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Politik Inland
01/23/2020

Strache: "FPÖ hat Kopf, Herz und Seele verloren"

Früherer FPÖ-Chef spottet über Ex-Partei als „Nepp-Partei“, die sich an die ÖVP anbiedere.

von Bernhard Ichner, Ida Metzger, Johanna Hager, Josef Gebhard

„Don’t stop me now“ – zum Queen-Hit kehrt er zurück. Im goldenen Ambiente der Sofiensäle wollte Heinz-Christian Strache seinen 50. Geburtstag feiern. Dazu kam es aber nicht, weil die Ibiza-Affäre platzte. Nach seinem Rücktritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef wurde die Party damals abgesagt. Am Donnerstag holte Strache das Versäumte nach – in den Sofiensälen gab er sein Comeback.

Schon 30 Minuten vor dem Start ist der Saal voll mit rund 1.000 Strache-Fans und Schaulustigen. Sie tragen Buttons mit der Aufschrift: „Die beste Rache ist dein Kreuz bei HC Strache“. Autogramm-Karten zeigen Strache mit seinem Hund und der Aufschrift „Ich war dabei“.

Als Strache, umringt von Kamera-Teams, einzieht, gibt es stehende Ovationen und HC-Rufe. Gegen 19:40 Uhr betritt er die Rednerbühne. „Vor 251 Tagen war Reden halten mein Alltag, heute ist es etwas Besonderes“, sagt er.strac

Abrechnung mit FPÖ

Was dann folgt, ist ein Mix aus Abrechnung mit seinen ehemaligen blauen Weggefährten („Das ist nicht mehr die freiheitliche Gemeinschaft. Das war einfach hässlich“) , eine politische Bilanz („Ich habe die Unterschrift beim UN-Migrationspakt verhindert“) und Opferdarstellung („Ibiza war eine feige Aktion“).

Nicht er, Strache, wäre schuld am schlechten Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl, sondern die Anbiederung von Norbert Hofer an die ÖVP. „Bitte, bitte, bitte, nimm mich“, hätten Norbert Hofer und Herbert Kickl gerufen. Strache: „Das erinnert mich an die Edith Klinger-Sendung: ,Wer will mich?’“ Mit Straches Parteiausschluss habe die FPÖ „Kopf, Herz und Seele verloren“.

Künftig wolle er sich nicht mehr für eine „aufgeblähte Funktionärspartei“ engagieren, sondern nur mehr in einer politischen Bewegung, wo man auf die Bürger hört. Über seine ehemaligen Mitstreiter in der FPÖ sagt er, sie seien „niemals ehrliche Freunde gewesen“, und in der FPÖ gebe es jetzt drei Chefs: der „seidenweichen Hofer, der auf den Knien rutscht“.

Der Kickl, „der viel zu sehr verbal übertreibt“ und der Haimbuchner, „der am Rockzipfel des oberösterreichischen Landeshauptmanns hängt“. Zum Finale seiner Rede kündigt er an, was das Publikum in den Sofiensälen hören will: Es wird eine Liste HC Strache geben. Wien brauche eine starke Bürgerbewegung, um einen grünen Bürgermeister zu verhindern.

Auf die Unterstützung der Zuschauer dürfte Strache zählen können. Ibiza sei ein Hinterhalt gewesen, meinen hier viele. Wie etwa Maria Karl (79), die erst Jörg Haider und dann Strache ewige Treue schwor. Sie wünscht sich ebenso seine Kandidatur wie Friedel Ratz (79), der mit fünf bis zehn Prozent Zustimmung rechnet. „Weil der HC ein Stehaufmanderl ist.“ Straches Selbstbewusstsein bewundert auch Alexandra Sec (52): „Ibiza und Spesenaffäre waren unschön – andere würden da auf Tauchstation gehen. Aber nicht der Strache.“

Alexandra Sec, 52 Jahre

„Ich möchte sehen, wie sich Strache nach allem, was vorgefallen ist, präsentiert. Da waren mit der Ibiza- und der Spesenaffäre ja ein paar unschöne Dinge dabei. Andere würden da eine Zeit lang nicht öffentlich auftreten - aber Strache hat Selbstbewusstsein. Da war zu erwarten, dass er wiederkommt. Ich würde wollen, dass er bei der Wien-Wahl antritt.“ Zu Ibiza & Spesen: „Jeder hat doch ein bisserl Dreck am Stecken.“

Peter Stummvoll, 71 Jahre

„Ich habe mir die Rendi-Wagner auch schon angehört, jetzt möchte ich den Strache hören. Ich hoffe auf Stellungnahmen zu Ibiza und Spesenaffäre - bis jetzt kennt man ja nur die Darstellung der Medien. Ich vermute, dass Strache in Wien antreten wird.“

Maria Karl, 79 Jahre

„Am Anfang war ich nach Ibiza schon enttäuscht - aber das war alles halb so schlimm, das ist doch alles nicht wahr, das war ein Hinterhalt. Ich bin ein erklärter Strache-Fan - vorher war ich Haider-Fan. Ich war auch schon Wahlhelferin und habe Zettel verteilt. Ich will einfach, dass HC Strache in Wien antritt. Er ist menschlich und für alle da.“

Friedel Ratz, 78 Jahre

„Ibiza war eine b'soffene G'schicht. Ich bin auf Straches Themen gespannt und ich finde, er sollte es bei der Wien-Wahl probieren. Er würde mindestens fünf Prozent schaffen, wenn nicht zehn. Er hat einfach die Anhänger. Er ist dynamisch, ein Stehaufmanderl halt. Er spricht die Leute an.“

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