Wildfires in Evia

© EPA / KOSTAS TSIRONIS

Leitartikel
08/09/2021

5 Grad plus ist keine Option

Wir bekamen einmal mehr einen Horrorbericht über unsere Zukunft. Und alle stellen sich die Frage, was wir tun können und müssen.

von Bernhard Gaul

Der neue Bericht des Weltklimarates IPCC lässt an Klarheit leider nichts mehr zu wünschen übrig. Die Erderhitzung nimmt dramatische Formen an, Katastrophen werden sich in vielen Regionen der Welt häufen. Immer klarer zeigen sich damit auch die Folgen des klimapolitischen Stillstands der letzten Jahre.

Eines der wesentlichen Ziele des Pariser Klimaabkommens, wonach sich die Staaten verpflichten, alles zu tun, um die Klimaerwärmung bis 2100 deutlich unter 2 Grad Celsius und möglichst bei 1,5 Grad zu begrenzen (immer im Vergleich zur vor-industriellen Zeit vor 1800), scheint inzwischen unerreichbar. 1,5° Erwärmung könne schon 2030 eintreten. Das 2°-Ziel könnte ebenso kaum mehr erreicht werden, wenn nicht umgehend begonnen wird, die Treibhausgasemissionen dramatisch zu reduzieren. Der Klimawandel ist nicht mehr verhinderbar und teilweise irreversibel.

Wir haben hier einmal mehr einen Horrorbericht. Und alle stellen sich die Frage, was wir tun können und müssen?

Tatsächlich ist das selbst für ein so reiches Land wie Österreich wahnsinnig schwer zu beantworten. Zwei Beispiele: Wir wissen, dass der Großteil der Autofahrten unter 100 Kilometer am Tag ist, dennoch hat die Autoindustrie bisher bei den kleinen Elektrofahrzeugen fast völlig ausgelassen, vorhanden sind teure E-Kombis und sündteure E-SUVs. Im kleinen, günstigen Bereich herrscht Flaute. Das in Deutschland derzeit beliebteste E-Modell, der VW e-Up, wird in Österreich nicht einmal angeboten (und wird bald gar nicht mehr produziert). Der Autokonzern vertröstet uns bei neuen E-Kleinwagen auf 2023 und danach.

Oder beim Thema Heizen und Warmwasser mit Öl und Gas: Eine Umstellung auf Wärmepumpen wird hier noch als bester Weg skizziert, das ergibt allerdings nur Sinn, wenn das Haus vorher ordentlich saniert und gedämmt wird. Als Mieter ist man hier völlig hilflos, als Hausbesitzer schnell finanziell überfordert. Da muss deutlich mehr passieren: bessere Förderungen, bessere Sanierungsmodelle, bessere Finanzierungen. Und natürlich braucht es harte, unpopuläre Maßnahmen, also das Gegenteil der vorherrschenden populistischen Politik, die nur ja keine Wellen schlagen will. Wer die Klimadebatte rund um die Asfinag verfolgt hat, kann da nur verzweifeln.

Zu Recht kann man noch einwerfen, dass Österreich global nur für 0,02 Prozent der aktuellen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist, die ganze EU nur mehr für acht Prozent. Das Dilemma heißt also, dass wir nicht nur bei uns schleunigst Treibhausgase auf null stellen müssen, sondern zwingend auch alle anderen Staaten dazu bringen müssen. Denn Scheitern heißt für uns: Plus fünf Grad im Alpenraum spätestens 2100. Das wäre ein unvorstellbarer Horror für die kommenden Generationen.

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