Im Volksgarten passierte Van der Bellen ein mächtiges Spalier.

© APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK

Amtsantritt

Van der Bellen in der Hofburg: "Ich bin’s, euer neuer Präsident"

Leutselig, selbstironisch und verbindend: So will Alexander Van der Bellen Präsident sein.

von Christian Böhmer

01/26/2017, 06:00 PM

Die ersten Lacher gab’s nach knapp 30 Sekunden. Alexander Van der Bellen war gerade angelobt, seine Antrittsrede erst wenige Sätze alt – und sofort schaffte es der Neue, die Zuhörer im gold-strahlenden Reichsratssitzungssaal zum Lachen zu bringen.

"Der Wahlkampf war, nun ja, großteils wirklich vergnüglich", sagte der 73-Jährige mit einem kindisch-verschmitzten Grinsen im Parlament. Gerade so, als wolle er die vergangenen Mühen des längsten Hofburg-Wahlkampfes aller Zeiten weglächeln; als hätte es keine Aufhebung oder Verschiebung und keine 202 Tage ohne Staatsoberhaupt gegeben.

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Van der Bellens großer Tag in Bildern

Manche fragten: Ist das angemessen? Darf man bei einer Sitzung der Bundesversammlung, die Kraft ihrer Funktion nur für Allerhöchstes, also für Angelobung und Strafverfolgung von Präsidenten oder eben für Kriegserklärungen zuständig ist, darf man hier tatsächlich Schmäh führen?

Im Falle des gebürtigen Kaunertalers lautet die Antwort "Ja", man darf. Mehr noch: Es gehört zu seinem Plan, zum Amtsverständnis.

Auf dem Dreimeterbrett

Stimmt schon: Dass ein Staatsoberhaupt über seine Angst als Kind auf dem Dreimeterbrett berichtet, das gab’s noch nie; und auch die Anmerkung "Ich schau g’rad, wo ich noch ein bisserl kürzen kann" wäre einem Heinz Fischer in seiner ersten Rede nie eingefallen.

Doch es wäre vermessen, die halbstündige Antrittsrede des neunten Staatsoberhauptes auf ihre vergnüglichen Anflüge zu reduzieren.

Van der Bellens wiedergewonnene Leichtigkeit hatte einen pragmatischen Zweck: Selbstironie und Humor entkrampfen – und das tut Not. So applaudierten etwa die freiheitlichen Mandatare dem neuen Staatsoberhaupt derart zurückhaltend, dass Parteichef Strache hernach klarstellen musste, man habe sehr wohl geklatscht – aber eben kurz.

Es gibt also noch jede Menge Spannungen, eine eher krisenhafte Stimmung. Und genau dem versuchte das neue Staatsoberhaupt mit ernsten Appellen gerecht zu werden. "Man muss sich dazu entscheiden, zuversichtlich zu sein", sagte Van der Bellen.

Er beschwor den Zusammenhalt: "Österreich, das sind wir alle". Er verteidigte die Europäische Union: "Sie ist ein Raum des Friedens, der Freiheit und des Wohlstandes." Und er erinnerte daran, dass "Freiheit, Gleichheit" und "Solidarität" absolut unverrückbar seien.

Der Schluss gehörte den Jüngsten. Kommenden Österreichern wie Van der Bellens Enkel, der – beruhigt von Spielzeug aller Art – auf der Galerie den Großvater beobachtete. "Ihr, die ihr jetzt am Beginn eures Weges steht", sagte unten der Senior. "Ihr, die ihr in den Kindergarten oder erst in die Schule geht, ihr seid es, die die Welt neu bauen. Wir brauchen euch. Eure Leidenschaft. Eure Ideen, euren Mut, die Dinge neu zu denken. Österreich braucht euch. Mutig in die neuen Zeiten!"

Wider die Usancen

Alexander Van der Bellens teils unkonventionelle Rede war das eine Signal.

Ein weiterer leichter Bruch mit den "Usancen" war, wie er hinüber in die Hofburg, in seinen Amtssitz, kam. Limousine? Nicht für ihn! Er, der noch am Wochenende zuvor in Jeans und mit einem Rucksack auf der Schulter weitgehend unerkannt über die Wiener Freyung spaziert ist, wollte ein Zeichen setzen und seine angekündigte Leutseligkeit gleich vom ersten Augenblick an beweisen.

Van der Bellen ging zu Fuß zur Hofburg, und so wälzte sich eine Menschentraube durch den Volksgarten, die – Wind und Frost trotzend – im sprichwörtlichen Freudentaumel einen kleinen Triumphzug improvisierte. Als Van der Bellen den Spalier aus Hunderten Fans und Schaulustigen passiert hatte, und als die beiden Kapellen ihre Begrüßungsmärsche geblasen hatten, da sagte er: "Ich bin’s, euer neuer Präsident." Es war eine Ansage. Und eine Hoffnung.

Der Wahlkampf war großteils vergnüglich

„Der Wahlkampf war großteils vergnüglich.“
- Van der Bellen über die längsteWahlkampagne aller Zeiten

Österreich, das sind wir alle. Ganz gleich, woher diese Bewohner kommen. Ob aus Wien oder Graz, aus Salzburg, dem Kaunertal, Pinkafeld oder einem anderen Eck. Es ist auch gleich, wen sie lieben. Ob nun Frauen oder Männer (...). Ganz gleich, ob sie Städte lieben oder Berge oder das Land – oder ihr Smartphone.“
- Van der Bellen über den Zusammenhalt in Österreich

„Ihr, die ihr jetzt am Beginn eures Weges steht, die ihr in den Kindergarten geht, ihr seid es, die die Welt neu bauen. Wir brauchen euch. Eure Leidenschaft. Eure Ideen, euren Mut, die Dinge neu zu denken.“
- Der neue Bundespräsident über die nächsten Generationen

„Wo der Zweifel den dunklen Nachthimmel sieht, sieht die Zuversicht unendlich viele Sterne.“
- Van der Bellen beschwört den Optimismus

„Ich bin’s, euer neuer Präsident.“
- Van der Bellen zu den Schaulustigen vor der Hofburg

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