent an Personal, das aufgrund der Schülerzahlen berechnet wird. Zusätzliche Ressourcen gibt es – und zwar für Deutschförderung, pädagogische Projekte, Tagesbetreuung und für Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien.

Sehr viele Schulen steigen jetzt schlechter aus. Die Bildungsdirektion hatte bereits angekündigt, dass es „zu geringfügigen Verschiebungen von maximal zwei Stellen pro Schule kommen“ werde. Den Hintergrund erläutert ein Insider so: „Früher konnten die Bezirksschulinspektoren nach Gutsherrenart die Ressourcen verteilen, jetzt gibt es klare Regelungen.“

Ganztagsschulen

Insbesondere bei vielen Ganztagsschulen ist jetzt der Unmut groß – benötigen sie doch mehr Ressourcen als etwa Halbtagsschulen. Die dortigen Lehrer und Eltern befürchten, dass der Schulbetrieb nicht mehr wie gewohnt aufrecht erhalten werden kann. Eine Mutter nennt dem KURIER ein Beispiel: „Bisher war es üblich, dass die Lehrerin mit den Kindern in einer Stunde über Dinge redet, wenn sie merkt, dass die Klasse etwas bedrückt. Den Unterricht hat sie dann am Nachmittag nachgeholt. Wenn die Pädagogin jetzt nur noch zu bestimmten Zeiten in der Schule ist, wird das so nicht mehr funktionieren.“

Bei der Bildungsdirektion verweist man darauf, dass es für diese Schulen 200 Freizeitpädagogen zusätzlich geben werde. „Die verschränkten Ganztagsschulen wird es weiterhin geben“, heißt es aus dem Büro von Bildungsdirektor Heinrich Himmer. Zudem werde man den Kontakt mit den Schulen suchen: „Im September wird bei der Stellenzuteilung noch nachgeschärft.“

Ballungszentren

Thomas Krebs, Pflichtschulgewerkschafter in Wien, bemängelt, dass die Basiskontingente jedes Jahr Stück für Stück gekürzt werden. Auch wenn Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) meint, dass „Wien so viele Lehrerposten wie noch nie erhalten wird“ (der KURIER berichtete), so stimme das zwar in absoluten Zahlen: „Gleichzeitig haben wir aber so viele Schülerinnen und Schüler wie noch nie. Da stehen also nicht mehr Pädagogen in den Klassen.“

Krebs sieht im Ballungsraum Wien ein anderes Problem: Viele Stunden würden von den Volks- und Mittelschulen in die Sonderpädagogik umgeschichtet. „Die Großstadt braucht hier sehr viele Dienstposten, um diese immens wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe zu erfüllen.“ Allerdings dürfen laut Gesetz maximal 2,7 Prozent der Schüler einen sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten. In Wien ist die Anzahl aber de facto deutlich höher. „Hierfür braucht Wien endlich mehr Ressourcen“, fordert Krebs.

Weiterer Kritikpunkt: „Wir wissen nicht genau, wofür Wien seine Lehrerposten verwendet, einige Pädagogen stehen nicht in der Klasse, sondern arbeiten in der Verwaltung und müssten aus einem anderen Topf finanziert werden. Hier fehlt die versprochene Transparenz“, so Krebs.

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