Beratungen zu IPCC-Sonderbericht zur Nutzung der Landflächen gestartet

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Politik Inland
08/09/2021

UNO-Klimabericht als „Totenglocke für fossile Brennstoffe“

Sechster Klimaschutzbericht. Der Meeresspiegel steigt, extreme Wetterereignisse werden zunehmen, dafür wird es bei uns kaum noch schneien: So deutlich warnen die Forscher vor der Zukunft

von Pilar Ortega, Bernhard Gaul

Im inzwischen sechsten Sachstandsbericht warnen die IPCC-Klimaforscher der UNO, dass es immer unwahrscheinlicher wird, dass die Pariser Klimaziele eingehalten werden können, wenn nicht rasch der weltweite Treibhausgas-Ausstoß gebremst wird. In Paris wurde 2015 vereinbart, dass die Regierungen möglichst alles tun werden, um die Erderwärmung unter 2°C und möglichst schon bei 1,5°C zu begrenzen.

Der von über 230 Forscherinnen und Forschern verfasste erste Teilbericht wurde am Montag präsentiert und befasst sich mit den physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Grundlage waren 14.000 wissenschaftliche Studien, die von den Forschern zusammengefasst wurden. Im zweiten und dritten Teil, die erst im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden, geht es dann um die Folgen, die Klimawandelanpassung und den Klimaschutz.

Festgestellt wurde vom Weltklimarat IPCC, dass sich das Weltklima bereits um 1,07°C (im Vergleich zu den vor-industriellen Temperaturen) erhitzt hat, das 1,5°C-Ziel dürfte schon in den kommenden zwei Jahrzehnten überschritten werden, selbst wenn die weltweiten Emissionen sofort zurückgehen. Der Klimawandel hat also an Fahrt aufgenommen, der vorangegangene fünfte Sachstandsbericht von 2014 hatte eine optimistischere Prognose, die nun revidiert werden musste.

Auswirkungen der Erderwärmung wie der Anstieg des Meeresspiegels oder das Schmelzen der Gletscher seien schon jetzt „unumkehrbar“. In naher Zukunft sind Wetterereignisse mit Starkniederschlägen deutlich häufiger zu erwarten. Der Meeresspiegel dürfte bis zum Ende des Jahrhunderts um 62 Zentimeter ansteigen, es wird aber nicht ausgeschlossen, dass so viel Eis abschmilzt, dass der Anstieg sogar mehr als einen Meter betragen könnte. Rund die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe.

Österreich drohen bis zu 5°C mehr bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wenn weiterhin nicht gegengesteuert wird. Was die Forscher der ZAMG als auch des IPCC aber betonen: All diese verheerenden Prognosen müssen nicht eintreffen, wenn die Weltgemeinschaft doch noch gegensteuert.

„Ein wichtiges Ergebnis der Forschung ist, dass mit einem ambitionierten Klimaschutz immer noch möglich ist, die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu dämpfen“, sagt ZAMG-Forscher Marc Olefs (siehe Interview unten).

Reaktionen

Wenig überraschend sind die politischen Reaktionen vor allem Appelle für mehr Klimaschutz. US-Außenminister Antony Blinken ruft dazu auf, sich von der Wissenschaft leiten zulassen. „In diesem Moment müssen die politischen Spitzenkräfte, der Privatsektor und jeder Einzelne dringend gemeinsam handeln und alles tun, was nötig ist, um unseren Planeten und unsere Zukunft in diesem Jahrzehnt und darüber hinaus zu schützen.“ UN-Generalsekretär António Guterres findet deutlich drastischere Worte: „Der Bericht muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein, bevor sie unseren Planeten zerstören. Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündeln, können wir die Katastrophe abwenden.“ Für Klimaaktivistin Greta Thunberg enthalte der Bericht „keine wirklichen Überraschungen. Er bestätigt, was wir schon aus Tausenden vorherigen Studien und Berichten wissen – dass wir uns in einem Notfall befinden“.

In Österreich erklärt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne): „Wir müssen jetzt handeln, es braucht engagierte Klimaschutzpolitik“. Ihr Staatssekretär, Magnus Brunner von der ÖVP, sieht gleich Reformbedarf: „Ich will nicht von der Energiewende träumen, sondern sie schneller umsetzen. Denn Klimaschutz ist eine der wesentlichsten Aufgaben unserer Generation. Darum brauchen wir schnellere Genehmigungsverfahren in Österreich.“

Deutlich wird Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens: Die düsteren Vorhersagen aus dem Bericht von 2014 seien nur sieben Jahre später bereits schreckliche Realität geworden. „Nahezu täglich neue Wetterextreme, Überschwemmungen, Hitzerekorde und ganze Inseln, die in Flammen stehen: Die Klimakrise passiert hier und jetzt.“ Wetterextreme, wie sie in den letzten Wochen und Monaten vorkamen, würden die neue Normalität darstellen.

Greenpeace fordert von der österreichischen Bundesregierung „ein umfassendes und ambitioniertes Klimaschutzgesetz sowie eine sozial abgefederte ökosoziale Steuerreform“. Global 2000 will gleich einen „Green Deal“ für Österreich. Dazu gehöre ein Klimaschutzgesetz mit Sofortmechanismen und einem stufenweisen, rechtlich verbindlichen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle bis 2040 samt öko-sozialer Steuerreform. Diese soll ein Volumen von bis zu sieben Milliarden Euro haben.

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