Politik | Inland
03.09.2017

Strolz: "Goschert" und "voll von Energie"

Der Neos-Chef genießt auf Wahltour zwar Sympathie, hat aber ein lästiges Problem namens Kurz.

Auf dem Hauptplatz in Linz am Freitagnachmittag. Neos haben einen Info-Stand aufgestellt, die Band spielt, Matthias Strolz kommt mit dem Tourbus. Passanten eilen nicht vorbei, wie oft üblich, sondern wollen diskutieren. Über zu niedrige Gehälter für Pflegepersonal. Über Pensionen und die Sozialpartner. "Mir gefällt ihr Enkelfit-Programm, ich habe dreizehn Enkel", sagt ein 62-Jähriger. Strolz steigt mit Verve auf die Gespräche ein, nimmt sich Zeit. "Sie gefallen mir, weil Sie so voll Energie sind", lobt eine Bankangestellte.

Weiter geht’s zum Hausbesuch bei pensionierten Ärzten. "Was gefällt Ihnen an uns? Was irritiert Sie?", eröffnet Strolz das Kaffeekränzchen. "Sie reden im Fernsehen zu schnell, ältere Leute verstehen das schwer", sagt die Frau. "Mir gefällt euer Programm, ihr solltet nichts daran ändern", sagt der Mann. "Aber – wo genau unterscheidet ihr euch von Kurz?" Das sitzt. Strolz holt aus und erzählt, wie er versucht hat, die Bildungsreform zu retten. Und dass trotz des Wechsels zu Kurz die Landeshauptleute auch in den neuen Bildungsdirektionen am Drücker bleiben. Strolz: "Diese Fürsten der Finsternis wollen den Zugriff auf 6000 Direktorenstellen und 120.000 Lehrerposten. Sie stehen nicht mit dem Schulbuch im Klassenzimmer, sondern mit dem Parteibuch." Die älteren Herrschaften sind beeindruckt. Sie wollen bei Sohn und bei Enkel für die Neos werben.

Beim Verlassen des Hauses erblickt Strolz auf der gegenüber liegenden Straßenseite ein paar ältere Frauen in einem Modegeschäft, die erwartungsvoll durch die gläserne Ladentüre zu ihm herüberblicken. Schon ist er dort. "Gibt’s hier auch was für Herren?" – "Sie gefallen mir, weil Sie so goschert sind", sagt eine der Frauen. Binnen kürzester Zeit hat Strolz die Lebensgeschichten erkundet, eine Stola für seine Frau erstanden und gelernt, was eine Modistin ist.

Verspäteter Aufbruch ins Innviertel.

Kein Cap und kein Pilz

Auf der "At Home"-Party sind 75 Leute. Es sind Sympathisanten, bürgerlicher Mittelstand, Unternehmer, Selbstständige, Angestellte. Strolz stellt das Neos-Projekt vor: "Wir Neos bringen neue Qualität in die Politik. Wir haben mit dem Offenlegen aller Parteispenden neue Standards gesetzt. Bei uns gibt es keinen Cap, keinen Neugebauer und keinen Pilz. Denn bei uns ist nach 15 Jahren im Parlament Schluss. Wir wollen nicht more of the same sein. Wenn wir werden wie die anderen, dann wählen Sie uns bitte nicht mehr!"

Strolz erklärt das pinke Flexi-Pensionssystem: Die Leute sollen selbst entscheiden, ob sie lieber früher mit einer niedrigeren Pension oder später mit einer höheren in den Ruhestand treten. Er wettert über die Gewerbeordnung, die "so zurechtgebogen wird, dass sie die Struktur der Wirtschaftskammer nicht z’sammhaut". Strolz: "Das ist deren Logik: Die Menschen sind für die Kammer da und nicht umgekehrt."

Und wieder eine Episode aus dem Parlament. Eine SPÖ-Abgeordnete habe erklärt, warum sie dagegen ist, dass ein Arzt einen anderen Arzt anstellt:Denn dann sitze der eine Arzt auf einer Yacht, während zehn andere für ihn arbeiten. Strolz: "So etwas kann nur jemand sagen, der noch nie im echten Leben war."

Einer der Gäste fragt: "Viele hier stehen vor der Gewissensfrage: Kurz oder Neos? Denn Kurz kann umsetzen, aber welche Garantie haben wir bei Neos, dass etwas von dem auch kommt?"

Strolz: "Die Elferfrage mit dem Kurz – die wird mir heute eh erst zum ersten Mal gestellt". Lachen im Saal. "Wenn der Kerl keinen pinken Stachel im Fleisch hat, wird er nach der Wahl umfallen, und zwar serienweise. Die ÖVP hat ja ihre schlechten Gewohnheiten nicht abgelegt. Sie bohrt immer noch in der Nase, aber im Moment halt heimlich am Klo."

In dieser Reportage-Serie sind bereits erschienen: