Politik | Inland
10.02.2018

"Stinkerte Juden": Aufregung um Reaktion von Tiroler FPÖ-Chef

ABD0123_20180110 - INNSBRUCK - ÖSTERREICH: Markus Abwerzger (Landesparteiobmann FPÖ Tirol) während dem Wahlkampfauftakt der Tiro… © Bild: APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Die Lieberbuch-Affäre um Niederösterreichs Freiheitliche ist gerade verebbt, da hat Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger Erklärungsbedarf. Die SPÖ fordert nach einem TV-Beitrag seinen Rücktritt, der ORF bemüht sich um Aufklärung.

*) Aktualisierung: ZiB-Beitrag in voller Länge entlastet FPÖ-Politiker - Abwerzgers Reaktion wurde rausgeschnitten - mehr dazu hier.

Ein Wahlkampfbericht des ORF zeigt eine Szene, die für den Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger nun ein unangenehmes Nachspiel hat. Ein hochbetagter Tiroler schimpft in dem Beitrag darüber, dass man "stinkerte Juden" heute nicht mehr sagen dürfe, heute sei man da "sofort Nazi". In einer ersten Reaktion nickt Abwerzger. Der Passant lobt im Gespräch mit Abwerzger davor außerdem die Hitlerjugend sowie "Ordnung und Zucht" im NS-Regime.

Hintergrund: Abwerzger begab sich am Freitag auf Wahlkampftour ins Olympische Dorf, mit dabei war auch der ORF Tirol, der für Tirol heute eine Reportage anfertigte. Der 86-jährige Tiroler, mit dem Abwerzger sprach, ärgerte sich über die heutigen Zustände. In der Kirche etwa habe es in seiner Jugend immer "die stinkerten Juden" geheißen. Heute dürfe man das aber nicht mehr sagen. Ob die Szene nach Abwerzgers Nicken noch weiter ging, zeigt der ORF-Bericht nicht.

Abwerzger: Habe widersprochen

"Die Beurteilung, weshalb der ORF das so geschnitten hat, lasse ich jedem selbst über", empörte sich Abwerzger auf Twitter. Seit Freitagabend wehrt er sich dort heftig gegen den ORF-Beitrag. Der Sender habe seinen "deutlichen" Widerspruch – laut Abwerzger gemeinsam mit dem Innsbrucker FPÖ-Politiker Rudi Federspiel – nicht ausgestrahlt, den er nach der Nazi-Glorifizierung des älteren Herrn geäußert hätte. Die Tiroler Landtagswahl findet am 25. Februar statt, mit einer Fortsetzung der Affäre dürfte nach der herben Kritik Abwerzgers am ORF zu rechnen sein.

Er forderte ebenso wie FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dazu auf, "umgehend das gesamte Material online zu stellen". Vilimsky bezichtigte den ORF der "allerübelsten Manipulation" und verlangte Konsequenzen. "Diese Causa wird sowohl im Stiftungs-und Publikumsrat, wie auch rechtsanwaltlich umfassend zu prüfen und untersuchen zu sein", kündigte Vilimsky an.

ORF kündigt Aufklärung an

Brigitte Gogl als Chefredakteurin des ORF Tirol erteilte dem Ansinnen der FPÖ umgehend eine Absage. Ungesendetes Material werde grundsätzlich nicht herausgegeben, erklärte sie. Man sei aber bereits mit der Aufarbeitung der Angelegenheit beschäftigt, so habe sie schon mit der Redakteurin des Beitrags gesprochen. Gogl kündigte für die Zeit im Bild-Sendung um 13.00 Uhr einen Bericht an, der die Sache aufklären soll.

Die SPÖ - sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene - forderte unterdessen Konsequenzen von Abwerzger. "Wer derlei Aussagen unkommentiert stehen lässt, gar noch anerkennend nickt, kann kein Vertreter der Tirolerinnen und Tiroler sein. Gegen dieses Gedankengut muss man aufstehen", sagte Tirols Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik. "Abwerzger muss das sofort aufklären oder umgehend zurücktreten. Denn für Antisemitismus gibt es keinen Platz in der österreichischen Politik", sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher.