Politik | Inland
03.08.2014

Trauer um Barbara Prammer: "Große Demokratin und Vorbild"

Die Präsidentin des Nationalrats hat den Kampf gegen ihre Krebserkrankung verloren.

Am 24. September 2013 hatte Barbara Prammer einen ungewöhnlichen Schritt gesetzt. Begleitet von ihrem Arzt, dem renommierten Onkologen Christoph Zielinski, hatte sie in einer Pressekonferenz im Parlament bekanntgegeben: „Ich habe Krebs.“ Die Diagnose sei „ein schwerer Schock, den ich erst verarbeiten und verkraften muss“. Für sie sei das jedoch kein Anlass aufzugeben, viel mehr werde sie kämpfen – und ihre politische Arbeit fortsetzen, hatte die Nationalratspräsidentin angekündigt.

Am Samstag hat Barbara Prammer ihren Kampf gegen den heimtückischen Bauchspeicheldrüsen-Krebs verloren. Die Nachricht über den Tod der 60-jährigen SPÖ-Politikerin wurde am Abend publik. Das Parlament vermeldete, dass Prammer Samstagnachmittag „zu Hause im Kreise ihrer Familie verstorben“ sei.

In der Republik herrscht große Betroffenheit. Sämtliche Spitzenpolitiker des Landes würdigen die Verstorbene. Ganz besonders erschüttert sind Prammers Kollegen in der SPÖ.

„Eine absolut integre Politikerin, der ich mich auch persönlich sehr verbunden fühlte“

Bundespräsident Heinz Fischer sagte: „Die Nachricht erfüllt uns mit tiefster Traurigkeit.“ Prammer sei „eine der großen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Leben unseres Landes“ gewesen. Sie sei „eine engagierte Präsidentin des Nationalrats“ und eine absolut integre Politikerin“ gewesen, der er sich „persönlich sehr verbunden fühlte“.

Bundeskanzler Werner Faymannerklärte, Prammers „früher Tod hinterlässt bei allen, die sie kannten und die mit ihr arbeiten durften, große Betroffenheit und Trauer“. Für den SPÖ-Chef war die Nationalratspräsidentin eine „große Demokratin“ und „engagierte Frauenpolitikerin“. Sie habe sich selbst „als Kind der Kreisky-Zeit gesehen“ und „nie aufgehört, an eine Zukunft zu glauben, in der soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zur Selbstverständlichkeit geworden sind“. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabossprach von einer „Vollblutpolitikerin mit Herz und Hirn“.

Barbara Prammer: Werdegang in Bildern

Erinnerungen an die Ausnahmepolitikerin Prammer

1/18

PK NATIONALRATSPRÄSIDENTIN PRAMMER NACH PRÄSIDIALK

BARBARA PRAMMER

Studenten besetzen am Dienstag, 27. Okt. 2009 den …

MINISTERRAT

BARBARA PRAMMER BEI PRESSEKONFERENZ

BLOCKADE

SPÖ-BUNDESFRAUENKONFERENZ

PRAMMER und KLESTIL bei Angelobung

SPÖ-BUNDESFRAUENKONFERENZ

BM Barbara PRAMMER unterzeichnet Frauenvolksbegehr

PRAMMER

Wolfgang Schuessel, Barbara Prammer

ANGELOBUNG VON BUNDESPRÄSIDENT HEINZ FISCHER

KONSTITUIERENDE SITZUNG DES NATIONALRATES: PRAMMER

NATIONALRATSPRÄSIDENTIN PRAMMER SCHWER ERKRANKT -

VOLLVERSAMMLUNG ÖSTERREICHISCHER SENIORENRAT: PRAM

Barbara Prammer

Barbara Prammer

Von allen geschätzt

Österreich verliere „eine starke Persönlichkeit, die sich menschlich wie politisch Respekt und Anerkennung erworben hat“, sagte ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger. Sie sei „über die Parteigrenzen hinweg für ihre Arbeit wertgeschätzt worden“.

Der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopfsprach von „einer großen Staatsfrau und Persönlichkeit“. Er verneige sich „mit großem Respekt vor der Politikerin und dem Menschen Barbara Prammer“.

Die Opposition gab sich geschlossen bestürzt. Für Norbert Hofer (FPÖ), den Dritten Nationalratspräsidenten, war die gebürtige Oberösterreicherin „eine unglaublich tapfere Frau, die trotz ihrer Erkrankung und der überaus belastenden Therapie ihre schwierige Aufgabe vorbildlich weiter ausgeübt hat“. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sagte, Prammer „war eine überzeugte Parlamentarierin und stets auf die Würde des Hohen Hauses bedacht“.

Als „Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild“ bezeichnete Grünen-Chefin Eva Glawischnig die einstige Frauenministerin und erste Frau an der Spitze des Parlaments: „Die klaffende Lücke, die Barbara menschlich, politisch und gesellschaftlich hinterlässt, ist Beweis für ihr herausragendes Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz.“ Auch Team Stronach und Neos zollten Respekt.

Arzt informiert

Seit elf Uhr geben Nationalratspräsident Kopf und Prammers Arzt Zielinski eine Pressekonferenz. Kopf hat bereits Anfang Juli die Amtsgeschäfte übernommen, da Prammer wegen einer Entzündung im Spital behandelt werden musste. Alle Parlamentskollegen übermittelten damals Genesungswünsche. Am Samstag wurden sie über den Tod der Vollblut-Politikerin informiert. Größtes Mitgefühl, das betonten alle Polit-Spitzen, gelte freilich den Hinterbliebenen – Prammers Sohn Bertram, Tochter Julia und Enkelin Sophie.

Viktor Klima Der frühere Bundeskanzler Viktor Klima ( SPÖ) - er holte Prammer 1997 als Frauenministerin in sein Kabinett - erklärte in einem Statement gegenüber der APA: "Mit Barbara verliert Österreich eine Frau, die sich ganz besonders intensiv für andere Menschen eingesetzt hat und ein tiefes Gespür für Ungerechtigkeit entwickelt hat, der sie Zeit ihres politischen Lebens mit aller Kraft entgegengetreten ist." Er traf die Nationalratspräsidentin im vergangenen Februar und war damals über den Verlauf der Behandlung erfreut: "Umso mehr trifft mich nun die überraschende schreckliche Nachricht von ihrem Tod."

Rudolf Hundstorfer Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer zeigte sich tief betroffen: "Mit dem Tod Barbara Prammers verliert unser Land eine herausragende Persönlichkeit und engagierte Kämpferin für die Rechte der Frauen."

Junge SPÖ "Wir haben eine große Feministin, Antifaschistin und tolle Frau verloren! Unser Mitgefühl gehört in dieser schwierigen Zeit der Familie und den Verwandten von Barbara Prammer", so Katharina Kucharowits, Bundesvorsitzende der Jungen Generation in der SPÖ.

Reporter ohne Grenzen Große Anteilnahme erfolgte über Aussendungen auch am Sonntag: Reporter ohne Grenzen etwa erklärte, Prammers Einsatz für Medien-und Meinungsfreiheit bleibe unvergessen. Ihre große Stärke sei "ihre Liebe zu Menschen und ihr steter Einsatz für Menschenrechte" gewesen.

Othmar Karas ÖVP-Europamandatar Karas betonte seine hohe Wertschätzung für Prammers Arbeit und bedankte sich für die Fairness und Kooperationsbereitschaft der Politikerin.

Günther Kräuter Volksanwalt Kräuter, früherer SPÖ-Bundesgeschäftsführer, zeigte sich bestürzt: "Ich hatte die Ehre und das Glück viele Jahre mit dieser großartigen Politikerin sehr eng zusammenzuarbeiten." Ihr großes Herz für das Parlament und die Demokratie werden nicht zu ersetzen sein, so Kräuter.

Karl Blecha Der Präsident des Pensionistenverbands zeigte sich geschockt: "Wir haben so gehofft, dass unsere Barbara es schafft." Blecha sprach weiter von einem "unersetzbaren Verlust für Österreich".

Rudolf Kaske AK-Präsident Kaske betonte ihr soziales Engagement und ihren Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Franz Schnabl "Sie hat sich für die Schwächsten in der Gesellschaft stark gemacht", erklärte auch Franz Schnabl, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes.

Wolfgang Katzian Auch FSG-Vorsitzender Wolfgang Katzian bekundete seine Anteilnahme.

Josef Pühringer Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer ( ÖVP) erklärte: "Mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hat Oberösterreich eine große Persönlichkeit mit Verdiensten in vielen Politikbereichen verloren". Er erinnerte etwa an die verdienstvolle Arbeit Prammers in der Landespolitik. Sie war von 1991 bis 1995 Zweite Präsidentin des oberösterreichischen Landtages und von 1995 bis 1997 Landesrätin für Naturschutz, Wohnbau und Verwaltungspolizei.

Sonja Ablinger Die Vorsitzende der Sozialdemokratischen Frauen Oberösterreich Sonja Ablinger sagte über Prammer: "Sie hat wie kaum eine andere in der SPÖ Oberösterreich progressive Frauenpolitik und Geschlechterfragen zum gemeinsamen Anliegen der Partei gemacht".

Reinhold Entholzer SPÖ-Landesparteichef Reinhold Entholzer zeigte sich außerdem traurig über den Verlust einer jahrelangen Wegbegleiterin und Freundin.

Markus Wallner Das Land Vorarlberg trauerte ebenfalls um Prammer, so meinte Landeshauptmann Markus Wallner ( ÖVP), er habe die Nationalratspräsidentin als Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz als "sehr sachkundige und überaus freundliche Kollegin" schätzen gelernt. Vor dem Landhaus in Bregenz ordnete er Trauerbeflaggung an.

Gerhart Holzinger Auch via Twitter verabschiedeten sich viele von der Nationalratspräsidentin, ob Minister, Journalisten oder Wegbegleiter. Der Sprecher des Verfassungsgerichtshofs twitterte etwa, VfGH-Präsident Gerhart Holzinger zeige sich vom Ableben tief betroffen, der Verfassungsgerichtshof trauere um eine "beispielgebende Demokratin".

Aus Pietätsgründen können zu diesem Artikel keine Kommentare mehr gepostet werden.